Über die eigenen Branchenkollegen zu lästern, ist eigentlich kein guter Stil, aber im Gaming hat es Tradition: Schon in den 90ern tönte Sega über die eigene Konsole Genesis does what Nintendon't
, in Driver und GTA schießen sich die jeweiligen Hauptfiguren gegenseitig über den Haufen; Uncharted hatte einen Next-Gen-Filter, mit dem sich alle Farben im Spiel in braunen Matsch verwandeln, um sich über die »Dark and Gritty«-Konkurrenz der PS3-Ära zu beömmeln. Legendär bleibt auch Bulletstorms Werbespielchen Duty Calls ... könnt ihr selbst raten, auf was das anspielt.
Und jetzt: Battlefield 6. Im brandneuen Live Action Trailer schießt DICE ganz bewusst gegen Call of Duty. In den ersten Sekunden des Clips treten Promis wie Zac Efron, Morgan Wallen und Basketball-Profi Jimmy Butler als Sturmsoldaten auf, werden weggebombt, um Platz zu machen für die echten
Battlefield-Soldaten.
Der Joke dahinter: Call of Duty ist mittlerweile berüchtigt für seine Gastauftritte, seit Jahren werden Sportler, Musikerinnen und Influencer zu spielbaren Operatoren, beispielsweise Nicki Minaj, Lionel Messi und Seth Rogen.
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Der neue Trailer zu Battlefield 6 schießt scharf gegen Call of Duty: »Der größte Mittelfinger-Launch, den es je gab«
Battlefield 6 sagt: So einen Quatsch machen wir nicht. Das passt auch gut zur brodelnden Skin-Debatte. Call of Duty ist mittlerweile kaum noch als Modern-Military-Spiel erkennbar, auf den Servern tummeln sich die Ninja Turtles, American Dad, Beavis and Butt-Head, übergroße Enten, Katzen, Faultiere. Für Activision scheinen alle Skins bloß eine Farbe zu haben: dollargrün.
Smartes Marketing von Battlefield 6
Das Marketing hinter Battlefield 6 hat hier smart reagiert. Es begann mit einzelnen Aussagen von DICE-Entwicklern, dass Battlefield auf diesen Zug nicht aufspringt. Der Jubelsturm der Fans fiel riesig aus, denn viele Leute wollen – quelle surprise! –, dass ihr Modern-Military-Spiel aussieht wie ein Modern-Military-Spiel.
Da will man sofort einwerfen: Ja, gut, da reden wir von einer laut mosernden Minderheit, denn die meisten Spielerinnen und Spieler cashen trotzdem ordentlich rein und kaufen die bunten Skins, sonst würde Activision das ja nicht machen.
Nur: Activision scheint sich wirklich Sorgen zu machen. Unmittelbar nach den ganzen Aussagen der DICE-Entwickler folgte seitens CoD ein Dreisprung.
All die schrillen Skins aus Black Ops 6 können plötzlich doch nicht in den Nachfolger übernommen werden, direkt im Anschluss wurden die Vorbesteller-Boni des neuen Black Ops 7 angepasst, um die Preorder-Skins realistischer
zu machen. Und drittens sagt Treyarchs Senior Director of Production öffentlich: Wir haben Kooperationen bewusst abgesagt, weil sie nicht zur Marke passen.
All das geschieht noch vor dem Live Action Trailer von Battlefield 6, der zusätzlich Salz in Activisions Wunde streut. DICE ruft sich jetzt schon als großer Sieger aus, prahlt im Sinne von »Wir machen den einzig richtigen, ernsten Multiplayer-Shooter des Spieleherbsts 2025«.
Ich sage: DICE sollte den Mund lieber nicht zu voll nehmen. Ob Battlefield 6 wirklich der Heilsbringer ist, wird auf einem ganz anderen Schlachtfeld entschieden. Und auf dem erringt DICE seit Jahren bestenfalls Pyrrhussiege.
Woran Battlefield wirklich scheitert
Ich spiele gerade Battlefield 2042. Hier hat DICEs Marketing nämlich einen ziemlich coolen Stich gemacht: Sie nutzen den Vorgänger, um das neue Battlefield 6 zu bewerben. Wer jetzt 2042 zockt, kann nicht nur jede Menge Skins für das neue Battlefield freischalten, sondern auch neue Fahrzeuge sowie den rundum erneuerten Map-Klassiker Iwojima genießen.
