Alles zur Sexismus-Klage gegen Activision Blizzard

Nach der Klage des Staates Kalifornien gegen Activision Blizzard zieht eine weitere ehemalige Angestellte vor Gericht. Gegen den ehemaligen Manager Miguel Vega werden schwere Vorwürfe erhoben.

Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig um die aktuellen Entwicklungen hinsichtlich der Klage. Ihr findet die neuesten Anschuldigungen und Statements als Updates auf Seite 1 und 2. Die ursprüngliche Situation inklusive Link zur Klage findet ihr auf Seite 3 und das Statement von Bobby Kotick auf Seite 4.

----Update vom 13. Oktober 2022

Ehemalige Angestellte erhebt neue Anklage gegen Activision Blizzard

Activision Blizzard wird erneut von einer ehemaligen Angestellten verklagt. Im Zuge der Anklage werden mehrere Vorwürfe gegen den Spieleentwickler und -Publisher sowie explizit dem ehemaligen Manager Miguel Vega erhoben. 

Dabei beschuldigt die Ex-Mitarbeiterin Vega der sexuellen Belästigung, des sexuellen Missbrauchs, der Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts sowie der absichtlichen Verursachung von emotionalen Stress und weiteren Anklagepunkten - wie unter anderem Kotaku und DailyMail berichten.

Die ehemalige Angestellte, die in der Anklageschrift als Jane Doe bezeichnet wird, wirft Miguel Vega vor, sie während ihrer Karriere bei Activision Blizzard von 2016 bis 2021 mehrmals körperlich und verbal belästigt zu haben. Ebenso hätte Vega sie während Meetings aktiv beleidigt sowie Doe herabgewürdigt und in abgelegenen Ecken des Büros versucht, sie zu Oralsex zu bewegen.

Aus der Anklage geht ebenfalls hervor, dass Vega im Besitz kompromittierender Fotos aus einem vorangegangenen freundschaftlichen Verhältnis sein soll. Diese Bilder hätte Vega benutzt, um Doe zu erpressen und davon abzuhalten, sein Verhalten der HR-Abteilung zu melden oder später der Öffentlichkeit mitzuteilen. Miguel Vega wird dabei via DailyMail wie folgt zitiert: Vielleicht erpresse ich dich in Zukunft mit diesen Fotos, damit du deinen Ehemann verlassen musst und mit mir zusammen sein kannst.

Der Anklage zufolge hat Vega Jane Doe das letzte Mal im August 2021 bedroht, kurz nachdem das California Department of Fair Employment and Housing wegen vorangegangener Vorwürfe gegen Activision Blizzard vor Gericht zog.

Vega wurde kurz darauf entlassen, aber argumentiert, dass Activision Blizzard das Verhalten des Managers jahrelang akzeptiert sowie geduldet und nicht früher dagegen vorgegangen wäre. Jane Doe fordert Schadensersatz und ebenso der Entlassung des amtierenden CEOs Bobby Kotick.

----Update vom 30. März 2022:

Rechtsstreit beigelegt, Vergleich zugestimmt

Eine US-Bundesrichterin hat im Fall der EEOC-Klage gegen Activision Blizzard einem Vergleich zugestimmt. Das berichtet die Washington Post. Die Klage der sogenannten U.S. Equal Employment Opportunity Commission ist damit beigelegt, sollte keine Revision eingelegt werden.

Der Beschluss entspricht im Wesentlichen dem Entwurf vom September 2021 (via Axios) und sieht vor, dass Activision Blizzard eine Gesamtsumme von 18 Millionen US-Dollar in einen Fond für die Entschädigung von Opfern sexueller Belästigung, Benachteiligung von Schwangeren und Repressalien in diesem Zusammenhang einzahlen muss.

Zum Vergleich: Activision Blizzard erzielte 2021 einen Jahresumsatz von 8,8 Milliarden US-Dollar. Neben der Zahlung sind außerdem Ausbildungs-, Überwachungs- und Beratungsmaßnahmen durch unabhängige Parteien vorgesehen, berichtet Venturbeat.

