Es fällt mir schwer, all das auszuklammern, was Elden Ring: Nightreign nicht ist. Und so ging es auch vielen Spielerinnen und Spielern da draußen: Direkt zum Launch kesselten die Steam Reviews in den Keller, Nightreign dümpelte im gelben, ausgeglichenen Bereich als das am schlechtesten bewertete FromSoftware-Spiel überhaupt.
Was ich wollte: Ein Hunt: Showdown im Souls-Universum. Gemeinsam mit zwei anderen Bekannten die mörderische Welt von Elden Ring erkunden und permanent abwägen, ob wir diesen einen nächsten Hotspot auf der Karte wirklich noch angreifen wollen – immer mit dem Risiko, dass meine Truppe stirbt und wir alle Beute verlieren, statt erfolgreich zu exfiltrieren.
Was ich bekam: Ein PvE-Warzone. Permanenter Zeitdruck, weil sich der tödliche Regen sich mit überdrehter Geschwindigkeit um uns herum ausbreitet, rigoroses Min-Maxen von Ausrüstungswerten, Erfahrungspunkten und Co., um überhaupt irgendeine Chance gegen die knallharten Bosse am Ende eines Runs zu haben.
Meinen allerersten Run während des Tests zu Elden Ring: Nightreign quittierte ich mit den Worten: Das ist ja fürchterlich.
Ich habe Nightreign danach deinstalliert und wollte nie zurückkehren.
Doch dann kam das Internet.
Ich erspähe Dutzende YouTuber, aber auch reguläre Spielerinnen und Spieler, die in Nightreign die Zeit ihres Lebens haben. Gut
, denke ich mir, das sind halt Hardcore-Profis, die schon im normalen Elden Ring alles wegklatschen.
Aber dann steigt plötzlich ein Kumpel aus meiner Marvel-Rivals-Runde in Nightreign ein, hat ebenfalls jede Menge Spaß, obwohl er das Hauptspiel noch nie gespielt hat.
Wie kann das sein?! Mein Interesse ist geweckt, ich schnappe mir Kollegin Natalie und meinen besten Freund, stürze mich erneut in den tödlichen Regen. Und siehe da: Nachdem ich drei Lektionen verinnerlicht habe, kommt endlich der Spaß.
Lektion 1: Nimm Nightreign als das, was es ist
Bruce Lee hätte jetzt sicher irgendeine weise Metapher mit Tassen und Wasser parat, aber ich drücke es stumpfer aus: Ich musste lernen, mich Nightreign anzupassen. Es als das zu nehmen, was es ist. Ich will jeden Ort der Map minutiös erkunden? In die Tonne mit der Idee. Ich will die Welt auf mich wirken lassen und nach spannenden Geschichten suchen? In die Tonne mit der Idee. Ich will nach meinem eigenen Tempo spielen ... ihr ahnt, wo die Reise hingeht: in die Tonne.
10:28
Elden Ring Nightreign im Test: Regen mit Aussicht auf Besserung
Stattdessen krame ich mein altes Warzone-Mindset aus Pandemie-Zeiten raus und passe mich dem hektischen Rhythmus an. Was muss ich tun, um einen Run zu gewinnen?
- Nach dem Start ein paar Billo-Monster erledigen. Aufleveln.
- Eine Kirche suchen. Heilflaschen auffüllen.
- Auf der Map nach den richtigen Hotspots suchen, um Waffen zu finden, auf die der Endboss allergisch reagiert.
Und so weiter und so fort. Es wirkt wie ein krasser Bruch mit meiner eigenen Intuition, ein FromSoftware-Spiel so ... mechanisch anzugehen, aber hier liegt eben der größte Unterschied zum eigentlichen Elden Ring: Ich erkunde nicht wirklich einen Ort auf der Karte, sondern grase ihn ab.
Lektion 2: Finde dein eigenes Tempo
Wer die Regeln beherrscht, darf sie auch brechen. Oder in meinem Fall: anpassen. Weil Nightreign so eine mechanische Min-Max-Erfahrung ist, spielen viele Leute das Ding wie japanische maimai-Profis:
Link zum YouTube-Inhalt
Das ist mir zu krass. Und zum Glück geht es meinen Mitspielern genauso: Ja, wir lassen uns auf das hektische Tempo von Nightreign ein, aber mit einem eigenen Rhythmus. Wir min-maxen die Erfahrung nicht ab Stunde Null, als hätten wir noch die Reflexe von 18-jährigen, sondern nehmen uns zumindest kurz Zeit, jede neue Herausforderung für uns einzusortieren. Und wenn wir dadurch ein paar Runs mehr verlieren als andere Leute ... wen schert's?
Das klingt vielleicht wie ein banaler Allgemeinplatz, aber meinen eigenen Rhythmus zu finden, war der mit Abstand wichtigste Schlüssel, um Nightreign für mich zu knacken. Mit zufälligen Mitspielern aus dem Internet ist mir die Erfahrung trotz Souls-Erfahrung oft zu krass. Ich werde dann zwar mitgezogen und wir legen am Ende den Boss, aber wirklich Spaß macht das nicht, wenn ich nur die Hälfte des Geschehens begreife.
Deshalb mein Tipp: Sucht euch, wenn möglich Leute, die so ticken wie ihr. Gerade bei anspruchsvollen Spielen haben wir alle unsere ganz persönliche goldene Mitte zwischen Es ist nur ein Spiel
und Ich schwitze, bis ich vom Stuhl rutsche
. Musste ich auch bei Marvel Rivals lernen.
Lektion 3: Prepare To Die
Ebenfalls durch Marvel Rivals musste ich (erneut) erfahren, wie sehr sich manche Leute über Niederlagen aufregen. Doch Rivals, Nightreign und übrigens auch Fighting Games haben alle gemein: Ein hochroter Kopf bringt dir gar nichts. Ja, Niederlagen tun weh, aber am Ende brauchst du Stunden auf der Uhr, Erfahrungen und stumpfes Muskelgedächtnis, um in diesen Spielen zu gewinnen.
Mit genau diesem Mindset gehen wir an Elden Ring heran: Es soll klappen, aber es muss nicht. Fehler passieren, Leute sterben, Schmiedesteine werden versehentlich nicht aufgehoben, das gehört eben dazu. Von vorneherein nehmen wir uns vor, einen kühlen Kopf zu bewahren und in erster Linie die gemeinsame Koop-Zeit zu genießen, statt alle Nightlords beim ersten Versuch zerklatschen zu müssen.
Seit ich Sekiro, Bloodborne und Dark Souls beruflich testen und innerhalb kürzester Zeit ohne irgendwelche Guides durchspielen musste, weiß ich es viel mehr zu schätzen, wenn ich FromSoft-Spiele ganz ohne Druck angehen kann. Umso wichtiger, dass ich ihn mir selbst nicht mache.
So, da habt ihr's, das war mein Weg zu mehr Spaß mit Nightreign: Schnappt euch die richtigen Leute, findet einen Rhythmus, der zu euch passt, nehmt Nightreign als das, was es ist, und versteift auf nicht auf schnelle Erfolge. Was sind eure Tipps?
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