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Die wahre Geschichte hinter Squid Game: Was ist Fake und was grausame Realität?

Hinter Squid Game verbirgt sich mehr als reine Fiktion – wir zeigen, welche wahren Ereignisse die Serie inspiriert haben.

Im echten Brothers Home wurden Menschen in Trainingsanzüge gesteckt, die an Squid Game erinnern. (Bild: Netflix Brothers Home Foundation) Im echten Brother's Home wurden Menschen in Trainingsanzüge gesteckt, die an Squid Game erinnern. (Bild: Netflix / Brother's Home Foundation)

Squid Game ist mehr als nur eine der erfolgreichsten Netflix-Serien – es ist auch eine ernsthafte Gesellschaftskritik, die die Schattenseiten des Kapitalismus in Südkorea beleuchtet. Doch wie viel Echtes steckt wirklich in der Geschichte?

Während die tödlichen Kinderspiele der Serie zweifellos erfunden sind, gibt es reale Inspirationen, die den Schöpfer Hwang Dong-hyuk geprägt haben

Unter anderem wird immer wieder ein düsteres Kapitel der südkoreanischen Geschichte mit Squid Game in Verbindung gebracht: das berüchtigte Internierungslager Brother’s Home. Doch was ist daran wahr, und wo hört die Parallele auf?

Die mögliche Inspiration hinter Squid Game

Hwang Dong-hyuk, der Schöpfer von Squid Game, ließ sich nach eigenen Aussagen von realen Problemen Südkoreas inspirieren: Überschuldung, Altersarmut, die steigende soziale Ungleichheit und der verzweifelte Versuch vieler Menschen, durch Glücksspiele oder riskante Investitionen aus ihrer Misere auszubrechen.

Die Serie erzählt die Geschichte von 456 verzweifelten Teilnehmern, die in tödlichen Kinderspielen gegeneinander antreten, um ein Preisgeld von 45,6 Milliarden Won zu gewinnen. Doch wie viel davon hat reale Bezüge?

Eine Verbindung wird immer wieder zum Brother’s Home gezogen, einer Einrichtung, die in Südkorea zwischen 1976 und 1987 existierte. Dort wurden tausende Menschen in uniforme Trainingsanzüge gesteckt, mit Nummern versehen, illegal festgehalten und systematisch misshandelt.

Das Brothers Home war ein riesiger Komplex aus über 60 Gebäuden in der Nähe von Busan. (Bild: Brothers Home Foundation) Das Brother's Home war ein riesiger Komplex aus über 60 Gebäuden in der Nähe von Busan. (Bild: Brother's Home Foundation)

Das Brother’s Home war ein berüchtigtes Internierungslager in der Nähe der südkoreanischen Hafenstadt Busan. Ursprünglich als Rehabilitationszentrum für Vagabunden deklariert, war es in Wahrheit ein Ort systematischer Gewalt und Ausbeutung.

Unter dem autoritären Regime Südkoreas wurden Obdachlose, Waisenkinder und sogar Menschen, die sich schlicht nicht ausweisen konnten, von den Straßen geholt und in die Einrichtung gebracht. Ziel war es, die Straßen vor den Olympischen Spielen 1988 zu säubern und das Image des damals noch vergleichsweise armen Landes zu verbessern.

Menschen wurden fast willkürlich von der Straße aufgelesen und in das Arbeitslager verfrachtet. (Bild: Brothers Home Foundation) Menschen wurden fast willkürlich von der Straße aufgelesen und in das Arbeitslager verfrachtet. (Bild: Brother's Home Foundation)

Brother's Home: Gewalt und Grausamkeit

Einige Elemente aus Squid Game, insbesondere die nummerierten Trainingsanzüge, scheinen Parallelen zur Realität des Brother’s Home aufzuweisen – doch der direkte Vergleich ist schwierig.

Hinter den Mauern des Lagers herrschten grauenhafte Zustände: Die Insassen, darunter auch Kinder, mussten Zwangsarbeit leisten und wurden körperlich sowie sexuell misshandelt. Hahn Jong-seon, ein Überlebender, erinnert sich im Interview mit Al-Jazeera:

Sie haben uns wie Müll behandelt, den man von den Straßen fegte.

Während die Teilnehmer in der Serie an Spielen wie Rotes Licht, grünes Licht oder Seilspringen teilnehmen, gab es im Brother’s Home keine Spiele. Vielmehr waren Gewalt und Zwangsarbeit an der Tagesordnung. Insassen mussten schwere körperliche Arbeit leisten, und selbst Kinder wurden zur Arbeit gezwungen.

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Choi Seung-woo, der als Teenager in das Lager verschleppt wurde, erzählt von den grausamen Zuständen:

Wir mussten ununterbrochen arbeiten, ohne Pause, ohne Hoffnung. Diejenigen, die zu langsam waren, wurden vor den anderen geschlagen.

