Über Der Schuh des Manitu wird viel diskutiert. Auch 24 Jahre später noch - und das aus gutem Grund. Immerhin lockte der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten stolze 11,7 Millionen Zuschauer in die Kinos und gilt für viele heute noch immer als Kult.
Auch in meiner Brust schlägt weiter ein Herz für das Wild-West-Abenteuer von Abahachi (Michael Herbig) und Ranger (Christian Tramitz). Denn ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich mit zarten sechs Jahren auf dem Schulhof keine Klappstühle ausgegraben, krasse Pferde zum Verkauf angeboten oder meiner Unzufriedenheit über die Gesamtsituation Ausdruck verliehen hätte.
Dazu kann ich weiterhin stehen und trotzdem kritisch auf einen nicht mehr ganz zeitgemäßen Humor blicken, der sich schon sehr auf arg veraltete Klischees stützt. Klischees, die in diesem direkten Kontext gerne mal als rassistisch, homophob und sexistisch abgestempelt werden.
Ganz so einfach will ich es mir aber nicht machen, denn so einfach haben es sich auch Bully, Tramitz und Kavanian nie gemacht. Ja, ihr Humor in Der Schuh des Manitu ist klischeebehaftet, aber fairerweise nie böse oder herablassend. Gleichzeitig knöpft sich der Film nicht den echten
Wilden Westen vor, sondern dessen vermurkste Inszenierung in der deutschen Literatur- und Kino-Landschaft. (Und ja, damit ist Winnetou gemeint.)
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Der Trailer zu das Das Kanu des Manitu zeigt: So sehen Bullys Kultfiguren 24 Jahre nach Teil 1 aus
Freilich möchte ich niemandem absprechen, sich an Der Schuh des Manitu zu erfreuen und/oder zu stören. Denn dafür sind Diskussionen ja da: Um geführt zu werden. Und die könnte kaum aktueller sein, wenn am 14. August 2025 mit Das Kanu des Manitu nun die direkte Fortsetzung in den Kinos startet … nur
24 Jahre später.
Damit stellt sich natürlich die Frage: Funktioniert das heute überhaupt noch? Und wie viel Mut beweist das legendäre deutsche Comedy-Trio aus Herbig, Tramitz und Kavanian, um gleichzeitig die Fans von früher abzuholen und keinen Shitstorm zu provozieren?
Lasst mich mit den folgenden Worten des wohl coolsten deutschen Film-Bösewichts mein persönliches Fazit einleiten: Jetzt geht nochmal jeder aufs Klo und dann reiten wir los.
Um was geht’s in Das Kanu des Manitu?
Eine lautstarke Jodelei ertönt durch die menschenleere Prärie. Abahachi und sein Blutsbruder suchen ihren Weg zueinander, denn sie haben sich ja eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Zum letzten Mal am Montag, glaube ich
- und damit stimmt Das Kanu des Manitu standesgemäß auf die gewohnte Bully-Blödelei ein, die seine Fans so sehr zu schätzen wissen.
Die Wiedersehensfreude währt aber nicht lange, denn schon findet sich das Duo unter Beschuss des Sheriffs (Friedrich Mücke) und seines Deputys (Rick Kavanian) wieder. Was Abahachi und Ranger verbrochen haben? Oh, so einiges. Aber hier werden sie tatsächlich eines Verbrechens bezichtigt, das sie nicht begangen haben.
Um das Paar aus der Reserve zu locken, hat der Banden-Boss, der einfach nur - nun ja - Der Boss
heißt (Jessica Schwarz) ihnen allerlei Überfälle angehängt. Nun sollen die beiden aufgehängt werden, wovon ihr alter Freund Dimitri (ebenfalls Rick Kavanian) Wind bekommt. Mithilfe seiner überqualifizierten Aushilfe Mary (Jasmin Schwiers) reitet er zur Rettung, während das sagenumwobene Kanu des Manitu irgendwo auf seine Entdeckung wartet.
Für wen ist das Kanu des Manitu interessant?
