Call of Duty: Vanguard gibt mir gerade kostenlos, was Battlefield 2042 verpennt

Meinung: Arms Race ist der beste Modus, der Call of Duty Vanguard passieren konnte. Und Dimi spielt seit Tagen nichts anderes.

von Dimitry Halley,
04.04.2022 16:05 Uhr

Ab und an bekomme ich Post von irgendwelchen Ämtern oder Institutionen. Also keine dringliche Post, kein Ihre Wohnung wird gepfändet oder Haftbefehl, weil Sie widerrechtlich Minecraft-Cheats verwendet haben, sondern eher so ein lahmes Wir haben unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert, hier sind 40 Seiten bürokratisches Juradeutsch. Und mir fällt es so schwer, in diesen trockenen Textwüsten auch nur den dritten Absatz zu erreichen. Bürokratie-Kram interessiert mich so unsagbar wenig, dass meine Augen beim Lesen immer wieder abgleiten wie ein Kletterhörnchen an einer glattpolierten Marmorwand.

Seit Monaten ist Call of Duty Vanguard für mich eigentlich genau das. Das Spiel scherte mich privat so sehr wie Pizza mit Mandarinen, also null-komma-null. Ihr hättet mir Geld bezahlen müssen, mich wieder auf ein Weltkriegs-CoD einzulassen, denn auf Vanguard hatte in meinem Umfeld absolut niemand gewartet. Weder meine Freunde noch ich noch ihr, wenn man den mauen Aufrufzahlen unserer Vanguard-Meldungen Glauben schenkt.

Doch das hat sich schlagartig geändert. Seit Tagen spielt mit Freundeskreis nichts anderes mehr als Vanguard - und das liegt einzig und alleine am neuen Modus Arms Race, den ihr alle bis zum 13. April völlig kostenlos ausprobieren könnt. Denn dieser Modus liefert mir genau das, was Battlefield 2042 verpennt hat.

Der Autor: Battlefield 2042 war für Dimi quasi der Anakin Skywalker der Gaming-Welt. Der Auserwählte, der die Shooter-Welt wieder ins Gleichgewicht bringen - und ihm vor allem unzählige unvergessliche Multiplayer-Abende mit Freunden bescheren würde. Doch am Ende bekam er bloß eine riesige Tragödie. Seitdem klafft eine Lücke in Dimis Shooterwelt, die er mit kleineren Spielen wie Halo, Hunt oder jetzt Vanguard schließen will. Aber wir alle wissen, dass es nur einen wahren Auserwählten geben kann: Star Wars: Battlefront 3. Irgendwann. Irgendwie.

Was ist Arms Race?

Der Fairness halber: Vanguard hat es gerade auch ziemlich leicht, mein Herz zu erobern. Halo Infinite entwickelt sich seit Release immer mehr zu einer dieser Beziehungen, deren Flamme mit der Zeit erlischt, weil man einfach nichts Neues mehr gemeinsam erlebt. Kein neuer Content bis Mai, nichts mehr freizuschalten, bloß noch Routine - absoluter Liebestöter. Mehr dazu in unserem Service-Game-Podcast:

Link zum Podcast-Inhalt

Aber Arms Race ist mehr als ein Lückenbüßer. Der neue Modus steht in einer Reihe mit zahlreichen Versuchen, in Call of Duty einen großen Modus wie in Battlefield zu etablieren. Modern Warfare (2019) hatte Ground War, Black Ops: Cold War wollte mit Fireteam: Dirty Bomb punkten - aber erst Arms Race kann mich wirklich begeistern.

Arms Race in CoD Vanguard: Der Gameplay-Trailer stellt den neuen Spielmodus vor 1:43 Arms Race in CoD Vanguard: Der Gameplay-Trailer stellt den neuen Spielmodus vor

Und mehr noch: Dieser Modus ist so clever, dass sich andere Multiplayer-Modi gerne eine Scheibe abschneiden können. Dabei lässt sich das Grundprinzip schnell zusammenfassen.

  • Wie in klassischem Conquest kämpfen zwei große Teams in den verschneiten Alpen um sieben Kontrollpunkte.
  • Luchst ihr den Feinden alle Kontrollpunkte ab und haltet sie für 60 Sekunden, ist Schicht im Schacht und ihr kehrt siegreich nach Hause zurück.
  • Im Vergleich zu anderen Conquest-Multiplayern ist Arms Race winzig. Bloß 24 Leute kämpfen in zwei 12er-Teams um die Vorherrschaft.

