Ich bin überzeugt: Kaum ein Fantasy-Universum eignet sich so gut für eine richtig tolle Rollenspielumsetzung wie Avatar - The Last Airbender. Zumindest in der Theorie. Denn seit vielen Jahren warte ich darauf, endlich selbst in die Welt von Aang einzutauchen – aber nichts gibt’s, stattdessen werden nur Lizenzgurken aufgetischt.
Es ist eine echte Schande, dass diese Marke so lieblos behandelt wird. So viele Leute lieben die Serie, zitieren heute noch Onkel Iroh und halten den Kohlhändler als ewiges Meme am Leben. Die potenziellen Spieler sind also schon da und scharren mit den Füßen – aber wo bleibt das Spiel, das uns abholt?
Warum Avatar so eine fantastische Spielvorlage wäre
Grund 1: Diese Welt!
Den eingefleischten Fans erzähle ich nichts Neues, aber kommt ruhig mit mir auf einen kleinen Nostalgietrip: Die Welt von Avatar ist faszinierend und unheimlich vielschichtig. Hier treffen viele Kulturen aufeinander, zum Beispiel die fortschrittliche, aber kriegerische Feuernation und das riesige Erdkönigreich mit seinen gemütlichen Dörfern und prächtigen Städten.
Für eine an Kinder gerichtete Serie ist diese Welt extrem komplex, kein Volk ist gut oder böse, alle folgen einfach ihren eigenen Glaubenssätzen – die oft genug zu brutalen Konflikten führen. Das ikonische Intro erklärt es wunderbar:
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Zu diesen Schauplätzen kommt noch die Geisterwelt, in der völlig andere Gesetze gelten und die sich perfekt für kuriose Quests eignen würde. Zum Beispiel dem fiesen Gesichtsdieb Koh eine Visage entreißen oder einen zornigen Geist zurück nach Hause lotsen.
In der Serie erkundet die Gaang (so der Name der Hauptcharaktergruppe) vereiste Berge, dichte Wälder, karge Wüsten, tückische Sümpfe und vieles mehr, alles bewohnt von einzigartigen Mischtieren wie Seehund-Pinguinen und Katzen-Alligatoren. Das ergäbe nicht nur eine spannende Open World zum Erforschen, sondern auch eine riesige Gegnervielfalt!
Grund 2: Die Avatar-Kräfte
Die sogenannten Bändiger können die vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft kontrollieren. Und dieses simple Prinzip hat die Serie extrem kreativ umgesetzt – zum Beispiel treibt die Feuernation so ihre Dampfmaschinen an. Wasserbändiger dagegen können die Körper von anderen beeinflussen (bestehen ja hauptsächlich aus Wasser) und sie heilen oder gegen ihren Willen bewegen.
Nur der Avatar oder die Avatarin kann alle vier Elemente meistern – das schreit doch förmlich nach Rollenspiel-Mechanik! Wir fangen mit dem Element unserer Spielheimat an, bereisen dann die unterschiedlichen Länder und erlernen immer komplexere Bändiger-Skills, mit denen wir besser kämpfen oder neue Gebiete eröffnen. Eben wie Aang in der Serie.
Es muss auch nicht bei diesen »magischen« Skills bleiben, in Avatar spielen ja traditionelle asiatische Kampfkünste und Waffen eine wichtige Rolle. Gebt mir von mir aus Sifu im Avatar-Setting (und dreht die Schwierigkeit runter, sonst muss ich sehr viel weinen)!
Grund 3: Die Charaktere
Avatar – The Last Airbender ist vor allem so beliebt, weil wir Fans die komplexen Charaktere so sehr ins Herz geschlossen haben. Es wäre wundervoll, ihnen in einem Spiel wieder zu begegnen. Es muss ja nicht unbedingt die Reise von Aang sein, die wir schon in der Serie erlebt haben. Ich nehme genauso gern ein Spin-Off, in dem es um Aangs Vorgänger oder die Großmutter von Katara und Sokka geht! Hauptsache ein paar bekannte Gesichter tauchen auf.
Dank Cartoon-Grafik muss man dafür auch keine superaufwändigen 3D-Modelle erstellen, die Serienoptik ist zeitlos, simpel und in meinen Augen sehr dankbar umzusetzen.
Warum wird es bisher einfach nichts?
So, jetzt habe ich euch hoffentlich komplett überzeugt, dass Avatar die perfekte Spielvorlage wäre. Kommen wir zum schmerzhaften Teil dieses Artikels: Werfen wir einen Blick auf die bisherigen Versuche, ein cooles Spiel draus zu machen.