  • So wird das Geld verwendet: Um Zahlungen aus dem EEOC-Topf zu erhalten, müssen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Unternehmens individuell Ansprüche geltend machen und entsprechende Forderungen einreichen. Aus einer Pressemitteilung von Activision geht hervor, dass nicht in Anspruch genommene Gelder aus dem Fond an Organisationen gehen, die Diversität und Inklusion an Arbeitsplätzen in der Videospielebranche fördern und über Geschlechterdiskriminierung aufklären.
  • Das sagt Activision: In einer Mitteilung von CEO Bobby Kotick heißt es zu der Gerichtsentscheidung, die Maßnahmen seien ein wichtiges Mittel für Angestellte, die Belästigungen oder Schikane erlebt hätten. Das erklärte Ziel sei es, »Activision Blizzard zum Vorzeigemodell der Branche zu machen« und Diskriminierung konsequent vom Arbeitsplatz zu verbannen, heißt es weiter.
  • So geht es jetzt weiter: Der Sexismus-Rechtsstreit rund um Activision Blizzard ist damit jedoch noch nicht zu Ende, denn es stehen weitere Klagen aus. So wird beispielsweise von der US-Behörde California Department of Fair Employment and Housing (DFEH) ermittelt, Verfahren von Aktionären und auch Privatpersonen sind ebenfalls anhängig. Beschäftigte, die durch den EEOC-Topf entschädigt werden, sind jedoch von anderen Gerichtsverfahren automatisch ausgeschlossen.

In unserem aktuellen Video diskutiert Maurice Weber mit Leya Jankowski, Chefredakteurin von MeinMMO, und Heiko Klinge, Chefredakteur von GameStar, über den Skandal und seine Folgen - und was er für uns alle bedeutet:

Wird der Blizzard-Schock endlich was ändern? 56:56 Wird der Blizzard-Schock endlich was ändern?

----Update vom 25. März 2022:

Gegen Activison Blizzard läuft nun eine weitere Klage. Das berichtet Bloomberg Law und beruft sich dabei auf die zuständige Anwältin. Demnach habe ihre Mandantin seit 2017 sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und schwere Diskriminierung von Vorgesetzten erlebt – die Rede ist dabei von unfreiwilligen Küssen und Einladungen zum Gruppensex durch Vorgesetzte.

Nach einer Beschwerde beim damaligen Blizzard-Präsident J. Allen Brack, hätten Führungskräfte dafür Repressalien gegen die Mitarbeiterin ergriffen und unter anderem eine Beförderung verhindert, heißt es weiter. Brack hatte nach seiner Übernahme von Mike Morhaime das Unternehmen im August 2021 verlassen.

Die Klageschrift wirft dem Unternehmen vor, Belästigung und Diskriminierung in insgesamt 700 Fällen zugelassen oder sogar gefördert zu haben. Man fordert Ermittlungen und die Aufarbeitung der Vorfälle durch eine komplett unabhängige Stelle oder Agentur.

Das neue Verfahren richtet sich nicht nur gegen Activison Blizzard, sondern auch gegen fünf namentlich genannte Mitarbeiter des Konzerns.

----Update vom 19. Januar 2022:

Einen Tag nach der angekündigten Übernahme von Activision-Blizzard durch Microsoft gibt es noch einige offene Fragen. Eine scheint gemäß eines Berichts des Wall Street Journal intern bereits beantwortet zu sein: CEO Bobby Kotick wird wohl nach der Finalisierung des Milliarden-Deals das Unternehmen verlassen. Gemäß der Quellen, die mit den Plänen zur Übernahme vertraut sein sollen, haben Microsoft und Activision diesbezüglich eine Übereinstimmung erzielt.

Das bedeutet, dass Kotick noch einige Monate lang als Activision-Chef arbeiten wird. Dies geht auch aus der offiziellen Pressemitteilung von Microsoft hervor, in der es aber noch keine genauen Worte bezüglich einer Trennung von Kotick gibt:

Bobby Kotick wird weiterhin als CEO von Activision-Blizzard tätig sein. Er und sein Team werden sich nach wie vor darauf konzentrieren, die Unternehmenskultur weiter zu stärken und das Geschäftswachstum zu beschleunigen. Sobald die Transaktion abgeschlossen ist, wird der Geschäftsbereich von Activision-Blizzard an Phil Spencer, CEO von Microsoft Gaming, berichten.

