Cyberpunk 2077: Warum das polnische Wettbewerbsamt künftige Updates genau beobachtet

Nach dem verkorksten Konsolen-Release von Cyberpunk 2077, muss sich CD Projekt jetzt auch auf staatlicher Ebene rechtfertigen und könnte sogar bestraft werden.

von Fabiano Uslenghi,
12.01.2021 14:24 Uhr

Zeigen sie doch mal her! CD Projekt steht unter Beobachtung des polnischen Wettbewerbamtes. Zeigen sie doch mal her! CD Projekt steht unter Beobachtung des polnischen Wettbewerbamtes.

Cyberpunk 2077 polarisiert nicht einfach nur. Das Rollenspiel driftet mit Lichtgeschwindigkeit in dutzende verschiedene Richtungen. Die Meinungen zum Spiel gehen extrem auseinander und variieren abhängig davon, was Spieler sich erhofft haben, was sie während ihres Durchgangs erlebten und vor allem, auf welcher Plattform sie das Spiel überhaupt starten. Denn vor allem auf PS4 und Xbox One ist Cyberpunk 2077 alles andere als lauffähig.

Dieser verkorkste Konsolen-Release sorgt natürlich für sehr erhitzte Gemüter. Doch auch abseits des Zorns enttäuschter Fans liegt bei CD Projekt derweil einiges im Argen. Jetzt ist das polnische Unternehmen ins Visier des UOKiK (Polnisch für »Urzad Ochrony Konkurencji i Konsumentów«) geraten.

Dabei handelt es sich um das Amt für Wettbewerbs- und Verbraucherschutz, also die polnische Wettbewerbsaufsicht. Ein Kartellamt, das den nationalen Markt reguliert. Dass das UOKiK nun eingreift, fand das polnische Magazin Dziennik Gazeta Prawna heraus.

Kritik an Cyberpunk 2077 - Und jetzt? 30:27 Kritik an Cyberpunk 2077 - Und jetzt?

Was bedeutet das für CD Projekt?

Bislang ist noch nicht bekannt, welche Konsequenzen letztlich auf CD Projekt zukommen. Ein Pressesprecher des UOKiK hat bisher lediglich durchblicken lassen, dass sie sich die Angelegenheit genauer ansehen werden.

Hauptsächlich besteht das Eingreifen des Kartellamtes darin, die Lage bei CD Projekt mal genau in den Blick zu nehmen. In der aus dem polnischen übersetzten Stellungnahme heißt es:

"Wir werden überprüfen, wie der Entwickler an den Korrekturen und Problemen arbeitet, die das Spiel auf verschiedenen Konsolen unspielbar machen. Aber auch, wie sie planen, sich den Leuten gegenüber zu verhalten, die sich beschwert haben und unzufrieden mit ihrem Kauf sind, da sie das Spiel mit ihrer aktuellen Hardware nicht nutzen können, trotz früherer Zusicherungen des Entwicklers. "

Demnach interessiert sich das Amt in erster Linie dafür, wie CD Projekt mit der Situation jetzt weiter verfahren wird. Sie haben also ein wachsames Auge auf zukünftige Updates und die künftige Optimierung der Konsolen-Version und werden sich ebenfalls ansehen, wie CD Projekt sich gegenüber seinen Kunden verhält. Die Zusicherungen des Entwicklers bezieht sich unter anderem auf die Aussage CD Projekts, dass Cyberpunk 2077 ab Release auf den Current-Gen-Konsolen spielbar sei.

Laut der Einschätzung des polnischen Rechtsanwaltes Dominik Jedrzejko wäre der Fokus auf Updates und Entschädigungen eine der möglichen Vorgehensweisen, die eventuell sogar gesetzlich angeordnete Strafzahlungen umgehen könnten.

Im Podcast bei GameStar Plus haben wir zusammen mit dem Unternehmensberater Human Nagafi analysiert, was das Cyberpunk-Debakel für CD Projekt als Firma bedeuten könnt:

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Das sagt der Anwalt

Jedrzejko befasste sich bereits im Dezember mit möglichen Repressalien, die CD Projekt nach dem vermurksten Konsolen-Release erwarten könnten. Schon damals vermutete der Anwalt in seinem Blog, dass sich das UOKiK für diesen Fall interessieren wird. Seiner Einschätzung nach liegt in diesem Fall nämlich durchaus eine irreführende Vermarktung vor.

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Laut Jadrzejko hätten die Aussagen des Entwicklers und das Marketing für Cyberpunk 2077 einem durchschnittlichen Käufer schon im Vorverkauf suggeriert, dass das Rollenspiel auf den aktuellen Konsolen vollumfänglich spielbar sei. Zumal diese Konsolen als geschlossene Systeme begriffen werden. Jeder Spieler erwartet bei einer Konsole (anders als bei einem PC), dass die entsprechende Version reibungslos funktioniert. Hier spiele es auch keine Rolle, ob CD Projekt nachlässig war oder vorsätzlich gelogen hat.

Im schlimmsten Fall könnte dieser Verstoß dazu führen, dass das UOKiK eine Geldstrafe verhängt, die sich auf bis zu 10 Prozent des jährlichen Umsatzes von CD Projekt Red belaufen könnte. Das wäre eine beträchtliche Summe.

Allein Cyberpunk 2077 hat sich trotz der Kontroverse bis zum 20. Dezember über 13. Millionen mal verkauft. The Witcher 3 bleibt ebenfalls ein Dauerbrenner. Im Mai 2020 hatte CD Projekt noch einen Marktwert von 8,13 Milliarden Euro und hat damals sogar Ubisoft übertroffen. Mittlerweile ist der Aktienkurs aber im Sinkflug.

Diese Geldstrafe ist aber nur die schlimmste von vielen Möglichkeiten. Ebenso wären Entschädigungen in Form von kostenlosen Inhalten oder ein kulantes Rückerstattungkonzept denkbar.

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