Wie in der Serie waren auch öffentliche Bestrafungen ein Mittel zur Kontrolle. Wer sich widersetzte oder versuchte zu fliehen, wurde vor den Augen der anderen Insassen misshandelt. Lee Chae-shik, der einen Fluchtversuch wagte, wurde brutal verprügelt und öffentlich gedemütigt.

Im Brother’s Home waren Selbstmorde keine Seltenheit. Ein weiterer ehemaliger Insasse namens Hwang Jung-bok erinnert sich an einen Mann, der sich von einem Dach stürzte:

Wir waren auf dem Weg zum Speisesaal, als dieser Mann plötzlich die Treppe des Gebäudes hinaufrannte und herabsprang und auf dem Kopf landete, direkt vor der Kindergruppe. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, dass der Klang, wenn der Kopf einer Person explodiert, so ein lautes, splitterndes Geräusch machen kann. Ich sah, wie sein Schädel aufplatzte.

KI-Fakes und fragwürdige Videos

Nach dem Release der zweiten Staffel von Squid Game kursierten auf TikTok zahlreiche Videos, die angeblich ein echtes Squid Game zeigen sollten. Mit Titeln wie Squid Game 1986 oder The Real Squid Game mischten Creator echte Bilder des Brother’s Home mit KI-generierten Szenen, die bunte Räume und Treppen zeigten, ähnlich wie in der Serie.

Obwohl diese Videos viral gingen, gibt es keinerlei Beweise, dass solche Orte existieren oder im Brother’s Home tatsächlich Spiele stattfanden, die denen in Squid Game ähneln. Die oft verwendeten Bilder stammen vom Instagram-Account CityHermitAI.

Vielmehr handelt es sich bei diesen Videos um eine geschmacklose Vermengung von Fiktion und Realität, die den wahren Opfern der Einrichtung nicht gerecht wird.

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Der Streik bei Ssangyong Motors

Neben sozialen Problemen und möglicherweise dem Brother’s Home ließ sich Hwang Dong-hyuk auch von anderen realen Ereignissen inspirieren. Besonders prägend war der Streik bei Ssangyong Motors.

Im Jahr 2009 stand der südkoreanische Autohersteller vor einer finanziellen Krise. Nach der Übernahme durch das chinesische Unternehmen Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) kündigte der neue Eigentümer einen massiven Wandel an. Das Unternehmen entließ mehr als 2.600 Arbeiter, was fast 40 Prozent der Belegschaft ausmachte.

Diese Entlassungen stürzten viele Betroffene in eine Existenzkrise: Viele Arbeiter, die über Jahrzehnte hinweg ihr Leben dem Unternehmen gewidmet hatten, verloren über Nacht ihren Job. Der Verlust der Arbeit bedeutete für sie auch den Verlust von Krankenversicherung, Altersvorsorge und der Möglichkeit, ihre Familien zu ernähren.

Die verzweifelten Arbeiter reagierten mit einem Streik, der schnell eskalierte.

Die Proteste gipfelten in der Besetzung einer Ssangyong-Fabrik, die 77 Tage lang von den entlassenen Arbeitern gehalten wurde.

Die Polizei reagierte mit massiver Gewalt.

Tränengas, Wasserwerfer und Hubschrauber wurden eingesetzt, um die Fabrik zu räumen. Die Streikenden wurden kriminalisiert, viele landeten vor Gericht, und einige begingen aufgrund der Belastungen Suizid.

Die Figur des Seong Gi-hun, der Hauptcharakter, spiegelt diese Realität wider: Gi-hun wird als ehemaliger Arbeiter eines großen Autoherstellers eingeführt, der seinen Job verloren hat. Ähnlich wie die Ssangyong-Arbeiter steht Gi-hun nach seiner Entlassung vor dem sozialen und wirtschaftlichen Ruin.

Serienschöpfer Hwang Dong-hyuk erklärte dazu:

Ich wollte zeigen, wie leicht Menschen von der Mittelschicht in die Armut abrutschen können. Viele Menschen leben in dem Glauben, dass ihr Leben stabil ist, bis etwas Unvorhergesehenes geschieht – eine Entlassung, eine Krankheit oder eine plötzliche Krise. Dann stehen sie vor dem Abgrund.

Obwohl das Brother’s Home oft als mögliche Inspiration für Squid Game genannt wird, gibt es also abgesehen von den nummerierten Anzügen kaum direkte Parallelen. Die tödlichen Spiele, die zentrale Mechanik der Serie, sind reine Fiktion und haben keine Entsprechung in der Realität des Lagers.

Vielmehr nutzt die Serie allgemeine gesellschaftliche Themen wie Ungleichheit und Verzweiflung, um eine dystopische Welt zu schaffen. Die Grausamkeiten des Brother’s Home stehen jedoch für sich als eines der dunkelsten Kapitel der südkoreanischen Geschichte.

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