Ich bin kein Geschäftsmann. Dieser Zug ist spätestens seit der fünften Klasse abgefahren, als mir ein Mitschüler ein selbst geschnürtes Magic-Boosterpack für 10 Mark verkauft hat - im Paket war natürlich nur Schrott, weil Kinder nachweislich kleine Betrüger sind. Naja.
Was ich aber weiß: Wenn viele Menschen zusammenkommen, wird es zwangsläufig kompliziert, und so sind auch große Business-Deals alles andere als simpel. Mal werden Vereinbarungen zu lang-, mal zu kurzfristig unterschrieben, mal ist der Deal selbst Teil eines viel größeren Pakets und mal muss eine Seite zähneknirschend zustimmen, weil Beziehungen nicht gefährdet werden dürfen.
Ich maße mir gar nicht an, den Prozess im Detail sezieren und bewerten zu können. Was ich mir als Laie aber sehr wohl angucken kann, ist das Ergebnis. Und im Fall von Season 4 in Call of Duty Modern Warfare 2 beziehungsweise Warzone ist dieses Ergebnis bizarr. Schon wieder.
Was ist los in Season 4?
Für was jedes Call of Duty der letzten Jahre gilt: Season 3 und vor allem Season 4 sind die Jetzt ist auch egal
-Seasons. Der Hype um den Release ist passé, das nächste CoD begibt sich allmählich in Startposition und die Devs greifen tief in die Trickkiste, um das Interesse am aktuellen Spiel irgendwie hochzuhalten und den Leuten mit immer extravaganteren Bundles noch ein paar Moneten aus dem Geldbeutel zu massieren.
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CoD Modern Warfare 2: Die neue Multiplayer-Map Vondel Waterfront zeigt sich im Trailer
Wo Activision vor Release noch immer gerne Militärberater und Story Writer ran karrt, die dann in die Kamera betonen, wie realistisch und boots on the ground
und ernst ihr neues Modern-Warfare-Szenario ist, verkaufen die Entwickler nach Release immer häufiger riesige Ratten-, Osterhasten- und Wolfskostüme, integrieren Fußballspieler und Basketballer als neue Operatoren. Wie gesagt: Jetzt ist auch egal.
Crossover spielen dabei eine große Rolle. In Cold War mischt dann plötzlich Bruce Willis mit, in Vanguard kämpft der Terminator an der Seite von Snoop Dogg. Und jetzt in Season 4 von Modern Warfare 2 kann ich plötzlich als Superheld
aus der Prime-Serie The Boys spielen. Homelander und Starlight ballern dann mit wehenden Capes an der Seite von Price, Gaz und Farah. Und nicht nur das: In Warzone findet ihr sogar neue Field Upgrades, die euch Laser aus den Augen schießen und Supersprünge vollführen lassen. In Fortnite wäre das nett, aber in Modern Warfare 2? Uff.
Generell scheint CoD hier der Konkurrenz nachzulaufen: Crossover sind die Lebensader von Fortnite. Abertausende von jungen Menschen pumpen ihr Taschengeld in Fortnite, um als Hexer Geralt, als Optimus Prime, Darth Vader oder Spider-Man rumzulaufen. Fast jedes größere Franchise hat mittlerweile in Fortnite stattgefunden; und diesem Markt will CoD Konkurrenz machen.
Ich frage mich nur: Wieso denn so schlecht?
Geht das nicht besser?
Die Crossover von Call of Duty wirken seit Jahren wie die Resterampe von alldem, wofür sich selbst Fortnite zu schade war. In Fortnite versklavt ihr als Thanos pünktlich zum Kinostart von Avengers: Endgame die Spielwelt mit den Infinity Stones, im nächsten Event fliegen imperiale Sternenzerstörer über die Map, ihr könnt ingame Darth Vader als Boss bekämpfen, wahlweise auch selbst Lichtschwert und Machtfertigkeiten einsetzen.
In Call of Duty hingegen ... seht ihr für ein paar Wochen irgendwo im Hintergrund King Kong und Godzilla. Naja.
Pünktlich zur dritten Netflix-Staffel von The Witcher mischen Ciri und Geralt in Fortnite mit, Call of Duty hingegen hat ... Shredder. Von den Ninja Turtles. Naja.
Es geht mir auch gar nicht drum, Call of Duty aktiv schlechtzureden. Falls ihr 20 Euro für einen Shredder oder Snoop Dogg oder den Scream-Killer oder Leatherface ausgeben wollt, dann tut euch keinen Zwang an. Aber es ist so ein Jammer, welches Potenzial Activision auf der Straße liegen lässt!
Es gibt aktuell so prominente Actionfilme, die perfekt zum Modern-Warfare-Szenario passen würden! Der Aprilscherz rund um John Wick in Warzone ließ die Leute ausrasten:
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Es gäbe so viele Vorlagen!
Stellt euch Tyler Rake in Call of Duty vor. Oder Ethan Hunt aus dem aktuellen Mission: Impossible. Oder meinetwegen auch ältere Film-Legenden wie Benicio del Toros Kartell-Killer aus Sicario. Wenn Mortal Kombat 1 sich Jean-Claude van Damme einkaufen kann, dann muss doch auch für Activision mehr drin sein als so ein deplatziertes Superhelden-Event, das vor allem jüngeres Publikum anspricht.
Moderne Actionfilme wie der neue Top Gun: Maverick spielen Milliarden an den Kinokassen ein, selbst Microsofts geruhsamer Flugsimulator bekommt hier ein Crossover hin. Und Call of Duty? Shredder. Von den Ninja Turtles.
Season 4 von Call of Duty bekommt gerade auch unabhängig von diesem Crossover ganz schön auf die Mütze, weil die Leute zu wenig Content monieren, dabei bin ich gerade hier voll zufrieden: Die neue Battle-Royale-Map Vondel ist eine der coolsten Karten, die CoD je bekommen hat. Aber ich hätte so viel mehr Spaß in den Multiplayer-Partien, wenn ich endlich gegen John Wick antreten darf, statt gegen den Osterhasen oder Shredder. Von den Ninja Turtles.
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