In meinen Augen das bisher beste Avatar-Spiel war das Beat’em’Up The Legend of Korra, das auf dem gleichnamigen Sequel basierte und 2014 herauskam. Mit Platinum Games als Entwickler und Activision als Publisher standen erfahrene Studios dahinter und es kam auch ein halbwegs solides Spiel raus, wenn auch zu kurz und seicht.
Das müsst ihr mir jetzt alles einfach glauben, denn The Legend of Korra wurde 2017 aus allen Shops entfernt – aus Lizenzgründen. Das Spiel gab es nie als physische Version, es ist also so gut wie verschwunden.
Im GameStar-Test von Maurice hat es damals eine glatte 60 eingefahren – Moment mal, Steffi, das soll das bisher beste Avatar-Spiel sein? Ja und ich weine doch auch gerade darüber! Schaut euch nur mal den neuesten Ableger Quest for Balance an, der mich zu diesem Artikel inspiriert hat. Ich zitiere aus den größtenteils negativen Steam-Reviews (28 Prozent positiv):
Schlechte Kamera, schlechte Vertonung, schlechtes Gameplay, Controller kann nicht angeschlossen werden und die Tastatursteuerung ist furchtbar. Mein PC ist gut, aber läuft bei diesem Spiel heiß. Er versucht, mich zu beschützen.
Echt schade, was für eine Schande an Spiel hier für ein tolles Franchise erstellt wurde :(
Ich verspreche euch, das Spiel ist noch schlimmer als es in den Reviews rüberkommt, also hört drauf, spart euer Geld und hofft, dass wir eines Tages ein gutes Avatar-Spiel bekommen.
Was gab es sonst noch? Ein durchwachsenes Action-RPG für die PS2-Konsolengeneration und massenhaft Browsergames, mit denen man damals auf der Nickelodeon-Webseite Zeit totschlagen konnte. Falls ich was vergessen habe, erinnert mich in den Kommentaren daran. Gut war’s sicher nicht.
Ich befürchte (wie viele andere Fans), dass die miserable Verfilmung von 2010 nachhaltigen Schaden angerichtet hat. Sie war teuer und floppte so heftig, dass die geplanten Sequels eingestampft wurden und sie bis heute als einer der schlechtesten Filmumsetzungen überhaupt gilt. Möglich, dass das bei manchen Studiochefs als Zeichen interpretiert wurde, dass die Leute kein Interesse an Avatar haben – was meilenweit von der Wahrheit entfernt ist. Wir haben nur keine Lust mehr auf schlechte Avatar-Filme und -Spiele!
Alles Essig also?
Ich bin längst noch nicht bereit, die Hoffnung auf ein tolles Avatar-Spiel zu begraben, denn wie Onkel Iroh uns lehrte: »Du darfst dich nie im Leben der Verzweiflung hingeben«. Also verrate ich euch zwei Gründe für Optimismus:
Die Marke wächst bald massiv. Nach vielen Jahren Zurückhaltung nehmen die Lizenzgeber von Nickelodeon endlich wieder Geld in die Hand und wagen neue Projekte: Bei Netflix ist eine Live-Serie in Arbeit, 2025 erscheint eine neue Animationsserie (100 Jahre nach Korra angesiedelt), 2027 dann ein Animationsfilm über den neuen Avatar. Und mein Favorit: Ein animierter Film über die Gaang als Erwachsene, der am 10. Oktober 2025 rauskommen soll. Das volle Programm wird hoffentlich neue Fans gewinnen und die Forderungen nach einem hochwertigen Spiel noch viel lauter machen.
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Erde, Feuer, Wasser & Luft im Teaser-Clip zur Realverfilmung von Avatar: The Last Airbender
Die Fanbase von Avatar ist immer noch riesig. Das Subreddit sprüht vor Leben, regelmäßig veröffentlichen große YouTube-Kanäle neue Videos über die Serie – der offizielle Channel postet alle paar Tage Clips und hat über 2 Millionen Abonnenten. Bei so einer langlebigen Marke ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch ein weiteres Spiel entwickelt wird – und es macht Avatar interessant für große Studios.
Bis dahin schaue ich die Serie einfach jedes Jahr wieder durch (mit Korra und den Comics!) und träume davon, eines Tages in ein richtig gutes Avatar-Rollenspiel abzutauchen.
Was denkt ihr: Stimmt ihr mir zu, dass es unbedingt Zeit für ein richtiges Avatar-Spiel wird? Am besten mit Open World, spannenden Bändigermanövern und packender Story? Würdet ihr lieber die Geschichte der Gaang nachspielen oder eine andere Epoche hautnah erleben? Schreibt es mir gerne direkt unten in die Kommentare!
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