Microsoft Pressemitteilung

Die Fusion soll aller Voraussicht nach im Geschäftsjahr 2023, also spätestens bis zum Juni 2023, abgeschlossen werden. Ein Abgang Kotick wäre für den CEO finanziell zudem ein weiches Pflaster: Gemäß einer Vertragsklausel würde er bei einem Ausscheiden aus dem Unternehmen über 250 Millionen US-Dollar Entschädigung erhalten:

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----Update vom 18. Januar 2022:

In den vergangenen Monaten gab es intern bei Activision Blizzard wohl ein großes Stühlerücken. Das berichtet unter anderem das Wall Street Journal. So sollen seit Juli 2021 unternehmensweit 37 Personen gefeuert worden sein, die in Verbindung mit den Missbrauchs-Vorwürfen stehen. Gegen 44 Personen wurden disziplinarische Maßnahmen eingeleitet. Insgesamt sollen Beschäftigte mittlerweile mehr als 700 Fälle von Fehlverhalten und anderen Vorfällen gemeldet haben.

Es gab zwar Bestrebungen, die erwähnten disziplinarischen Maßnahmen noch vor dem branchenweiten Winter-Urlaub im vergangenen Jahr umzusetzen, doch CEO Bobby Kotick soll dies verhindert haben. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen habe er die Zurückhaltung der Maßnahmen damit begründet, dass dadurch die Arbeitsplatz-Probleme des Konzerns größer wirken würden, als bereits bekannt sei. Aber auch wirtschaftliche Folgen könnten hierbei eine Rolle gespielt haben. Ein Blick auf den Börsenkurs zeigt die Folgen der vergangenen 12 Monate: Im Vergleich zum Januar 2021 verlor die Aktie von Acitivision Blizzard stolze 30 Prozent an Wert.

Helaine Klasky, eine Sprecherin von Activision Blizzard, bestätigte die 37 Entlassungen, ebenso die 44 Disziplinar-Maßnahmen. Die kolportierten 700 Vorfälle seien jedoch nicht korrekt, ebenso wenig wie die Anweisung von Kotick, die Umsetzung zurückzuhalten. Unter den 700 Meldungen seien laut Klasky auch gutartige Vorschläge den Arbeitsplatz betreffend, und nur ein kleiner Teil davon seien potenziell ernsthafte Behauptungen. Man lege Wert auf akkurate Daten und Analysen, die man teilen könne.

----Update vom 19. November 2021:

Seit dem Bericht des Wall Street Journals spitzt sich die Lage rund um Activision Blizzard CEO Bobby Kotick weiter zu. Die neuesten Enthüllungen haben dazu geführt, dass sich die kritischen Stimmen nun auch aus der Industrie häufen. Eine neue Petition von Mitarbeitern des Konzerns fordert nun Koticks Rücktritt.

Die Petition der ABK Workers Alliance, ein im August 2021 gegründeter Zusammenschluss von Mitarbeitern des Konzerns, wurde mittlerweile bereits von über 1.200 Beschäftigten unterzeichnet. Das Besondere an dieser Petition: Sie ist nicht anonym, hier geben die Personen ihren Namen, ihre Position und auch das Activision-Blizzard-Studio an, für das sie arbeiten. Die Petition fordert den sofortigen Rücktritt von Bobby Kotick und kann öffentlich eingesehen werden.

Wie es soweit kommen konnte und was wir für Lehren aus dem Skandal ziehen sollten, beleuchten wir in einem ausführlichen Report mit Expertenstimmen:

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Der Unternehmensvorstand von Activision Blizzard teilte indes in einem eigenen Statement an die Investoren mit, dass man nach wie vor darauf vertraue, dass Bobby Kotick die Probleme an den Arbeitsstätten angemessen und zufriedenstellend beheben wird.

Doch auch aus anderen Ecken der Industrie mehren sich die kritischen Stimmen, darunter einige sehr prominente: Denn sowohl PlayStation-CEO Jim Ryan als auch Xbox-Chef Phil Spencer haben sich in internen E-Mails an ihre Belegschaft gerichtet und die Zustände bei Activision Blizzard angeprangert.

