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Cities: Skylines - Weil ein Mod-Krieg eskaliert, muss der Entwickler eingreifen

Malware in Mods? Städtebauer fürchten derzeit um die Modding-Sicherheit im Steam Workshop. Wir haben für euch die Hintergründe recherchiert und bewerten das Risiko.

von André Baumgartner,
16.02.2022 11:30 Uhr

Die Modding-Community von Cities: Skylines wächst und gedeiht seit dem Release im Jahre 2015 prächtig und auch das Spiel selbst wird regelmäßig um neue DLCs erweitert - kürzlich etwa mit dem Airport-DLC, der sogar von einem kostenlosen Update begleitet wurde.

Doch jüngst gerieten die Mods der Städtebausimulation in Verruf: Denn Berichte von Malware-verseuchten Zusatzinhalten machten die Runde. Dahinter steckt ein Modding-Kleinkrieg, in den sich schließlich sogar der Entwickler Colossal Order höchstpersönlich eingeschaltet hat.

Bevor wir mit dieser Kriminalgeschichte abheben, solltet ihr euch noch fix den Trailer zum eben erwähnten Airport-DLC anschauen - garantiert frei von Malware:

Durch Cities Skylines weht mit dem nächsten DLC ein Hauch vom Flight Simulator 1:07 Durch Cities Skylines weht mit dem nächsten DLC ein Hauch vom Flight Simulator

Mod-Imitate sollten Konkurrenz ausschalten

Alles fing 2021 damit an, dass ein Modder eine redesignte Version des Frameworks Harmony veröffentlichte, das von vielen Mods als Grundlage genutzt wird. In der Folge erschienen noch weitere Redesigns beliebter Mods unter seinem Namen, die stets die angepasste Fassung von Harmony voraussetzten.

Während bei den meisten Spielern nur dafür gesorgt wurde, dass andere Mods fälschlicherweise als fehlerhaft oder inkompatibel identifiziert wurden, um auf die eigens bereitgestellten Alternativen umzuleiten, sahen sich circa 50 Personen ernsteren Gefahren ausgesetzt.

In den Dateien der dazugehörigen Mod Network Extensions 3 sind zwei Listen mit Steam-IDs entdeckt worden, die gezielt andere Bastler, Mitglieder des Entwicklerteams und offenbar vom Modder verhasste Communitymitglieder ins Visier nehmen.

Eine für die gefälschten Modifikationen zwingend vorausgesetzte Schnittstelle namens »Update from Github« spielte ihnen beim Spielstart eine gesonderte Version auf, die eine gründliche Untersuchung des Mod-Codes verhindern sollte. Theoretisch hätte auch jede andere Malware so aufgespielt werden können, sofern sich das Spiel im Administrator-Modus befände.

Zerrt die Story bereits jetzt an euren Nerven? Dann schaut euch doch mal das Aufbauspiel Foundation an. Das blieb bislang von solchen Dramen verschont und bekommt sogar das Prädikat spielenswert von Micha höchstpersönlich, wie er gewohnt eloquent in unserem Podcast erläutert:

»Foundation ist wie Cities: Skylines im Mittelalter«   28     17

Podcast

»Foundation ist wie Cities: Skylines im Mittelalter«

Warum tut jemand sowas?

Laut den Steam-Diskussionen unter den entsprechenden Modifikationen und Themen fühlt sich der Urheber der nun gelöschten Inhalte seit Jahren vom Entwickler Colossal Order und den Machern einiger der beliebtesten Mods unfair behandelt oder gar schikaniert. Ebenso hätten Teams, denen er sich anschließen wollte, seinen Wert nicht zu schätzen gewusst.

Er scheint auch die inzwischen in so gut wie allen Spielen übliche Telemetrie, also die gesammelten Daten über das Spielverhalten, im Falle von Cities: Skylines als besonders schädlich und unverhältnismäßig zu empfinden. Laut den Entwicklern des beliebten Mods »Traffic Manager: President Edition« finden sich im Code sogar Hinweise darauf, dass er versucht hat, die Telemetrie zu blockieren.

Zu diesem Zeitpunkt lässt sich nur noch schwer nachvollziehen, wie dieses böse Blut einst zustande kam und sich zu einer derart eskalierenden Feindschaft ausweiten konnte. Den Entwicklern kann kein Vorwurf gemacht werden, doch die an diesem Drama direkt Beteiligten tragen wohl alle eine bestimmte Mitschuld.

Eines ist jedoch sicher: Nichts entschuldigt den Schaden, den seine böswillig agierenden Mods in der Community angerichtet haben. Man spürt vielerorts den entstandenen Vertrauensverlust und die keimende Ungewissheit, wie sicher selbst positiv bewertete Mods wirklich sind.

Warum euch Micha das Modden von Cities: Skylines trotzdem herzlichst empfehlen kann, erzählt er euch in dieser Folge von GameStar TV:

800 Stunden später liebt Micha Cities: Skylines mehr als Stellaris PLUS 15:31 800 Stunden später liebt Micha Cities: Skylines mehr als Stellaris

Entwickler gibt Entwarnung

Allerdings müsst ihr jetzt nicht panisch eure installierten Mods überprüfen. Denn das Entwicklerstudio Colossal Order hat sich eingeschaltet, die Vorwürfe überprüft und mit einem Statement reagiert:

Die veränderte Harmony-Mod könne abseits seiner Beschreibung nicht mehr aktualisiert werden, da der Account des Modders gebannt sei. Man habe die betroffenen Mods im Steam Workshop überprüft und keine Keylogger, Viren, Bitcoin-Mining-Software oder andere Malware gefunden.

Die Network Extensions 3-Mod flog aus dem Workshop, da das Blockieren bestimmter Nutzer gegen die Nutzungsrichtlinien verstoße. Auch der Github-Auto-Updater teilte dieses Schicksal und nach Angaben von Colossal Order seien alle Mods, die direkt von Steam bezogen würden, sicher.

Während also am Wochenende noch über potenziell 35.000 infizierte Spieler berichtet wurde, ist die Lage in Wahrheit doch deutlich entspannter. Solltet ihr zu den ehemaligen Nutzern der verbannten Mods gehören, findet ihr auf Seite 2 dieses Artikels eine Anleitung, wie ihr euer Savegame wieder zum Laufen bekommt.

Habt ihr ebenfalls etwas von dieser Story mitbekommen, oder wart ihr viel zu sehr damit beschäftigt, diesen vermaledeteien Stau-Hotspot im Industriegebiet aufzulösen? Schreibt uns doch mal in die Kommentare, ob ihr schon mal negative Erfahrungen mit dubiosen Mods gemacht habt!

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