Entwickler versaut Bots das Geschäft, weil er den Chat deaktiviert - doch das ist ein Problem

Eve Online erreichte im Rahmen eines Chat-Blackouts eine so niedrige Anzahl aktiver Bot-Accounts wie nie zuvor. Dennoch ruderten sie zurück.

von Mathias Dietrich,
01.06.2020 13:45 Uhr

Bot-Accounts sind ein großes Problem in Eve Online, das die Wirtschaft des Spiels beeinflusst. Bot-Accounts sind ein großes Problem in Eve Online, das die Wirtschaft des Spiels beeinflusst.

Eve Online schaffte, wovon viele MMORPGs träumen: Sie hatten den Kampf gegen Botter - die unfairerweise automatisch Geld und Ressourcen für ihre Besitzer farmen - unbewusst fast gewonnen. Sie gaben auf, weil die Spieler ihre unorthodoxe Methode hassten.

Was vertrieb die Botter?

Im Jahr 2019 gab es in Eve Online ein besonderes Event, das bei den Fans heutzutage als »Blackout« bekannt ist. Für dieses deaktivierte der Entwickler CCP den Chat in den Nullsec-Regionen des Spiels. Die Besonderheit dieser Systeme ist die Abwesenheit einer NPC-Polizei, die Angriffe auf andere Spieler bestraft. Dadurch sind es beliebte PvP-Gebiete, in denen es auch häufig zu den gigantischen Schlachten kommt, für die das Spiel so bekannt ist.

Wie die offiziellen Statistiken des Entwicklers zeigen, hatte das einen ungewollten, aber durchaus positiven Nebeneffekt: Der Reddit-Nutzer RedAlert_007 stellte fest, dass die Aktivität von Bot-Accounts in dieser Zeit dramatisch sank.

Vor dem Blackout generierten die automatisierten Accounts bis zu 350 Milliarden ISK - die Ingame-Währung von Eve Online - pro Tag. Wer sich dafür Spielzeit kauft bekommt in etwa so viel, wie für 3.000 Euro. Der Wert sank während des Events auf viel weniger als 50 Milliarden ISK - 440 Euro am Tag.

Wieso hat der Chat so eine große Auswirkung?

Während der Chat in den meisten Spielen nur der Kommunikation zwischen den Spielern dient, ist er in Eve Online eine sehr wichtige Informationsquelle. Denn so könnt ihr sehen, ob sich andere - möglicherweise feindlich gesinnte - Spieler im selben System aufhalten und entsprechend agieren, indem ihr zum Beispiel eine sichere Raumstation aufsucht. Ohne diese Information können natürlich auch Bots nicht darauf reagieren.

Das ist wichtig, weil Eve Online den virtuellen Tod hart bestraft: Wenn euer Raumschiff explodiert, dann bekommt ihr keinen kostenlosen Ersatz. Stattdessen müsst ihr nicht nur das Schiff selbst, sondern auch dessen Ausrüstung und Fracht komplett neu kaufen. Und das kann teuer werden. Botter würden also starke Verluste erleiden, wenn ein Spieler sie zerstört.

Wieso beendete der Entwickler den Blackout?

Der Blackout stieß bei den Fans auf wenig Gegenliebe und endete mit den geringsten Spielerzahlen von Eve Online seit über 10 Jahren. Wie die Spieler anmerken, erhöhte der Blackout das Risiko von Aktivitäten im Nullsec einfach zu stark, ohne die Belohnungen zu verbessern. Das habe viele Nutzer vom weiterspielen abgeschreckt.

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In jüngster Zeit haben sich die Zahlen wieder erholt und erreichen an Wochenenden derzeit so hohe Werte wie zuletzt 2016. Bis zu 40.000 Accounts haben sich zu den aktuellen Bestzeiten gleichzeitig eingeloggt.

Seit dem Ende des Blackout stieg auch die Anzahl an Bot-Accounts wieder. Allerdings sind nur noch etwa halb so viele aktiv, wie vor dem großen Event. Die generieren derzeit etwas mehr als 50 Milliarden ISK am Tag.

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