Der Krieg hat kein Gesicht
Dunkirk ist mehr Katastrophenfilm als Kriegsfilm. Die Bedrohung durch den Feind gleicht einer Naturgewalt, die kein Gesicht hat, weil dieses Gesicht für die Überlebenden auch überhaupt keine Rolle spielt. Der Film thematisiert keine Ursachen für das, was im Zweiten Weltkrieg gerade passiert.
Wir Zuschauer sehen nur die Kugeln, die auf die geschlagenen Soldaten abgefeuert werden, und nicht die Schützen dahinter. Ein extrem gelungener Regie-Kniff, denn das macht das Grauen des Krieges genauso ungreifbar, chaotisch und unkontrollierbar, wie es sich angefühlt haben muss.
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Dunkirk - Trailer mit Tom Hardy in Christopher Nolans Kriegsfilm
Damit diese eineinhalbstündige Kriegskatastrophe die Zuschauer aber nicht komplett in den emotionalen Abgrund reißt, arbeitet Dunkirk mit drei verschiedenen Erzählsträngen, die regelmäßige Szenenwechsel erlauben.
Drei Handlungen, ein Drama
Strang 1: Zwei überlebende Soldaten, die am Strand von Dünkirchen inmitten unzähliger anderer Briten und Franzosen irgendwie über den Kanal gelangen wollen. Strang 2: Kampfpilot Farrier (gespielt von Tom Hardy), der hoch über den Wolken seinen Kameraden die Bomber vom Hals hält. Strang 3: Ein Zivilboot, das sich in England aufmacht, die Männer jenseits des Ärmelkanals zu retten.
Jetzt kann man natürlich einwerfen: Moment mal, nimmt das Zivilboot in England nicht doch den Druck aus dem Geschehen? Und ja, die Wechsel zwischen Boot, Strand und Luft entlasten den Film ausreichend, damit man als Zuschauer nicht irgendwann nur noch die Haare rauft. Allerdings fühlt man sich (anders als bei Gimli inmitten von Helms Klam) in keiner Filmsekunde behaglich. Selbst in ruhigen Momenten entspannt man als Zuschauer nicht.
Das merkt man an Tom Hardys Figur Farrier, der zwar in der Luft aus dem Geschehen herauszoomt, aber frustriert feststellen muss, dass er den Männern am Boden bestenfalls zusätzliche Zeit verschaffen kann.
Gerade im Wechsel zwischen dem grausamen Überlebenskampf am Boden und der nüchternen Draufsicht über den Wolken entfaltet sich die Verzweiflung der Situation. Dunkirk ist eine Tragödie, bei der am Ende (gemäß der historischen Vorlage) zwar eine Rettung erfolgt, aber Sie werden sich als Zuschauer danach nicht gut fühlen.
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