Liebes Siebenjähriges Ich, hoffentlich löse ich mit dieser Nachricht keinen Schmetterlingseffekt aus, aber ich muss eines der größten Rätsel unserer Kindheit auflösen: Nein, Wile E. Coyote hat den schnellen Road Runner auch in den letzten 20 Jahren nicht erwischt. Dafür tut er jetzt etwas viel Besseres: Er verklagt endlich den Laden, der ihm jedes Mal die Tour vermiest.
Auch wenn du keine Ahnung hast, was mit »Produkthaftung« oder »Monopol« gemeint ist – und nein, es geht nicht um das Brettspiel mit dem Gefängnis-Feld – glaube mir: 2026 sitzt du mit funkelnden Augen im Kino, schaust dir den Looney-Tunes-Film Coyote vs. Acme
an und lachst dabei genauso laut wie damals mittwochs abends vor dem TV.
Coyote vs. Acme ist für mich ohne Frage die bis dato beste und charmanteste Komödie dieses Jahres – und ich kann euch genau sagen, warum.
Ernste Prämisse lustig verpackt
Seit mittlerweile 77 Jahren(!) jagt Wile E. Coyote schon dem Road Runner hinterher und nutzt die notorisch fehlerhaften Produkte der Acme Corporation für die Umsetzung seiner Fallen. Irgendwann platzt aber auch dem geduldigsten Steppenwolf mal der Kragen und nach tausenden erfolglosen Versuchen hagelt es eine fette Klage.
Unterstützung im Prozess gegen Acme erhält er dabei von dem Anwalt Kevin Avery (Will Forte) und seiner Nichte/Praktikantin Paige (Lana Condor). Die beiden geben ihr Bestes, Wile E. Coyote zu helfen, doch das ist gar nicht so leicht, wenn auf der Gegenseite ein verlogener Muskelprotz wie Buddy Crane (John Cena) die Rechtsabteilung leitet …
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»Ohne Witz mein meist erwarteter Film des Jahres« - Beim neuen Trailer zu Coyote vs. ACME denkt so mancher Kino-Fan gar nicht mehr an Avengers oder Dune
Gerichtsprozess, Klage, Anwalt – das klingt alles so ernst. Im Grunde genommen ist es das auch, denn es geht um die Ausbeutung von Verbrauchern und ein großes Machtungleichgewicht im Rechtssystem der USA.
Und trotzdem ist Coyote vs. Acme eine überraschend leichte Kost. Denn all das ist in einen flauschigen Mantel aus Nostalgie und Slapstick-Humor gehüllt, der mich beim Anschauen warm hält, wenn die kalte Realität mal kurz durchschimmert.
Natürlich habe ich in der Vergangenheit schon etliche Male dabei zugesehen, wie Wile E. Coyote an seinem Vorhaben scheitert oder wie er ausschließlich über Schrifttafeln und seine Gestik und Mimik kommuniziert, aber es funktioniert einfach immer noch. Ein gut getimtes Schild mit einem schlichten »Acme sucks« (Acme ist Mist) kitzelt genau im richtigen Moment meine Lachmuskeln.
Zwischen all der Komik und Ironie wird es im Finale jedoch auch unerwartet emotional. Denn es geht nicht nur um den Gewinn des Gerichtsprozesses, sondern auch darum, Frustration und Niederlagen hinter sich zu lassen und gemeinsam nach vorn zu schauen. Ja, zwischen den Zeilen steckt in Coyote vs. Acme die ein oder andere wichtige Lebensweisheit.
Eine Hybridfilm mit hervorragendem Cast
Nicht nur Wile E. Coyote sorgt für Lacher. Auch Hauptdarsteller Will Forte kann als zunächst antriebsloser Anwalt mit trockenem Humor punkten. Das erste Aufeinandertreffen der beiden ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Versucht ihr mal, aus einem stummen Kojoten mit Hummeln im Po schlau zu werden!
Und genau diese chaotische Dynamik ist das Herz der Komödie. Forte beweist ein gutes Gespür dafür, wann er dem fiktiven Kojoten Raum für seine Reaktionen geben muss und wann er mit seinem trockenen Wortwitz die Szene übernehmen kann.
Das perfekte Äquivalent dazu bietet John Cena als überheblicher Konzern-Anwalt, der immer ein schmieriges Grinsen im Gesicht hat. Mit seinem perfekt sitzenden Anzug verkörpert er die Konzern-Gier zwar klischeehaft, aber mit so viel Selbstironie, dass man ihm einfach gerne zuschaut.
Was aber besonders schön anzusehen ist, wie natürlich sich die 2D-Figuren in die Realverfilmung einfügen. Natürlich sehe ich meist ziemlich deutlich, dass hier gerade zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinanderprallen, doch die Kindheitshelden wirken nie wie ein störender Fremdkörper, sondern sind immer liebevoll in Szene gesetzt und machen die oft eher gräuliche Welt angenehm bunt.
Ja, es ist mittlerweile nichts Neues mehr, Animationsfiguren in eine echte Verfilmung zu integrieren, aber das macht es keineswegs weniger faszinierend. Im Gegenteil: Coyote vs. Acme versprüht so viel Charme wie kein Hybridfilm der Reihe jemals zuvor.
Wanted: Noch mehr Looney-Tunes-Action
Ein kleines Manko gibt es jedoch: Der Fokus liegt im Film stellenweise doch sehr auf den menschlichen Charakteren. Ich hätte mir gewünscht, dass wir noch mehr von den 2D-Figuren außerhalb der eigentlichen Handlung sehen, wie zum Beispiel Tweety, Daffy Duck oder Porky Pig. Dafür wäre auch allemal die nötige Zeit dagewesen.
Im Mittelteil zieht sich das Geschehen nämlich streckenweise und der Plot wiederholt sich. Was nicht so ganz wunderlich ist, denn der Film basiert auf dem satirischen Artikel »Coyote v. Acme« von Ian Frazier, der im Jahre 1990 in The New Yorker veröffentlicht wurde.
Aus einem kurzen Zeitungsartikel einen 103-minütigen Spielfilm zu machen, stellt eben eine gewisse Herausforderung dar und Coyote vs. Acme erfindet das Rad hier auch nicht neu. Denn die Geschichte folgt recht vorhersehbaren Pfaden und klassischen Hollywood-Mustern, die man mögen muss.
Jetzt bleibt mir eigentlich nur eines zu sagen: Schaut euch Coyote vs. Acme auf jeden Fall an! Wenn schon nicht im Kino, dann irgendwann daheim bei einer Tasse Kakao und leckeren Snacks, denn der Film hat es absolut verdient, geliebt zu werden.
Dabei ist es für mich wirklich unverständlich, wie Warner Bros. jemals auf die Idee gekommen ist, diesen wunderschönen Film in seinen Archiven verschimmeln zu lassen – mehr dazu in der Linkbox. Ein Glück haben die Fans damals nicht aufgegeben und mit Ketchup Entertainment wurde ein kleiner Vertrieb gefunden, der Coyote vs. Acme endlich auf die große Leinwand gebracht hat.
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