Laut dem Branchenmagazin Bloomberg schreibt Jim Ryan in seiner Mail, dass er aufrichtig schockiert über die jüngsten Berichte ist und Activision seiner Meinung nach nicht genug unternommen hat, um die tief verwurzelte Kultur von Diskriminierung und Belästigung zu beseitigen. Er habe Activision nach dem Artikel des WSJ sofort kontaktiert und nachgefragt, wie der Konzern plant, die genannten Missstände zu beheben.

Auch Phil Spencer findet deutliche Worte, so berichtet es der für Bloomberg tätige Journalist Jason Schreier. Der Xbox-Präsident schreibt an seine Belegschaft, dass er verstört und zutiefst mitgenommen durch die schrecklichen Ereignise und Vorkommnisse bei Activision Blizzard ist. Er kündigt an, dass man alle Aspekte unserer Geschäftsbeziehung mit dem Publisher prüfen werde.

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Frauen über Sexismus: Activision Blizzard ist nur die Spitze des Eisbergs   174     59

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----Update vom 17. November 2021:

Neue Vorwürfe gegen CEO Bobby Kotick: Er soll seit Jahren über Fälle von sexuellem Fehlverhaltens informiert gewesen sein

Laut eines am 16. November erschienenen Berichts des Wall Street Journals (WSJ) soll Activision Blizzard CEO Bobby Kotick bereits seit Jahren über Fälle von sexuellem Fehlverhalten informiert gewesen sein. Dabei bezieht sich das Wall Street Journal konkret auf eine Email aus dem Juli 2018.

In dieser wendet sich ein Anwalt einer ehemaligen Angestellten von Sledgehammer Games (CoD: World War 2, CoD: Advanced Warfare, CoD: Modern Warfare 3) an den Chef von Activision Blizzard, da Vergewaltigungsvorwürfe der ehemaligen Mitarbeiterin gegen ihren Vorgesetzten auch nach Meldung an die Personalabteilung sowie an weitere Führungskräfte von Sledgehammer Games unbeantwortet blieben. Einen Fall von Vergewaltigung meldete sie laut des WSJ auch der Polizei. Ihr Anwalt drohte nach Ausbleiben einer Reaktion mit einer Klage gegen das Unternehmen, woraufhin Activision Blizzard eine außergerichtliche Einigung mit der ehemaligen Mitarbeiterin erzielte.

Laut dem WSJ informierte Bobby Kotick trotz der Mail nicht den Vorstand über den Vorfall. Konkret steht im Artikel:

Herr Kotick informierte den Vorstand des Unternehmens nicht über die angeblichen Vergewaltigungen oder den Vergleich, sagten Personen, die mit dem Vorstand vertraut sind.

The Wall Street Journal

Dieser Fall von 2018 ist deswegen so wichtig, weil Bobby Kotick laut dem WSJ in den letzten Monaten mehrfach gegenüber dem Vorstand und anderen Führungskräften betont habe, von vielen Vorwürfen nichts gewusst zu haben. Ander habe er herunter gespielt. Als Quelle nennt das Wall Street Journal anonyme Aussagen von Personen, die sowohl mit den Vorfällen als auch deren interner Dokumentation vertraut seien.

Bei diese internen Dokumenten handele es sich um Memos, Emails, behördliche Anfragen und Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern oder firmennahen Personen. Und diese würden beweisen, dass Bobby Kotick wohl über mehr Fälle informiert gewesen sei, als er einerseits zugäbe und andererseits dem Vorstand meldete. Der oben genannte Fall scheint demnach nur ein Beispiel von vielen zu sein.

Activision Blizzard nennt WSJ-Bericht irreführend

Kurz darauf meldet sich auch Activision Blizzard mit einem Statement zu Wort, dass wir euch hier auf Deutsch übersetzt haben:

Wir sind enttäuscht über den Bericht des Wall Street Journal, der ein irreführendes Bild von Activision Blizzard und unserem CEO zeichnet. Auf Fälle von sexuellem Fehlverhalten, die ihm zur Kenntnis gebracht wurden, wurde reagiert. Das WSJ ignoriert wichtige Änderungen, die im Gange sind, um Activision Blizzard zum einladendsten und integrativsten Arbeitsplatz der Branche zu machen. Es berücksichtigt weiterhin nicht die Bemühungen von Tausenden von Mitarbeitern, die jeden Tag hart daran arbeiten, ihren - und unseren - Werten gerecht zu werden.