Auf der Spielepackung würden 24 Spieler gegen die 128 eines Battlefield 2042 natürlich gnadenlos abstinken, aber in der Gameplay-Realität trifft Vanguard hier den perfekten Sweetspot aus Konstante Action ohne Leerlauf und Ich kann mit Kumpels die halbe Map umfahren, um den Feinden die Kontrollpunkte unterm Hintern wegzuklauen. Die Alpen-Karte ist exakt so groß, wie sie sein muss, um das zu gewährleisten. Aber in Arms Race stecken noch weitere Kniffe.

Die Alpen-Map ist so weitläufig, dass feindliche Festungen isoliert erobert werden können. Die Alpen-Map ist so weitläufig, dass feindliche Festungen isoliert erobert werden können.

Der Kniff von Arms Race

Wettrüsten, wie der Modus auf Deutsch heißt, funktioniert im Detail dann nämlich doch anders als regulärer Conquest. Ihr müsst nicht einfach Punkte halten, um den gegnerischen Ticker gen Null zu treiben. Stattdessen landen immer wieder spezielle Sprengstoffkisten irgendwo auf der Map. Wer die erobert und in die eigene Basis trägt, kann einen feindlichen Kontrollpunkt dauerhaft aus dem Rennen nehmen.

Hier lernt Vanguard also von den Battle-Royale-Tricks eines Warzone, denn im Match-Verlauf wird das Schlachtfeld dadurch kleiner und kleiner, weil immer mehr Kontrollpunkte wegfallen. In der Regel sind am Ende nur noch zwei Basen übrig - und wer die letzte Sprengkiste ergattert, kann die übrig gebliebene feindliche Basis wie eine Schachfigur vom Brett kegeln.

Hier sind drei Kontrollpunkte bereits aus dem Spiel. Wer die gelbe Kiste links neben E ergattert, kann einen weiteren ausschalten. Hier sind drei Kontrollpunkte bereits aus dem Spiel. Wer die gelbe Kiste links neben E ergattert, kann einen weiteren ausschalten.

Arms Race hat noch weitere Kniffe. Beispielsweise werden am Anfang des Matches zufällig zwei Kontrollpunkte aus dem Spiel genommen, damit die Alpenkarte dynamisch bleibt. Und anfangs starten alle mit dem gleichen Loadout - die eigenen Lieblingswaffen verdient ihr euch erst mit der Zeit. Außerdem gibt's Panzer, Jeeps und Motorräder, um Flankenmanöver und Kontrollaktionen zu erleichtern. Aber ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, sondern zum eigentlichen Punkt kommen.

Und das ist jetzt toll ... weil?

Ich spiele Battlefield, weil ich mit Freunden Lagerfeuergeschichten sammeln will. Weil ich auf absurde Manöver stehe, an die wir uns noch Jahre später erinnern, weil wir anderen Spielern damals ach so legendär ins Kreuz gefallen sind, ihnen in letzter Sekunde den Punkt geklaut haben und, und, und. Genau das gibt mir gerade Arms Race.

Vanguard gelingt hier das Meisterstück, all die Stärken riesiger Conquest-Modi in einem kompakten Paket zu verschnüren, ohne dass wirklich was verloren geht. Wettrüsten ist quasi das Gegenstück zu Battlefield 2042: Statt unkontrolliert in die Breite zu wachsen, kondensiert und rafft es exakt an den richtigen Stellen.

Wer in Arms Race ein paar Kumpels am Start hat, erhöht die eigenen Chancen enorm. Wer in Arms Race ein paar Kumpels am Start hat, erhöht die eigenen Chancen enorm.

Meine Kumpels und ich sind seit Tagen im Flow. Jeden freien Abend verlieren wir uns für drei bis vier Stunden in Arms Race, verfolgen abgedrehte Strategien, erleben tolle Battlefield-Momente ... nur halt in Call of Duty. Falls ihr eine Freundestruppe bei der Hand habt: Probiert es mal aus. Ist noch ein Weilchen kostenlos.

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