Diablo Immortal zeigt, wie Diablo 4 nicht werden darf

Für Michael Graf offenbart Diablo Immortal die Fallstricke eines »Diablo-MMOs«, die auch Diablo 4 zum Problem werden können.

von Michael Graf,
09.05.2021 08:00 Uhr

Diablo Immortal macht Spaß, aber es zeigt auch die Stolpersteine, die Blizzard bei Diablo 4 überspringen muss. Diablo Immortal macht Spaß, aber es zeigt auch die Stolpersteine, die Blizzard bei Diablo 4 überspringen muss.

Diablo Immortal, dieser spielgewordene Aprilscherz, diese aus den sieben brennenden Blizzcon-Höllen emporgekrochene Abscheulichkeit, die mit schuppigen Krallen dorthin greift, wonach sonst nur infame Taschendiebe lechzen: in unsere Hosentaschen, nach unseren Smartphones! Und darauf, natürlich, nach unseren hart erarbeiteten Talern, die im Echtgeld-Shop belanglose Zeitersparnis für ein Spiel erkaufen, das wir ja gerade spielen sollten, weil wir viel Zeit darin verbringen wollen.

Wie kannst du, Blizzard, uns altgedienten Teufelsjägern, uns Butcher-Bezwingern und Duriel-Duellanten, wie kannst du uns diese Perversion unserer angestammten Lieblingsserie tatsächlich als richtigen Schritt für selbige anpreisen? Ein wahres Diablo gehört auf den PC, vielleicht auf die Konsolen und an guten Tagen gerade noch auf die Nintendo Switch, doch niemals, niemals auf unser Smartphone! So schwören wir beim Erbe von Deckard Cain, der niemals hätte sterben dürfen.

Das würden einige von euch jetzt gerne lesen, richtig?

Dann muss ich eure Erwartungen leider zerschmettern wie einen verderbten Weltstein: Ich habe mit der aktuellen Alpha von Diablo Immortal echt meinen Spaß!

Es ist ein gefälliges, flüssiges, hübsches Hack and Slay, etwas kleinteilig für den engen Bildschirm eines iPhone 8, grundsätzlich aber motivierend und anständig bedienbar. Wobei das nicht im gleichem Umfang für alle Klassen gilt, dazu kommen wir gleich.

Wenn schon Maurice keine Zeit hat, haben wir wenigstens Mauricette, die Juwelierin. Wenn schon Maurice keine Zeit hat, haben wir wenigstens Mauricette, die Juwelierin.

Zunächst möchte ich Blizzard für Mauricette danken, eine Juwelierin in Ausbildung, die im Dunkelwald campiert. Obwohl Kollege Maurice urlaubsbedingt bei unseren Immortal-Probeläufen fehlte, war er also doch irgendwie dabei.

Womöglich wäre es ihm lieber gewesen, Mauricette wäre eine Totenbeschwörerin, und es gibt in der Handlung sogar eine Totenbeschwörerin, aber die heißt anders. Dafür kann sich unser Maurice eine Scheibe davon abschneiden, wie dienstbeflissen Mauricette unsere Edelsteine aufwertet! Die tut wenigstens was für das Platin, das wir ihr zustecken!

Ach ja, das Platin. Damit wären wir beim Thema.

Das eigentlich Dämonenhuhn, das ich mit Diablo Immortal zu rupfen habe, ist nämlich ein anderes, wie ihr bestimmt schon der Überschrift entnommen habt.

Denn Diablo Immortal zeigt drei Gefahren für Diabo 4.

Der Autor
Michael Graf mag Mobile-Spiele - oder mochte sie zumindest vor der Pandemie, als er noch das Haus verließ. Er eroberte Städte in The Battle of Polytopia, stapelte Zahlen in Threes! oder 2048 und errang Arenen in Pokémon Go. Selbst Command & Conquer: Rivals hat er eine Zeitlang beim S-Bahnfahren gespielt. Natürlich wäre ihm ein neues, klassisches C&C für den PC lieber, aber Mobile-Spiele füllen für ihn eben eine ganz andere Lücke als PC-Spiele, die Unterwegs-Lücke nämlich. Erst recht, wenn er die Switch nicht dabei hat.

Gefahr 1: Plopp, neue Zombies

Die GameStar-Crew kämpft sich durch einen Elder Rift, das Gegenstück zu den Nephalem-Portalen aus Diablo 3. Lastt euch nicht täuschen: Die Grafik ist in Bewegung und auf kleinen Handy-Displays viel schöner, als sie hier wirkt. Die GameStar-Crew kämpft sich durch einen Elder Rift, das Gegenstück zu den Nephalem-Portalen aus Diablo 3. Lastt euch nicht täuschen: Die Grafik ist in Bewegung und auf kleinen Handy-Displays viel schöner, als sie hier wirkt.

Damit meine ich natürlich nicht, dass Diablo 4 Gefahr läuft, ein Mobile-Spiel zu werden. Genau dafür hat Blizzard ja Immortal. Und Diablo 4 dürfte auch nicht Free2Play werden, weil Blizzard mit dem Start eines neuen Vollpreis-Diablos immer noch Geld drucken kann. Diablo 3 hat sich damals binnen 24 Stunden 3,5 Millionen Mal verkauft - allein auf dem PC. Der Multiplattform-Launch von Diablo 4 könnte da noch um ein Vielfaches lukrativer werden.

Zumindest, falls die Server halten, aber das ist ein Thema für GameStar TV:

Outriders, Apex & Co: Warum Multiplayer-Server so oft Probleme machen PLUS 28:33 Outriders, Apex & Co: Warum Multiplayer-Server so oft Probleme machen

Die Server allerdings sind der springende Punkt: Diablo Immortal ist wie Diablo 4 als Always-On-Spiel ausgelegt, als - wenn wir diesen Begriff mal sehr stark dehnen - Online-Rollenspiel im Diablo-Gewand. Auch außerhalb der Hub-Städte kann ich jederzeit auf andere Heldinnen und Helden treffen, lediglich in Story-Instanzen habe ich meine Ruhe, da dürfen nämlich nur ich und meine Gruppenmitglieder rein. Das funktioniert in Immortal also schon jetzt so, wie es Blizzard für Diablo 4 angekündigt hat.