Der ständige Wunsch, besser zu werden, hat dieses Unternehmen immer ausgezeichnet. Aus diesem Grund haben wir unter der Leitung von Herrn Kotick erhebliche Verbesserungen vorgenommen, einschließlich einer Null-Toleranz-Politik für unangemessenes Verhalten. Es ist der Grund, warum wir mit unerschütterlichem Fokus, Tempo und Ressourcen vorwärts gehen, um die Vielfalt in unserem Unternehmen und in der Branche weiter zu erhöhen und sicherzustellen, dass jeder Mitarbeiter mit dem Gefühl zur Arbeit kommt, geschätzt, sicher, respektiert und inspiriert zu sein. Wir werden nicht aufhören, bis wir den besten Arbeitsplatz für unser Team haben.

via seekingalpha.com

Mitarbeiter fordern Rücktritt von Kotick als CEO

Als Reaktion auf das offizielle Statement von Activision Blizzard riefen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am 16. November erneut zur Arbeitsniederlegung auf. Die ABK Workers Alliance fordert zudem seit den neuen Enthüllungen den Rücktritt Bobby Koticks als CEO von Activision Blizzard.

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Neue Vorwürfe der kurzzeitigen Blizzard-Chefin Jennifer Oneal

Im August 2021 wurde die langjährige Mitarbeiterin Jennifer Oneal gemeinsam mit Mike Ybarra zur Co-Chefin des von Blizzard ernannt, nachdem J. Allen Brack aufgrund der weiter unten genannten Vorwürfe von seinem Posten als Blizzard-Studioleiter zurücktrat. Laut dem Bericht des Wall Street Journals schickte sie nur einen Monat nach der Ernennung eine Email an die hauseigene Rechtsabteilung, in der sie mangelndes Vertrauen in die Führung und deren Kompetenz zur Änderungen der Arbeitskultur beklagte.

Darüber hinaus wollte sie bereits zu diesem Zeitpunkt ihre Kündigung verhandeln, da auch sie laut eigenen Angaben sexuell belästigt, ausgegrenzt und diskriminiert wurde. Sie beschreibt außerdem eine Firmenfeier von 2007, die sie und Bobby Kotick besuchten. Auf dieser sollen laut Oneal und einer anderen nicht näher genannten Quelle des WSJ spärlich bekleidete Frauen an Stripperstangen getanzt haben, während der DJ die weiblichen Mitarbeiterinnen dazu aufforderte, mehr Alkohol zu trinken, damit sich die Männer besser amüsieren.

Laut des Wall Street Journal können sich Bobby Kotick als auch Pressesprecherin Helaine Klasky nicht daran erinnern, an so einer Feier teilgenommen zu haben. Am 2. November verkündete Jennifer Oneal offiziell ihre Kündigung zum Jahresende.

Bobby Kotick äußert sich zu den Vorwürfen

Am 16. November 2021 äußerte sich Bobby Kotick bereits selbst zu den Vorwürfen. In einer Videobotschaft an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Activision Blizzard bekräftigt er sein Vorhaben, Activision Blizzard zum einladensten und integrativsten Arbeitsplatz zu machen.

Auch er beschreibt den Artikel des Wall Street Journal als falsches und irreführendes Bild der Firma, seiner Person und seines Führungsstils und wirft jedem, der an seinen Überzeugungen zweifelt vor, Unverständnis gegenüber seiner Entschlossenheit vor. Das gesamte Statement könnt ihr im Transkript der Videobotschaft nachlesen.

----Update vom 20. Oktober 2021:

Über 20 Blizzard-Mitarbeiter im Zuge der Belästigungsklage entlassen

Im Zuge der Sexismus-Kontroverse und Belästigungsklage um Activision Blizzard wurden nun mehr als 20 Mitarbeiter entlassen und 20 weitere diszipliniert. Das geht aus einem Bericht der Financial Times hervor, der unter anderem einen Brief an die Angestellten von Activision Blizzard zitiert - wie Kotaku und TheGuardian berichten.

