Cyberpunk 2077: Wir haben Patch 1.2 getestet - lohnt sich die Rückkehr?

Seit dem Release von Patch 1.2 für Cyberpunk 2077 haben wir uns mehrere Stunden lang durch Night City geballert, um zu überprüfen, was sich geändert hat.

von Fabiano Uslenghi,
30.03.2021 17:30 Uhr

Was hält Patch 1.2 für uns Parat? Wir haben das neue Update ausprobiert. Was hält Patch 1.2 für uns Parat? Wir haben das neue Update ausprobiert.

Was für ein Brocken! Patch 1.2 für Cyberpunk 2077 erschlägt uns nicht nur mit ellenlangen Patchnotes, sondern fällt auch wahrhaft riesig aus. Mindestens 33 Gigabyte an Daten müsst ihr aktuell runterladen, wenn ihr von den zahlreichen Verbesserungen profitieren wollt.

Bis dahin war es ein weiter Weg, immerhin musste sich CD Projekt Red zwischenzeitlich mit einem Hacking-Angriff rumärgern. Dadurch geriet der Veröffentlichungsplan für die herbeigesehnten Updates gehörig in Verzug. Jetzt ist das größte Update seit Release aber endlich da.

Cyberpunk 2077: Der große Patch 1.2 ist jetzt da! Alle Infos zum Patch   408     22

Mehr zum Thema

Cyberpunk 2077: Der große Patch 1.2 ist jetzt da! Alle Infos zum Patch

Doch was kann man davon wirklich erwarten? Hunderte Bugfixes hat es laut der Patchnotes gegeben und die Datengröße lässt ja ebenfalls vermuten, dass CD Projekt hier richtig rangeklotzt hat. Um wirklich einschätzen zu können, wie sich Cyberpunk 2077 jetzt anfühlt, ist aber eine persönliche Rückkehr nach Night City nötig.

Ich habe mir deshalb ein weiteres mal die Samurai-Cap auf den Kopf gesetzt, die rosa Turnschuhe geschnürt, ein paar Dosen NiCola eingesackt und mich auf eine Tour durch Night City 1.2 begeben.

Wenn ihr es mir gleichtun wollt aber vorher etwas Unterstützung sucht, um das meiste aus Cyberpunk 2077 rauszuholen, dann helfen euch unsere Experten bei GameStar-Plus sicher weiter:

Cyberpunk 2077: Alle Guides und Komplettlösung

Die Bugs: Läuft in Night City jetzt alles rund?

Bei kaum einem anderen Spiel fällt es so schwer, die Bugdichte zu bemessen. Es gibt von Spieler zu Spieler erhebliche Unterschiede. Ein Problem, das uns bereits nach dem Test aufgefallen ist.

Cyberpunk 2077 im Test-Video 53:16 Cyberpunk 2077 im Test-Video

Ich persönlich wurde beim ersten Durchgang von gravierenden Bugs verschont. Es gab keine Quest, die nicht weiterging. Keine ausufernden Glitches, mit denen die Open World zur Clownfiesta wurde.

Was es aber gab, waren kleinere Anzeigefehler. Nichts, was nicht auch in anderen Spielen mal vorkommen kann – in seiner Summe und Konstanz aber doch störend. Und mit 1.2 auch nicht aus der Welt. Fünf Stunden lang habe ich die Stadt nach dem neuen Update erforscht. Gamebreaker? Keine. Nervige Bugs? Mehr als erhofft.

1.2 ist trotz seiner Größe nicht das Allheilmittel, um Cyberpunk 2077 von Fehlern zu befreien. Die ganze Palette an nervigem Kleinvieh zeigte sich mir nach und nach. Noch immer materialisieren sich auch auf mittleren Einstellungen Passanten oder Gegenstände viel zu oft aus dem Nichts. Manch NPC versucht mit unsichtbaren Smartphones ein Selfie zu schießen und gelegentlich kommt es zu absurden Verrenkungen.

