Die Macher von Until Dawn, Supermassive Games, sind bekannt für ihre schaurigen, interaktiven Filme. Little Hope, The Quarry und Co. spielt ihr auf der Konsole oder dem PC, dabei liegt es doch eigentlich auf der Hand, dass die cineastisch in Szene gesetzten Choose-your-own-Adventure-Spektakel perfekt für das Heimkino gemacht sind.
Das dachte sich auch Netflix und hat gemeinsam mit dem britischen Entwicklerstudio eine Streaming-Umsetzung aus dem beliebten Conjuring-Universum auf die Beine gestellt. Nennt ihr ein Netflix-Abo euer eigen, könnt ihr Conjuring: Stillschweigen einfach auf dem Fernseher (oder PC-Bildschirm) mit dem Handy spielen. Ich habe das bereits ausprobiert und verrate euch, wie gut das funktioniert.
Verfluchte Spieluhr trifft auf Familientragödie
Darum geht's: Im Zentrum steht – wie für das Franchise üblich – ein von Dämonen heimgesuchter Gegenstand: Eine Spieluhr mit Ballerina, die zu Schwanensee Pirouetten dreht und sicher im Keller der Warrens neben Annabelle verstaut ist.
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Die neueste Geschichte aus dem Conjuring-Universum gibt's direkt auf Netflix – zum selber Spielen
Die Spieluhr gehörte einst der Familie Cooper, genauer gesagt der jüngsten Tochter Bryony (Dakota Jueguen), die sie von ihrer verstorbenen Mutter (Olivia Vinall) geschenkt bekommen hat. Sie zog gemeinsam mit ihrem Vater Jack (Joseph Millson) und der älteren Schwester Charlotte (Georgia Arron) in ein altes Inn, doch seit dem Tod der Mutter hat Bryony kein Wort gesagt und sieht jetzt zu allem Überfluss übernatürliche Dinge – wie etwa eine geisterhafte Frau, die ihr gruselige Dinge zusäuselt.
Als es immer unheimlicher wird, rufen die Coopers die Ermittlerin Francesca Noakes (Emma McDonald) zu sich nach Hause, die bei den Dämonologen Ed und Lorraine Warren gelernt hat. Das berühmte Ehepaar wird übrigens nur in Notizen und Briefen erwähnt, freut euch also nicht zu sehr auf die Filmdarsteller Patrick Wilson und Vera Farmiga.
Als Francesca und Bryony durchkämmt ihr das Inn, sucht nach Hinweisen und trefft Entscheidungen, um herauszufinden, wo die übernatürlichen Erscheinungen herrühren. Insgesamt seid ihr damit zwischen einer und zwei Stunden beschäftigt, je nachdem wie sorgfältig ihr in dem alten Gemäuer herumstöbert. Das Spiel ist zudem komplett in Deutsch vertont.
Einmal Dämonenhorror direkt auf die Hand
Conjuring: Stillschweigen bedient sich der typischen Supermassive-Mechaniken. Ihr steuert eure Spielfiguren in mehreren Kapiteln durch abgesteckte Bereiche; in diesem Fall die Ermittlerin Francesca und das Mädchen Bryony. Für die Steuerung kommt die Netflix-App auf eurem Smartphone zum Einsatz.
In den Räumen des Inn sind mehrere Hinweise verteilt, die durch weiße Umrandungen hervorgehoben werden. Überseht ihr sie trotzdem, kann das den Verlauf der Geschichte beeinflussen.
Stillschweigen ist aber keine bloße Laufsimulation, denn als Francesca habt ihr auch gleich ein ganzes Geisterjäger-Arsenal im Gepäck: EMF-Gerät, Geisterradio und Wärmebildkamera lotsen euch durch die Räumlichkeiten und enthüllen wichtige Indizien.
Mit der Umsetzung dieser Gerätschaften hat das Netflix-Spiel den herkömmlichen Supermassive-Titeln sogar etwas voraus. Durch den Smartphone-Bildschirm bekommt ihr nämlich gleich noch eine Art Alternate-Reality-Minispiel auf die Hand.
Nutzt ihr beispielsweise die Wärmebildkamera, dreht ihr euch in echt fröhlich umher, um eure Umgebung abzuscannen. So wird euer Wohnzimmer kurzzeitig selbst zum Red Lion Inn und an diesem Punkt lohnt es sich, auch mal kurz vom Sofa aufzustehen.
Mit dem Geisterradio sucht ihr wie in den guten alten Zeiten Empfang, indem ihr euer Handy blindlinks in verschiedene Richtungen haltet. Seid ihr damit erfolgreich, tönen Geisterstimmen aus eurem Smartphone für den extra-immersiven Kick. Das EMF-Gerät fungiert dagegen eher als Leitlinie. Es macht lautere Geräusche und blinkt je näher ihr einer paranormalen Aktivität kommt und hilft euch so bei der Suche nach Hinweisen.
Darüber hinaus erwarten euch wieder eine Reihe von klassischen Entscheidungen, mal mit, mal ohne Zeitdruck. Richtige Quicktime-Events bleiben aber aus.
Die einfachen Lauf- und Suchsequenzen spielen sich mit der Handy-Steuerung erwartungsgemäß behäbig. Da fehlt es dem Touch-Bildschirm einfach an Präzision. Dafür könnt ihr euch beim Schnüffeln in den Habseligkeiten der Coopers aber immerhin Zeit lassen und durch die hervorgehobenen Items, seht ihr meistens schon von weitem, wo ihr hinmüsst. Netterweise hat Supermassive die Hinweise besonders hervorgehoben, die die Szene beenden, wodurch ihr zumindest nicht raten müsst, wo ihr am besten zuletzt suchen solltet.
Die restliche Steuerung – wie etwa die Menüführung oder in Momenten der Entscheidungen – funktioniert aber einwandfrei und vor allem die AR-Passagen sind ein echtes Highlight. Auch die Story hat ein angenehmes Tempo und wer sich für Dämonenhorror erwärmen kann, bekommt eine unterhaltsame und kurzweilige Geschichte aufgetischt.
Wenn ihr also mal einen gemütlichen Gruselabend plant, bietet Conjuring: Stillschweigen einen ziemlich coole Alternative zum herkömmlichen Horrorfilm.
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