Wegen China-Shitstorm eingestelltes Horrorspiel wandert in Harvard-Bibliothek

Das taiwanesische Horrorspiel Devotion wurde letzte Jahr auf Druck aus China von Steam genommen. Jetzt wird es in einer Universität aufbewahrt.

von Fabiano Uslenghi,
26.02.2020 11:20 Uhr

Devotion ist auf Steam nicht mehr zu haben. Dafür wurde es jetzt aber in einen Bibliotheksbestand aufgenommen. Devotion ist auf Steam nicht mehr zu haben. Dafür wurde es jetzt aber in einen Bibliotheksbestand aufgenommen.

Erinnert ihr euch noch an Devotion? Vor ungefähr einem Jahr schlug dieses etwas ungewöhnliche Horrorspiele erstaunliche Wellen. Das Spiel von dem taiwanesischen Entwickler Red Candle wurde nämlich aufgrund von Konflikten mit der chinesischen Regierung kurz nach seinem Release komplett von Steam genommen und war seither verschwunden.

Jetzt haben die Entwickler aber bekannt gegeben, dass ihr Spiel eine gesicherte Zukunft hat. Kaufen könnt ihr es zwar weiterhin nicht, es wurde aber in den Bestand der Universitäts-Bibliothek von Havard aufgenommen. Auf Facebook drücken die Entwickler ihre Dankbarkeit gegenüber der Havard Universität aus:

"Es ist eine unglaubliche Ehre, nicht nur für Red Candle, sondern für alle unserer Unterstützer und Spieler auf der ganzen Welt. [...] Es tut uns leid, dass wir unserer Community das gesamte letzte Jahr Sorgen bereitet haben. Auch wenn der aktuelle Zustand nicht ideal ist, sind wir immer noch da und es hat sich nichts geändert - wir entwickeln weiterhin Spiele mit der selben Leidenschaft. Heute und auch in Zukunft. "

Die Harvard-Yenching-Bibliothek liegt in Cambridge auf dem Gelände der Universität und ist eine der größten amerikanischen Ansammlungen ostasiatischer Kulturgüter. Neben Devotion wurde mit Detention noch ein weiteres Spiel von Red Candle in den Bestand aufgenommen.

Wieso wurde Devotion überhaupt gebannt?

Bereits letztes Jahr haben wir häufiger über die Geschichte von Devotion geschrieben. Der Vollständigkeit halber gibt es hier aber noch einmal die Kurzform:

  • Was ist Devotion? Devotion ist ein Horrorspiel, das sich fast ausschließlich in einem taiwanesischen Apartment in den 80er Jahren abspielt, das sich nach und nach in einen Alptraum verwandelt.
  • Woher kam der Shitstorm? Das Spiel wurde nach seinem Release anfangs sehr positiv aufgenommen, dann aber mit schlechten User-Reviews aus China bombardiert.
  • Wieso waren die Chinesen so wütend? Die Entwickler hatten eine Zeichnung in der Spielwelt, auf der der chinesische Präsident Xi Jinping als »Trottel« bezeichnet und mit Winnie Pooh verglichen wurde.
  • Wie ging es weiter? Kurz darauf verschwand Devotion komplett von Steam und kehrte nicht wieder zurück. Außerdem verlor der chinesische Publisher von Devotion einige Monate später sein Geschäftslizenz.

China wird als Markt für Videospiele immer wichtiger. Allerdings bringt das auch Probleme, vor allem was unsere westliche Vorstellung von Meinungsfreiheit betrifft. Ende 2019 sorgte etwa der Hearthstone-Streamer Blitzchung für eine Kontroverse, da er Freiheit für Hongkong forderte und dafür von Blizzard bestraft wurde.

Außerdem sitzt mit Tencent die weltweit größte Spielefirma in China, die sich in den letzten Jahren auch auf westliche Unternehmen ausgedehnt hat. Mittlerweile hält das Unternehmen Anteile in vielen großen westlichen Firmen wie Ubisoft, Epic und Blizzard. Was es genau mit dieser heimlichen Supermacht auf sich hat, erfahrt ihr in unserem Plus-Report zu Tencent.

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