Konntet ihr mit dem typischen Bully-Humor noch nie etwas anfangen, wird euch auch Das Kanu des Manitu nicht eines Besseren belehren. Die Fortsetzung richtet sich genau an die Leute, die das Original schon toll fanden. Das ist mal charmant, mal herzlich, aber vor allem eins: nostalgisch - und damit steht sich der Film oft selbst im Weg.
Denn während dieselben Felder abgegrast werden, zünden vor allem die Referenzen und Zitate alter Gags und Schenkelklopfer. Probiert Das Kanu des Manitu mal etwas Neues, ist der Film meist nicht mutig genug oder geht nicht weit genug - ein Problem, das auch schon der neuen nackten Kanone mit Liam Neeson statt Leslie Nielsen zu schaffen machte.
Nach dem Kinobesuch wird euch damit nicht die Birne vor der schieren Menge an legendären Zitate und unvergesslichen Szenen glühen, stattdessen gibt’s lediglich ein schwaches Flimmern. Denn Das Kanu des Manitu schafft keine neuen Momente dieses Kalibers - wie zum Beispiel Santa Marias (Sky du Mont) Superperforator-Performance - sondern verbeugt sich lediglich davor.
Das mag in einem gewissen Rahmen funktionieren und durchaus unterhalten, reicht aber nicht ansatzweise, um an das Original heranzukommen. Diese Halbherzigkeit macht sich auch bei dem Versuch bemerkbar, mit der Zeit zu gehen. Denn das funktioniert eher so la la.
Das Kanu des Manitu schafft es jedenfalls, die Frauenquote um satte 100 Prozent zu steigern und beide Rollen nicht auf bloßes Eyecandy à la Uschi zu reduzieren. Mit dem Boss und Mary gibt es schon mal zwei kompetente weibliche Rollen, denen aber dann beide jeweils eine eigene Romanze aufgedrückt werden muss - egal wie plötzlich und unverdient das passiert.
Und es sind sich Bully, Tramitz und Kavanian auch nicht zu schade, sich selbst als alte, weiße Männer
zu bezeichnen oder gleich mehrfach zu betonen, dass Indianer
schlichtweg kein zeitgemäßer Begriff mehr ist. Das Kanu des Manitu verzichtet hier auf einen mahnenden Zeigefinger und will auch niemandem vorsätzlich auf die Füße treten. Zum Glück!
Aber eine wirkliche Pointe folgt aber eigentlich nur auf den einen großen Plot-Twist des Films, mit dem Bully auch auf ein Neues seine große Liebe zu Winnetou und Karl May betont. Dabei handelt es sich um eine wirklich herrliche und gewiefte Idee, die für sich alleine hätte stehen können … aber dann leider von den letzten Minuten des Films zunichtegemacht wird, in denen sich Bully als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller die totale Absolution erteilt. Schade drum.
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Das Kanu des Manitu - Der erste Trailer zu Der Schuh des Manitu 2 ist da
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Weißt du noch … ?
Insgesamt gibt sich Das Kanu des Manitu irgendwo Mühe, schafft es aber nicht, sein Schwelgen in Nostalgie und die Sehnsucht an alte Zeiten abzuschütteln. So werden auch primär legendäre Filmklassiker wie Indiana Jones, Jurassic Park oder die ganz großen Western mit Clint Eastwood zitiert - und funktioniert nach wie vor hervorragend!
Bully lässt mit rasanten Verfolgungsjagden zu Pferd oder Lokomotive sein meisterhaftes Händchen als Regisseur spielen und beweist weiterhin mit cineastischen Aufnahmen der US-amerikanischen Prärie ein Auge für die Bildgewalt. Fairerweise sieht aber auch der 24 Jahre alte Schuh des Manitu noch immer besser aus als ein Großteil der deutschen Kinolandschaft.
Letztendlich versucht Das Kanu des Manitu zu sehr, einfach nur das zu wiederholen oder aufzuwärmen, was den Schuh des Manitu einst so einzigartig gemacht hat. Anstatt die Geschichte, die Charaktere oder Ideen des Originals weiterzudenken, wird tief in einer Schublade voller Erinnerungen gekramt. Ein richtig runder Film ist dabei nicht entstanden, es bleibt bei einem Schwelgen in Nostalgie.