Diskriminierungsvorwürfe gegen Stellaris- & Crusader-Kings-Entwickler Paradox

Das schwedische Studio muss sich mit Mobbing- und Belästigungsvorwürfen auseinandersetzen. In einer Umfrage hatten sich besonders Mitarbeiterinnen darüber beklagt.

von Stephanie Schlottag,
07.09.2021 16:34 Uhr

Die Vorwürfe wecken unangenehme Erinnerungen an den Sexismus-Skandal bei Activision Blizzard: Diesmal betrifft es das Studio Paradox Interactive, bei dem unter anderem Stellaris und Crusader Kings 3 entwickelt werden. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beklagen in einer Umfrage ungerechte Behandlung, Diskriminierung und ein belastendes Arbeitsklima.

Eine »Kultur des Schweigens« soll herrschen

Das ist passiert: Eigentlich war die Umfrage von schwedischen Fachverbänden nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, die Ergebnisse sind aber trotzdem durchgesickert. Insgesamt wurden 133 der etwa 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Studios befragt. Von ihnen gaben 44 Prozent an, dass sie bei Paradox bereits Erfahrungen mit schlechter Behandlung gemacht haben.

Besonders hoch sind die Zahlen unter den befragten Frauen. Sie machten nur 26 Prozent der Befragten aus, gaben aber zu 69 Prozent an, dass sie »missbräuchliche Behandlung« beziehungsweise Mobbing erlebt hätten. Unter den männlichen Teilnehmern waren es 33 Prozent.

Laut der schwedischen Seite breakit.se, die zuerst über die geleakten Dokumente berichtete, kommen die Verbände zu dem Schluss, dass bei Paradox eine »Kultur des Schweigens« herrsche, in der nicht genug getan werde, um Probleme zu lösen. Verantwortliche würden von der Führungsebene geschützt werden. Daher müsse das Studio unbedingt Schritte einleiten, um die Lage zu verbessern.

Das sagt Paradox zu den Vorwürfen

Gegenüber Kotaku hat sich das Studio bereits geäußert. Man nehme die Vorwürfe mit Besorgnis zur Kenntnis:

"Natürlich sind die Ergebnisse der Umfrage sehr besorgniserregend. Das Management-Team will sicherstellen, dass anhand dieser Daten gehandelt wird, aber es ist schwierig, sofort direkte Maßnahmen zu ergreifen, weil die Umfrage so informeller Natur ist (was nicht heißen soll, dass sie in irgendeiner Form nicht ernst genommen wird).

Wie wir bereits gegenüber Breakit angekündigt haben, haben wir letzte Woche entschieden, dass ein unabhängiges Unternehmen unsere Prozesse überprüfen und sich um Fälle von Diskriminierung und Belästigung kümmern soll. Sie werden für uns außerdem eine vergleichbare Umfrage durchführen, die klar definierte Daten liefert, anhand denen wir spürbare Maßnahmen ergreifen können."

Erst vor wenigen Tagen gab es einen CEO-Wechsel bei Paradox: Ebba Ljungerud gab ihr Amt an den früheren (und neuen) CEO Fredrik Wester ab. Laut Paradox gibt es zwischen der Trennung und den Mitarbeitervorwürfen keinen Zusammenhang. Es sei vielmehr um unterschiedliche Visionen für die Zukunft gegangen.

Ähnliche Fälle erschüttern derzeit die gesamte Spielebranche: Neben der Klage gegen Activision Blizzard gibt es aktuell auch schwere Vorwürfe gegen Ubisoft Singapur wegen sexueller Belästigungen und Diskriminierung. In beiden Fällen wird ermittelt.

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