In dem Brief an die Belegschaft von Activision Blizzard wird außerdem beteuert, dass man das Thema mit erneuerter Dringlichkeit behandeln würde, um sich das Vertrauen des Teams zu sichern, bei derartigen Angelegenheiten gehört zu werden. Die hauseigene Abteilung zuständig für ethics und compliance wird zusätzlich ausgebaut, um einen verantwortungsvollen Arbeitsplatz zu schaffen.

Welche Mitarbeiter genau entlassen wurden, ist nicht bekannt. Activision Blizzard verweigerte gegenüber der Financial Times die Namen der betroffenen Angestellten zu veröffentlichen. Es ist lediglich bekannt, dass keine Mitglieder der Geschäftsleitung oder des Firmenvorstands von den Maßnahmen betroffen seien.

----Update vom 28. September 2021:

Blizzard zahlt 18 Millionen Dollar um Belästigungsklage beizulegen

Activision Blizzard wird 18 Millionen US-Dollar zahlen, um die Belästigungsklage der amerikanischen Regierungsbehörde Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) beizulegen. Das geht aus einer offiziellen Pressemitteilung des Unternehmens hervor. Die Klage der EEOC wurde am Montag, dem 27. September 2021 eingereicht, am Nachmittag folgte bereits die Einigung auf den Millionenbetrag.

Mit den 18 Millionen US-Dollar wird ein Fond angelegt, aus dem von Belästigung oder Diskriminierung betroffene Angestellte entschädigt werden sollen. Jeglicher Betrag, der übrig bleibt, soll dann unter Gruppierungen aufgeteilt werden, die sich in der Videospielindustrie für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung einsetzen.

Außerdem verspricht Activision Blizzard »die eigenen Arbeitsplatzrichtlinien zu überarbeiten« und einen externen Berater für Gleichberechtigung einzusetzen, der sowohl an die Führungsriege von Activision Blizzard als auch die EEOC berichtet.

Die Belästigungsklage der EEOC, die im Zuge einer dreijährigen Untersuchung getroffen wurde, ist nur eine von mehreren Klagen gegen Activision Blizzard. Mehr zu allen weiteren aktuellen Entwicklungen könnt ihr in unseren vorangegangenen Updates dieser Meldungen nachlesen.

----Update vom 21. September 2021:

Weitere Behörde ermittelt, Leiterin der Rechtsabteilung verlässt Activison Blizzard

Laut einem Bericht der New York Times schaltet sich mit der SEC nun auch die US-Wertpapier- und -Börsenaufsicht in die Ermittlungen gegen Activision Blizzard ein. Die Behörde möchte prüfen, wie der Publisher in der Vergangenheit mit den zahlreichen Vorwürfen der Beschäftigten umgegangen ist.

Mehrere Mitglieder der oberen Führungsriege, einschließlich CEO Bobby Kotick, wurden von der SEC vorgeladen. Außerdem hat die Aufsichtsbehörde einen ganzen Schwung an Unterlagen von dem Konzern angefordert. Dazu sollen unter anderem alle Protokolle der Aufsichtsratssitzungen seit 2019, mehrere Personalakten, sowie Trennungsvereinbarungen zwischen dem Konzern und ehemaligen Beschäftigten gehören.

Durch diese weitere Überprüfung wird der Druck auf den Publisher erhöht, einen Wandel der Unternehmenskultur herbeizuführen. Activision Blizzard selbst betont, dass man mit der SEC kooperieren werde.

Auch personell gibt es Neuigkeiten: Die bisherige Leiterin der Rechtsabteilung, Claire Hart, hat das Unternehmen nach drei Jahren verlassen und möchte sich nach einer kurzen Pause neuen Herausforderungen widmen. Ob ihr Weggang mit den Entwicklungen der vergangenen Monate in Zusammenhang steht, wird in ihrem Statement auf Linkedin nicht erwähnt.

