Assassin's Creed Valhalla ist unabsichtlich das perfekte Spiel für 2021

Die Open World von Assassin's Creed Valhalla ist ideal für kurze, kleine Ausflüge. Kritikpunkte am Spiel verwandeln sich dabei in Pros.

von Peter Bathge,
05.03.2021 15:30 Uhr

Assassin's Creed Valhalla ist 2021 bisher das einzige Spiel, das unseren Redakteur zu fesseln weiß. Den Gründen dafür geht er in seiner Kolumne nach. Assassin's Creed Valhalla ist 2021 bisher das einzige Spiel, das unseren Redakteur zu fesseln weiß. Den Gründen dafür geht er in seiner Kolumne nach.

Bei Ubisoft müssen Voodoo-Priester arbeiten! Oder zumindest Seher mit langen Bärten und blutbeschmutzten Fingern, die in Tiereingeweiden herumwühlen, um die Zukunft zu ergründen. Wie sonst hätten die Entwickler so exakt vorhersehen können, was für eine Art Spiel perfekt zu meinen Spielgewohnheiten in den Lockdown-Jahren 2020 und 2021 passt? Es führt kein Weg drum herum: Assassin's Creed Valhalla ist für mich ideale Begleiter in der Corona-Pandemie.

Dabei war ich dem Wikingerspiel und seiner Open World beim Release sehr kritisch gegenüber eingestellt, verurteilte es gar als zu korrigierende Fehlentwicklung für die AC-Serie. Superkurze Nebenquests, eine fragmentierte Hintergrundgeschichte, eine Heldin ohne Profil - die Schwachpunkte von Assassin's Creed Valhalla existieren weiterhin, aber je länger ich spiele, umso mehr kehren sie sich für mich ins Positive. Denn ich habe gerade gar keine Zeit für ein besseres Spiel!

Mit Valhalla führt Ubisoft erfolgreich Konzepte weiter, deren Grundstein in Assassin's Creed Odyssey gelegt wurden. Denn den Entwicklern ist nichts Geringeres als die Quadratur des Kreises gelungen: Valhalla ist ein Singleplayer-Service-Game, das man ewig weiterspielen kann. Dafür bin ich sehr dankbar - aber ich habe auch ein bisschen Angst davor.

Der Autor
GameStar-Reakteur Peter Bathge hält es für keine gute Idee, auch im echten Leben eine versteckte Klinge am Armgelenk zu tragen. Umgehen könnte er damit aber bestimmt - viele Jahre Erfahrung mit der Assassin's-Creed-Serie haben ihn zu einem selbsternannten Experten für (virtuelle) Attentate gemacht. Zumindest wenn die potenziellen Opfer immer so brav unter Dachgiebeln und Fenstern stehen bleiben wie in Assassin's Creed. Nach über 100 Stunden mit AC Odyssey verspürte er gewisse Erschöpfungserscheinungen - doch 2021 hat sich der Nachfolger Valhalla zu seinem Lieblingsspiel gemausert. Wegen mangelnder Konkurrenz - und unwissentlich klugem Spieldesign.

Mit dem Langboot durch den Fjord - das ist in Assassin's Creed Valhalla ein schöner virtueller Ersatz für die ausgefallenen Ausflüge im Echtwelt-Lockdown. Mit dem Langboot durch den Fjord - das ist in Assassin's Creed Valhalla ein schöner virtueller Ersatz für die ausgefallenen Ausflüge im Echtwelt-Lockdown.

AC Valhalla profitiert von der Spiele-Flaute

Valhalla und ich, wir haben uns für drei Monate getrennt. Über Weihnachten war einfach keine Zeit, um tief ins England zur Zeit der Wikinger einzutauchen. Leicht angeödet vom kontrovers bewerteten Spiel, ging die Zwangspause dann 2021 voerst weiter. Aber inzwischen stecke ich wieder jede freie Minute in Ubisofts Action-Adventure mit geflochtenen Bärten und scharfen Äxten. Das hat vor allem zwei Gründe:

  1. Es gibt zur Zeit kein anderes Spiel, das mich aus meiner Apathie reißen kann.
  2. Valhalla ist von seiner Struktur her bestens geeignet für kurze Spiel-Sessions.