Wenn ihr eure Waffe wechselt, kann es auch nach Patch 1.2 noch passieren, dass sie sich erst in eurer Hand materialisiert. Wenn ihr eure Waffe wechselt, kann es auch nach Patch 1.2 noch passieren, dass sie sich erst in eurer Hand materialisiert.

Damit will ich keineswegs behaupten, CDPR hätte keine Bugs gefixt. Die fast 60.000 Zeichen langen Patchnotes sind der beste Beweis dagegen. Doch bevor Bugs in Cyberpunk 2077 zur Seltenheit werden, sind einfach noch sehr viel mehr Updates notwendig. Mit nochmal so langen Patchnotes. Zumal erfahrungsgemäß mit jedem Update stets auch ein paar neue Bugs hinzukommen.

Wie steht es um die Performance?

Ich habe den Patch auf meinem eher bescheidenen Heimrechner gespielt, in dem eine GTX 1050 Ti vor sich hin summt. Also eher untere Mitteklasse, dafür aber auch nicht all zu weit vom Lebensalltag der meisten Spieler entfernt. Bei mir lief Cyberpunk 2077 egal ob auf mittleren oder niedrigen Einstellungen nach dem Patch nie mit mehr als 30 FPS. Wenn ihr ein noch exakteres Ergebnis wollt, dann zieht am besten die Einschätzung unserer Hardware-Abteilung zurate.

Technik-Check: Wie wirkt sich Patch 1.2 auf die Performance von Cyberpunk 2077 aus?

Funktioniert das Fahndungssystem besser?

Wenn sich die Entwickler ausschließlich auf das Fixen von Glitches und kaputten Questreihen konzentriert hätten, wären sie schon sehr lange beschäftigt gewesen. Überraschend hat CD Projekt mit 1.2 aber auch ein wenig weiter gedacht. Einige Änderungen beheben etwa keine Fehler per se, sondern passen das Spielerlebnis an.

Das wichtigste davon: Wann und wie die Polizei uns die Hölle heißmacht. Das Fahndungssystem wurde zum Release von einigen Spielern recht scharf kritisiert. Häufig ploppten die wütenden Gesetzeshüter einfach direkt im Sichtfeld aus dem Nichts auf. Patch 1.2 macht dem ein Ende.

Verurteilt mich jetzt nicht für die nächsten Worte. Ich tat es für die Wissenschaft. Aber nachdem ich einem arglosen Passanten mit meiner glänzenden Malorian Arms 3516 am helllichten Tag eine Kugel in den Kopf jagte, tauchte kein Polizist plötzlich neben mir auf. Der Officer kam ein paar Sekunden später um die Ecke gerannt und hatte noch eine Drohne dabei. Gut, die wurden auch schnell gegrillt. Es rückten aber nach und nach immer mehr Truppen an. Wo die genau gespawnt sind, kann ich nicht sagen. Irgendwann musst ich mich nämlich dann doch in Deckung begeben.

Wer Stunk macht, wird von der Polizei besucht. Die kommt jetzt von irgendwo her angelaufen und schickt oft Drohnen voraus. Wer Stunk macht, wird von der Polizei besucht. Die kommt jetzt von irgendwo her angelaufen und schickt oft Drohnen voraus.

Im Grunde also das, was sich die Spieler gewünscht haben. Einwandfrei funktioniert es jedoch nach wie vor nicht. Einmal tauchten etwa gar keine Polizisten auf, obwohl mein Fahndungslevel bereits die vierte Stufe erreicht hatte (fragt bitte nicht wie).

Ich persönlich bin damit zufrieden. Zwar ist das weiterhin nicht mit dem irrwitzigen Open-World-Chaos eines GTA zu vergleichen, wie wir in unserem Test aber auch schon festgestellt haben: Cyberpunk 2077 will das gar nicht sein. So wie es jetzt ist, wird wenigstens die Immersion nicht mehr so stark gebrochen.

