Early Access ist ein Segen für Entwickler, aber zu oft ein Fluch für uns Spieler

Der Early Access auf Steam oder GOG bringt Perlen wie Baldur’s Gate 3 hervor, hat aber auch Betrug, Faulheit und Marketing-Populismus Tür und Tor geöffnet.

Der Early Access ist eine gute Sachen, doch allzu viele Spiele versauern darin. Der Early Access ist eine gute Sachen, doch allzu viele Spiele versauern darin.

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Es ist kein neuer Trend, aber ein zunehmend lästiger: Immer mehr der Spiele, die für mich interessant sind, starten dieser Tage im Early Access. Gegen das Modell habe ich per se nichts, ich halte es sogar für richtig und wichtig. Manche Projekte lassen sich eben nur auf diese Weise beginnen oder werden dadurch erst zu wahren Meisterwerken.

Zu oft aber ist der Early Access ein Fluch für uns Spieler. Nicht nur, weil viele Titel ohne den Zeitdruck eines konkreten Release-Termins im Entwicklungssumpf versinken, sondern auch, weil wir dadurch mehr unausgegorene Spiele bekommen und öfter übers Ohr gehauen werden.

Reiner Hauser
Reiner Hauser

Reiner testet für die GameStar viele Spieler kleiner Teams, einfach weil seine Leib- und Magen-Genres nicht mehr allzu viele Großprojekte hervorbringen. Da solche Entwicklungen gerne erstmal in den Early Access starten, wird er entsprechend oft mit unfertigen Spielen konfrontiert und muss dann zwischen Bugs und Versprechen das potenzielle Endprodukt abschätzen. Keine immer ganz leichte Aufgabe.

Da ich schon länger den Drang verspürt habe, das Thema mal ein wenig genauer zu beleuchten, habe ich jetzt mal meine Spielebibliothek durchforstet und meine Beobachtungen zusammengetragen. Das Vorab-Fazit: Hier liegt einiges im Argen.

Wir verdanken dem Early Access viel

Um das klarzumachen, ich lehne Early Access nicht ab. Seht euch nur an, welche fantastischen Spiele über die Jahre daraus hervorgegangen sind:

  • Larian konnte sich mit diesem Modell die Zeit nehmen, sein Meisterwerk Baldur’s Gate 3 Akt für Akt auszubauen.
  • Rimworld hat sein Gameplay über Jahre hinweg im Early Access verfeinert und ist heute der wohl beste Vertreter seines Genres.
  • Mein persönlicher Liebling des letzten Jahres, Tainted Grail: The Fall of Avalon nutzte die Frühphase, um mit dem Feedback der Fans sogar zentrale Bausteine des Spiels nochmal umzubauen.
  • Titan Quest 2 konnte mit einem starken Start die Skeptiker davon überzeugen, dass auch reine Singleplayer-Spiele in diesem Segment noch wunderbar funktionieren können.
  • Solo-Entwickler-Projekte wie Songs of Syx bekommen auf diese Weise die Chance, eine große Vision umzusetzen.
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