----Update vom 27. August 2021:

Blizzard Entertainment entschied sich für eine Umbenennung des Overwatch-Helden McCree, der nach dem ehemaligen Game Designer Jesse McCree benannt ist. Nachdem dieser im Zuge der Klage wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung das Studio verlassen musste, ist der Name laut Blizzard nicht mehr passend für den Charakter.

Wir glauben, dass es notwendig ist, den Namen des derzeit als McCree bekannten Helden zu ändern, in etwas das besser repräsentiert, wofür Overwatch steht.

Der Namenswechsel soll Teil der Storyline von Overwatch sein. Die für September geplante Storyline um McCree soll demnach verschoben werden, stattdessen findet im September eine neue Map ihren Weg in den Hero Shooter. Des weiteren erklärt Blizzard, dass sie künftig keine Charaktere mehr nach Mitarbeitern benennen und vorsichtiger mit Referenzen aus ihrem realen Umfeld umgehen möchten.

----Update vom 25. August 2021:

Es gibt neue Entwicklungen bezüglich des Sexismus- und Diskriminierungs-Skandals, der Activision Blizzard betrifft. Wie Axois berichtet, wurde die Klage der kalifornischen Behörde DFEH (Department of Fair Employment and Housing) gegen den Videospielentwickler und -Publisher ausgeweitet.

Neue Anschuldigungen der DFEH: Demnach wird Activision Blizzard beschuldigt, illegal »Beweise zurückgehalten und unterschlagen« sowie wichtige Dokumente vernichtet zu haben, die für die Untersuchung angefordert wurden, was eine aktive Behinderung der Ermittlungen darstellen würde.

Ebenso wirft die DFEH Activision Blizzard vor, dass Mitarbeiter aktiv daran gehindert wurden, Probleme beispielsweise bei Behörden zu melden. Grundlage dafür seien Verschwiegenheitserklärungen, die Angestellten aufzwangen, vorerst nur intern mit der Personalabteilung nach Lösungen zu suchen. Richtige Konsequenzen hätte es dadurch so gut wie nie gegeben.

Zusätzlich hätte die DFEH keinen Zugang zu den Unterlagen von WilmerHale bekommen - der Kanzlei, die Activision Blizzard intern zur Untersuchung der Vorwürfe beauftragt hatte.

Befristete Angestellte jetzt auch involviert: Die Ausweitung des Gerichtsverfahren beinhaltet außerdem, dass nicht länger nur die dauerhaften Mitarbeiter von Activision Blizzard einbezogen werden. Zeitlich befristete Angestellte, die beispielsweise nur für bestimmte Projekte oder unter kurzzeitigen Verträge für Activision Blizzard arbeiteten, sind jetzt ebenfalls Teil der Klage.

Activision Blizzard widerspricht Vorwürfen: Mittlerweile hat sich Activision Blizzard gegenüber Kotaku oder IGN zu den neuen Vorwürfen geäußert und streitet einige davon ab. So sei man »allen Anfragen« der DFEH nachgekommen und hätte bereits während der laufenden Ermittlungen Konsequenzen gezogen.

Unter anderem ist davon die Rede, dass hochrangige Führungspersonen ausgetauscht wurden, die Personalabteilung »erweitertes und verbessertes Training bezüglich der Untersuchung« erhalten habe und Null-Toleranz-Regeln gegenüber Belästigung oder sonstiger Diskriminierung eingeführt worden seien.

----Update vom 12. August 2021:

Diablo 4 Game Director Luis Barriga, Lead Designer Jesse McCree und World of Warcraft Designer Jonathan LeCraft verlassen das Entwicklerstudio Blizzard. Ob dies auf freiwilliger Basis geschieht, ist nicht bekannt. Blizzard schreibt gegenüber Kotaku lediglich, dass die drei Entwickler »nicht mehr im Unternehmen sind«. Zwei nicht näher genannten Quellen von Kotaku vermuten aber, dass die Entwickler im Zuge des Sexismus-Skandals und der Klage entlassen wurden.

Jesse McCree arbeitete bei Blizzard als Lead Designer an Diablo 4 und war seit 2005 im Unternehmen beschäftigt. Er taucht neben verschiedenen anderen Blizzard-Entwicklern auf dem Foto in der sogenannten »Cosby Suite« auf. Auch in verschiedenen Chatnachrichten über die Suite ist sein Name zu finden.