Und nach einer langen Pause zu Battlefield 2042 zurückzukehren, ist eine ... interessante Erfahrung. Ich habe in das Ding damals™ über 200 Stunden gesteckt, jetzt aber für zwei Jahre pausiert – und dieser Abstand lässt mich das Spiel nochmal mit anderen Augen sehen.
Damals tobte ja ein gewaltiger Shitstorm, weil die Leute zurecht alles an diesem kontroversen Battlefield kritisierten: die Specialists, das Waffen-Balancing, die Maps, die 128-Spieler-Megalomanie und, und, und.
Kein Wunder, dass als allergrößte Frage über Battlefield 6 schwebt: Hat DICE aus den Fehlern von 2042 gelernt?
Und wenn man sich 2042 jetzt anschaut, wirkt es auch erstmal so: 2042 bietet mittlerweile fast 70 Waffen, außerdem ist das Klassensystem zurück und so weiter – darüber habe ich schon vor Jahren mehrere Videos gemacht:
9:18
Battlefield 2042 - Mit Season 5 ist der Shooter endlich auf Kurs!
Doch all diese Verbesserungen isolieren nur noch stärker die eine Kategorie, in der DICE seit Jahren strauchelt: die Maps.
Sämtliche Maps von 2042 haben über die Jahre umfangreiche Reworks erhalten, wurden generalsaniert und monatelang auf Basis von Userdaten überarbeitet. Und das Ergebnis ist ... über weite Strecken schlechter als davor.
Das große Map-Menetekel von Battlefield
Ich weiß, ich weiß: Battlefield-Fans haben einen merkwürdigen Fleischwolf-Fetisch. Sie lieben es, immer wieder in die gleiche Killbox reinzurennen, Erfahrungspunkte zu farmen, sich 64 mal über den Haufen schießen zu lassen und dabei laut Operation Metro
zu grölen. Nur springt DICE so stark auf diesen Zug auf, dass ich mich frage, ob sie große Maps mittlerweile verlernt haben?
Selbst die neue Iwojima-Map in 2042 fängt offen an, verengt sich letztlich aber in einen frustrierenden Engpass, an dem auch erfahrene Angreifer sich die Zähne ausbeißen. Die letzte große Season-Map von 2042 heißt Redacted und ist – richtig – ein einziger Fleischwolf. Vormals richtig gute Karten wie die kanadische Exposure bekamen nachträglich Engpassagen.
Und was war der größte Kritikpunkt nach der Beta von Battlefield 6? Dass die Maps zu klein, zu eng, zu wenig Battlefield sind. Auf der einzigen offenen Map, Liberation Peak, dauerte es keine 24 Stunden und das Netz wurde geflutet von Memes, weil du als Spieler ununterbrochen auf 200 Meter von irgendeinem Scharfschützen weggeschnippt wirst:
Link zum Reddit-Inhalt
Und deshalb reicht es auch nicht, zu sagen: Die Fans lieben Fleischwölfe, also geben wir ihnen Fleischwölfe.
Ginge es nur danach, dann bestünde jedes CoD ausschließlich aus Shipment-Mini-Maps.
Ja, die Leute farmen gerne Erfahrungspunkte, aber die großen Alleinstellungsmerkmale spielt Battlefield seit jeher auf großen Karten aus mit Fahrzeugen, Helikoptern, mit strategischen Sandkästen, in denen mein Squad komplett frei entscheidet, ob wir unbewachte Punkte überfallen oder uns ins Getümmel an der Front werfen wollen.
Ja, wir erzählen gerne, wie wir 20 Stunden in Operation Metro rumgeballert haben, aber letztlich entsteht in diesen 20 Stunden keine einzige punktuelle Erinnerung. Die formt sich auf dem großen Schlachtfeld, auf gut gemachten Mega-Maps, die sämtliche Distanzen einkalkuliert.
Das ist eine hohe Kunst, die nur wenige Multiplayer-Studios wirklich gut beherrschen. Aber genau hier muss DICE zeigen, dass sie es mit Battlefield 6 auf dem Kasten haben.
So löblich ich es auch finde, dass DICE auf Quatsch-Skins verzichten will (da reden wir dann nach Release nochmal drüber, wenn die Dollares am Horizont winken): Ob Battlefield 6 wirklich brilliert, wird auf den großen Maps entschieden. Und hier muss das Spiel sich seiner wichtigsten Prüfung noch stellen – danach darf es dann von mir aus auch prahlen.
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