ESRB - US-Jugendschutz führt Mikrotransaktions-Symbol für Packungen ein

Das ESRB in den USA ist vergleichbar mit der USK in Deutschland. Künftig weist es auf Packungen neben der Altersempfehlung auch auf Ingame-Transaktionen hin.

von Sebastian Zelada,
28.02.2018 11:27 Uhr

Diese bekannten ESRB-Symbole werden künftig um Hinweise ergänzt, die auf Käufe im Spiel aufmerksam machen.Diese bekannten ESRB-Symbole werden künftig um Hinweise ergänzt, die auf Käufe im Spiel aufmerksam machen.

Das amerikanische Entertainment Software Rating Board (ESRB), vergleichbar mit der USK in Deutschland, wird künftig nicht mehr nur Altersempfehlungen abgeben. Auf Verpackungen von Spielen weisen Symbole demnächst auch auf Ingame-Käufe aller Art hin, sollte das Spiel den Nutzern irgendeine Möglichkeit bieten, um mit Echtgeld Inhalte zu kaufen.

Auch ein neues Informationsvideo auf YouTube hat das ESRB dazu veröffentlicht. Es unterrichtet Eltern über die Hinweise auf der Packung und empfiehlt, sich auch die Zeit mit den Kindern zu nehmen, um gemeinsam mit ihnen die Spiele zu spielen.

Die neuen Verweise auf Transaktionen in Spielen werden laut ESRB auf alle Spiele angewandt, welche Ingame-Güter und Premium-Inhalte gegen echtes Geld zum Verkauf anbieten. In einer Pressemitteilung formuliert die Kontrollbehörde den Umfang der Maßnahmen wie folgt:

"Inklusive, aber nicht beschränkt auf, Bonus Levels, Skins, Überraschungsinhalte wie Item-Packs, Lootboxen und Mystery Awards, Musik, virtuelle Währungen und andere Formen von Ingame-Währungen, Abos, Seasonpässe und Upgrades (beispielsweise um Werbung zu entfernen)."

Das Label soll gut sichtbar neben den Altersempfehlungen auf den Spieleverpackungen platziert werden.

Zusätzlich hat das ESRB eine Kampagne gestartet, um bei Erziehungsberechtigten das Bewusstsein für die Gefahren von Mikrotransaktionen und Co. zu wecken und über Kontrollfunktionen zu unterrichten, welche Konsolen, PCs und Smartphones bieten.

Lootboxen sind "unterhaltsam"

In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich viel getan. Vor etwa drei Monaten begann mit der Lootbox-Kontroverse in Star Wars Battlefront 2 eine große öffentliche Diskussion, wie weit Publisher bei Mikrotransaktionen gehen dürfen und ob Lootboxen mit Glücksspiel gleichzusetzen sind. Seitdem haben die zuständigen Behörden verschiedener Länder Untersuchungen und Arbeitsgruppen beauftragt, sich der Thematik anzunehmen.

Battlefront 2 Lootboxen - Video-Talk: Welchen Plan verfolgt EA? 10:23 Battlefront 2 Lootboxen - Video-Talk: Welchen Plan verfolgt EA?

Auch wir beschäftigten uns ausführlich mit dem Thema und ließen unter anderem einen Anwalt zu Wort kommen, der erklärte warum Lootboxen aktuell in Deutschland nicht als Glücksspiel gelten.

Auch das ESRB kam zu dem Schluss, dass Lootboxen im Speziellen kein Glücksspiel darstellen. Patricia Vance, die Präsidentin des ESRB, formulierte es so:

"Wir denken nicht [dass es der Definition von Glücksspiel gerecht wird]. Wir sehen es als unterhaltsamen Weg, um virtuelle Items zu erhalten, welche die Nutzererfahrung erweitern. Es gibt zweifellos ein Überraschungselement, wie mit Baseball-Karten. Aber man erhält immer etwas. Man kann sich kein Geld auszahlen lassen und man kann die Spiele komplettieren, ohne eine Lootbox kaufen zu müssen. Es gibt also eine Menge Faktoren, die dazu führen, dass wir nicht denken, dass die Definition Glücksspiel zutrifft."

Und weiter:

"Es ist uns wichtig Lootboxen nicht per se schlechtzureden. Wenn wir den Eltern erklären, was eine Lootbox ist, dann sehen wir, dass ihre größte Sorge ist, dass ihr Kind Geld ausgibt. Die Initiative, die wir starten, konzentriert sich darauf. Wir denken, dass es speziell hinsichtlich der Lootboxen ein effektiver Ansatz ist."

Publisher dürfen ihre Drop-Rates geheim halten

Nichtsdestotrotz werden nun Maßnahmen ergriffen, um leichtfertigem Umgang mit der Thematik Mikrotransaktionen, Lootboxen und generell Zahlungen in Spielen vorzubeugen. Dabei ist klar festzuhalten, dass das neue System nicht zwischen Mikrotransaktionen oder dem Kauf von beispielsweise großen Erweiterungen unterscheidet.

Der Hinweis auf Ingame-Transaktionen erscheint künftig sowohl auf Spielen mit kostenpflichtigen Lootboxen, als auch auf Titeln, die gar keine Mikrotransaktionen anbieten und lediglich DLC offerieren.

Hinsichtlich Loot und Drop-Rates von Items und Crates vertritt das ESRB übrigens die Meinung, dass die Entwickler freiwillig die Wahrscheinlichkeiten veröffentlichen können, mit denen besondere Gegenstände in Spielen erscheinen. China beispielsweise hat inzwischen ein Gesetz eingeführt, welches Publisher dazu verpflichtet die Wahrscheinlichkeiten offenzulegen.

Dass uns das Thema ebenfalls sehr wichtig ist, habt ihr sicherlich bereits lesen können. Unter anderem fragten wir euch, ob wir Spiele für Lootboxen abwerten sollten und wollten von euch wissen, wie ihr das Lootboxen-System in Overwatch findet. Dabei erkannten wir, dass die GameStar-Community 2017 deutlich negativer gegenüber dem System eingestellt ist, als noch 2016.

Deutsche Entwickler über Lootboxen - »Die Spieler sind selbst dran Schuld.« PLUS 23:05 Deutsche Entwickler über Lootboxen - »Die Spieler sind selbst dran Schuld.«


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