Jonnathan LeCraft ist ebenfalls auf dem Bild in der »Cosby Suite« zu sehen. Er arbeitete seit 2005 für Blizzard and World of Warcraft - zuletzt als Senior Game Designer. Luis Barriga ist weder auf dem Foto, noch in auf den Screenshots des Chatverlaufs zu sehen. Er arbeitet seit 2006 für Blizzard und war an World of Warcraft-Erweiterungen sowie den Diablo-Spielen beteiligt und zuletzt als Game Director für Diablo 4 zuständig.

Was heißt der Weggang für die Entwicklung von Diablo 4? Das lässt sich noch schwer abschätzen. Der Wegfall von zwei Führungspositionen könnte die Arbeiten an Diablo 4 verzögern. Bisher gibt es noch kein offizielles Release-Datum für das Action-Rollenspiel. Blizzard schrieb diesbezüglich in seiner Mail an Kotaku:

Wir verfügen bereits über einen umfangreichen Pool an talentierten Entwicklern und haben die Führungspositionen wo erforderlich nachbesetzt. Wir vertrauen in unsere Fähigkeiten weiterzumachen, unseren Spielern fantastische Erfahrungen zu bieten und uns weiterzuentwickeln, um ein produktives und sicheres Arbeitsumfeld für alle zu schaffen.

----Update vom 5. August 2021:

Beschäftigte aus zahlreichen Studios von Activision Blizzard - unter anderem Beenox, Blizzard, Infinity Ward, Sledgehammer Games und Raven Software - haben sich unter der Bezeichnung »ABK Workers Alliance« zusammengeschlossen. Gemeinsam wurde ein langer Brief verfasst, der sich an CEO Bobby Kotick und die restliche Führungsriege des Konzerns richtet. Der Brief wurde von IGN in voller Länge veröffentlicht.

Ein kurzer Rückblick: Als Reaktion auf einen ersten Brief der Beschäftigten hatte Kotick eingestanden, dass man als Unternehmen anfangs nicht die richtige Reaktion gezeigt habe. Die Kanzlei WilmerHale werde nun damit beauftragt, als außenstehende Partei neue Unternehmensrichtlinien im Hinblick auf die im Raum stehenden Vorwürfe und bessere Arbeitsbedingungen zu erarbeiten.

Doch genau diese Entscheidung ist nun Stein des Anstoßes für einen zweiten Brief an die Konzernspitze. Denn wie die ABK Workers Alliance betont, lehne man die Wahl der Kanzlei WilmerHale und deren Chefin Stephanie Avakian ausdrücklich ab. Die Kanzlei stehe aufgrund einer früheren Zusammenarbeit der Führungsriege von Activision Blizzard zu nahe. Zudem habe Stephanie Avakian eine unrühmliche Historie, wenn es darum gehe, »die Reichen und Mächtigen zu beschützen«.

Die Verfasser des Briefes legen dar, dass man auf eigene Initiative bereits tue was nötig sei, um ihren Arbeitsplatz zu verbessern. Dazu zählen unter anderem Mentorenprogramme unter den Mitarbeitern, offene Gesprächsrunden und Gruppentreffen. Nun sei es an der Zeit, dass auch die Führungsriege endlich ihren Teil dazu beitrage.

----Update vom 30. Juli 2021: Ubisoft CEO Yves Guillemot hat auf den offenen Brief reagiert.

----Update vom 29. Juli 2021:

Ein aktueller Bericht von Kotaku beleuchtet die in der Klage erwähnte »Cosby Suite« genauer. Führende Entwickler haben sich dort zur Blizzcon 2013 getroffen - offenbar um die toxische Boys-Club-Kultur im Unternehmen zu feiern, von der viele laut ihrer Statements angeblich nichts wussten.

Außerdem bestätigt Blizzard, dass ein führender WoW-Entwickler bereits letztes Jahr aufgrund der schweren Vorwürfe gegen ihn gefeuert wurde und Ubisoft-Mitarbeiter zeigen sich solidarisch gegenüber der Blizzard-Bewegung. Sie fordern langfristige Änderungen in der Spielebranche.

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