Wie spielt sich Cyberpunk 2077 jetzt?

In meiner Testrunde mit Patch 1.2 habe ich mich hauptsächlich auf einen Streifzug durch Night City begeben. Es gab allerlei Nebenaktivitäten und kleine Quests, um die ich mich noch nicht gekümmert habe. Also fuhr ich in meinem Porsche quer durch die Innenstadt und bis hinaus in die Badlands. Dann wieder so ehrbar, wie es sich für meine V eigentlich gehört.

Dabei nahm ich aber auch unter die Lupe, ob sich Cyberpunk 2077 jetzt anders anfühlt und ich wollte auch darauf achten, ob eine Quest vermutlich blockiert wird. Zweiteres war nicht der Fall. Zu ersterem: Cyberpunk 2077 bleibt auch nach Patch 1.2 in seiner Haut.

Die Balance wurde nicht komplett umgekrempelt und auch das Crafting bleibt aufwändig. Sollten in eurem Spiel zudem bestimmte Skills nicht wie gewollt funktionieren, ändert sich daran mit 1.2 nichts. Erwartet kein anderes Spielgefühl. Zumal es in den Kämpfen weiterhin zu KI-Aussetzern kommen kann. Da bleibt ein Cyberpsycho auch mal mehrere Sekunden regungslos stehen und lässt sich sorglos aufs Korn nehmen.

Das ist wirklich psycho: Dieser Mann steht gelassen da, während wir ihm mit Skippy mehrere Kopfschüsse verpassen. Das ist wirklich psycho: Dieser Mann steht gelassen da, während wir ihm mit Skippy mehrere Kopfschüsse verpassen.

Was Patch 1.2 erfreulich gut in den Griff bekommt, ist die Fahrzeugsteuerung. Gerade mit der Tastatur lenkten sich die Karossen auf meinem Rechner vor dem Patch in etwa so, wie wenn ich in GTA 4 mit Cousin Roman einen heben war. Der neue Empfindlichkeits-Slider wirkt da Wunder und stellt damit eine spürbare spielerische Verbesserung dar. Gerade wenn ihr wie ich eine offene Welt am liebsten ohne Schnellreise durchquert.

Lohnt sich die Rückkehr?

Das alles sind natürlich meine persönlichen Eindrücke aus ein paar Stunden in Night City 1.2. Und ich spreche aus der Perspektive einer Person, die bereits davor eine Menge Spaß mit dem Rollenspiel hatte, es reibungslos durchspielen konnte und von den kleineren Bugs zwar genervt, aber nicht abgeschreckt wurde.

Gemessen an meiner Spielerfahrung bleibt trotzdem vorerst das Fazit, dass Cyberpunk 2077 mit Patch 1.2 noch nicht in einer Verfassung ist, die enttäuschte Spielerinnen und Spieler zurückgewinnen wird. Dafür sind die oberflächlichen Bugs noch zu häufig. Sicher, wenn ihr nur aufgrund eines bestimmten Plotstoppers aufgehört habt, solltet ihr unbedingt einen Blick in die Patch Notes werfen. Womöglich lässt sich das Problem jetzt lösen. Wenn es euch aber um die allgemeine Bug-Dichte und das Spielgefühl ging, gilt es abzuwarten.

Aus diesem Grund bleibt bis auf weiteres unsere Abwertung von Cyberpunk 2077 bestehen. CD Projekt Red hat noch viel Arbeit vor sich, auf den Konsolen nochmal mehr als auf dem PC. Und Verbesserungen wie bei der Polizei und der Fahrzeugsteuerung zeigen, dass Cyberpunk 2077 von Patch zu Patch nicht nur bugbefreiter, sondern auch spielerisch besser wird. Das macht Update 1.2. nicht zum Heilsbringer, aber es bereitet einen gangbaren Weg für alles, was danach kommt.

zu den Kommentaren (308)

Kommentare(308)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.