Devotion - Gefeiertes Horror-Spiel wird von negativen Reviews aus China überschwemmt

Devotion ist ein großartiges Horrorspiel, hat viel Lob von Presse und Spielern bekommen und führt die Steam Charts an. Doch gleichzeitig sind 60 Prozent aller Bewertungen auf Steam negativ. Was ist passiert?

von Robin Rüther,
25.02.2019 15:11 Uhr

Devotion ist ein atmosphärisches Horror-Adventure, das vielen chinesischen Spielern gerade sauer aufstößt.Devotion ist ein atmosphärisches Horror-Adventure, das vielen chinesischen Spielern gerade sauer aufstößt.

Was für eine konträre Situation: Devotion, ein Indie-Horror-Adventure, das in einem taiwanischen Apartment der 80er Jahren spielt und sich um eine Familie dreht, die einem religiösen Kult verfallen ist, steht aktuell zwischen Erfolg und Kontroverse.

Einerseits kommt das Spiel des taiwanischen Entwicklers RedCandleGames bei Spielern und Presse gut an und hat viel Lob geerntet. Kurz nach dem Release am 19. Februar eroberte Devotion Twitch im Sturm und kam in seinem besten Moment auf über 100.000 Zuschauer.

Andererseits sind zum Zeitpunkt dieses Artikels 60 Prozent der Steam-Reviews von Devotion negativ. Das hängt allerdings nicht mit der Qualität des Spiels zusammen, sondern mit politischen Nachrichten, die die Entwickler darin versteckt haben. Die Folge: Devotion bekam ein Review Bombing von tausenden chinesischen Spielern ab.

Die Kontroverse: Versteckte Nachrichten gegen China

Die Kontroverse begann, als ein Spieler einen Zettel in Devotion entdeckte, auf dem der chinesische Präsident Xi Jinping mit Winnie Puuh verglichen und beleidigt wurde. Die wörtliche Übersetzung heißt laut Spiel Times: »Xi Jinping Winnie the Pooh Moron«.

Das spielt auf eine Zensur Chinas an: 2017 verbot die Regierung den freundlichen Bären, weil er dem chinesischen Staatspräsidenten zu ähnlich sehe.

Die Entwickler von RedCandleGames entschuldigten sich für den Zettel in einer Stellungnahme auf Steam:

"Als wir den Prototypen entwickelt haben, hat das Team oft mit diesem Internet-Meme als Platzhalter gearbeitet. Durch ein Synchronisierungsproblem wurden allerdings nicht alle Platzhalter gelöscht. Das ist ein reiner Unfall und wir hatten nicht die Absicht, Schaden oder Hass zu verbreiten. [...] Uns tut der Ärger wirklich leid und bitten aufrichtig um Vergebung von unseren Spielern."

Die kontroverse Zeichnung seht ihr links im Bild.Die kontroverse Zeichnung seht ihr links im Bild.

Mittlerweile haben die Entwickler den Zettel aus Devotion entfernt, die Wut der Community ist aber noch immer groß und besonders auf Steam spürbar. Viele Chinesen, die das Spiel zum Release gekauft haben, fühlen sich nun hereingelegt. User Tlingit Raven fasst den Ärger in einem negativen Steam-Review zusammen:

"Ich denke wirklich, dass Devotion ein gutes Spiel ist. Tatsächlich sogar ein großartiges Spiel. Trotzdem kann ich es keinem empfehlen, keiner Gruppe, keinen Menschen, die die selbe Überzeugung wie ich teilen. Ich tue das nicht aus nationalem Stolz heraus, nicht, weil ich so eine starke Liebe für meinen Präsidenten habe. Nicht weil ich, als jemand aus dem Festland Chinas, taiwanische Menschen hasse. Nein. Nein. Nein. Das sind alles falsche Behauptungen.

Ich empfehle das Spiel nur aus einem einzigen Grund nicht: Die Entwickler enttäuschen mich, wenn sie es wagen, heimlich so eine empfindliche Bombe in das Spiel zu packen und gleichzeitig ihre Produkte an chinesische Spieler verkaufen, die ganz am Anfang nichts über diese Nachricht wussten, bis sie enthüllt wurde."

Weitere versteckte Botschaften entdeckt

Devotion lebt von seinem detaillierten Apartment und unheimlicher Atmosphäre.Devotion lebt von seinem detaillierten Apartment und unheimlicher Atmosphäre.

Obwohl die Entwickler die politische Nachricht nach eigener Aussage nicht absichtlich ins Spiel gepackt haben, handelt es sich beim Winnie-Pooh-Kommentar anscheinend nicht um die einzige versteckte Botschaft. Auf Resetera beschreibt User SushiResse weitere Nachrichten.

So gehe aus von Dataminern entdeckten Texten und Bildern im Spiel hervor, dass die Übersetzung des Kultanführers in Devotion so viel wie »PRC citizens« bedeute, also Bewohner der Volksrepublik China.

Außerdem finde das Festival des Kults vom 1. Oktober bis 7. Oktober statt - im selben Zeitraum, in dem auch das Nationalfest Chinas stattfindet. Durch diese Nachrichten fühlen sich die chinesischen Spieler verspottet.

Manche Spieler sorgen sich nun, dass die Kontroverse von Devotion politische Konsequenzen nach sich zieht. Auf Resetera befürchtet der bereits oben genannte User SushiReese im selben Post, dass die chinesische Regierung das Spiel zum Anlass nehmen könnte, um Steam in China zu verbieten.

In Devotions Produktbeschreibung auf Steam wurden inzwischen die chinesischen Publisher Indievent und Winking Skywalker entfernt, wie Spiel Times berichtet. Indievent gab in einem Statement bekannt, die Partnerschaft mit RedCandleGames eingestellt zu haben.


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