Als Team in der Sandbox
Muss ich mal schnell Strecke machen, helfen neben dem Gleitschirm auch diverse Fahrzeuge weiter, die mein Squad gemeinsam bemannen kann: Einer fährt, die anderen feuern aus den Fenstern. Das unterstreicht wiederum die Wichtigkeit von Teamwork in Exoborne: Zusammenhalt und Absprache war in meinen Matches deutlich wichtiger als ein schneller Abzugsfinger.
Dabei spielen auch die Fähigkeiten meines Rigs eine zentrale Rolle, wie mir ein Entwickler demonstriert: Als meine Leute gerade Autowracks auf einer halb eingestürzte Brücke nach Loot durchsuchen, werde ich von einem feindlichen Trupp überrascht. Mein Dev-Kollege feuert sofort eine Sonar-Aufklärungsrakete in Richtung Feind. Plötzlich leuchten für mein gesamtes Squad alle Gegner rot auf, selbst durch Hindernisse hindurch.
Ein massiver Vorteil - jetzt am besten schnell neu positionieren! Trotz allem geht ein Journalisten-Kollege im Kreuzfeuer zu Boden, ich ziehe mich per Greifhaken zum ihm, gerate aber beim Revive-Versuch selbst unter Beschuss. Da landet plötzlich der Sharkmob-Mitarbeiter vor mir, aktiviert einen blau leuchtenden Energieschild am Arm seines Anzugs und gibt uns Deckung - alle Kugeln prallen wirkungslos ab.
Gerade als die Wiederbelebung geschafft ist, hat der Schild sein Maximum an Schaden absorbiert und schaltet sich ab. Mein Squad entkommt um Haaresbreite mit einem beherzten Sprung von der Brücke, mein Kampfanzug federt den Aufprall weitestgehend ab. Situationen wie diese zeigen: In Exoborne ist das Team im Vorteil, das seine Exo-Skills aufeinander abstimmt und koordiniert auf neue Situationen reagieren kann.
Und wenn ich mit zufälligen Leuten per Machmaking spiele? Wie verhindert Exoborne, dass sich Teams sofort auflösen, weil alle in eine andere Richtung davonstapfen? »Wir geben den Spielern gemeinsame Missionen, das nennt sich dann Operation. Alle zufälligen Kollegen in deinem Team spielen die gleiche Operation«, erklärt Creative Director Petter Mannerfelt.
Und wie sehen solche Operations aus? »Dazu wollen wir noch nicht genau ins Detail gehen. Aber ihr könnt natürlich auch den Ingame-Chat nutzen und euch spontan auf ein anderes Ziel einigen. Ihr seid nie komplett festgelegt, es ist wirklich eine Sandbox.«
5 Dinge, die uns bereits begeistern
In meiner 90-minütigen Session sind mir einige Aspekte schon sehr positiv aufgefallen. Hier möchte ich deshalb kurz zusammenfassen, was Exoborne jetzt schon verflucht gut macht:
- Kämpfe: Das eigentliche Schießen in Exoborne hat dank knackiger Sounds und ordentlich viel Rückstoß eine gute Portion Wucht. Der Wechsel in die Ego-Sicht beim Zielen (ADS) fühlt sich sehr rund und natürlich an. Die TTK tendiert (anders als bei Tarkov & Co.) in eine Arcade-Richtung, geht dabei aber nie so weit, dass man »Lebensbalken runter schießen« muss wie in Borderlands oder The Division – sehr angenehm.
- Grafik: Visuell ist Exoborne ein extrem beeindruckender Shooter, der aus der Unreal Engine 5 mächtig was rausholt. Es gibt spektakuläre Wettereffekte, Modelle wirken dank echten 3D-Scans sehr detailliert und die Animationen laufen durch Motion-Capture-Technik butterweich ab.
- Map-Flow: Ich habe zwar bisher nur eine von mehreren spielbaren Karten zu Gesicht bekommen, doch die hatte es bereits in sich. Von Wäldern und Highways, über kleinen Siedlungen und Bunkeranlagen bis hin zu einer gewaltigen Ölplattform, gibt es reichlich zu entdecken und Optionen für vertikales Movement mit meinem Exosuit.
- Spieltiefe: Schon jetzt kann ich erahnen, wie viele Kombinationsmöglichkeiten und Synergien aus Waffen, Fähigkeiten und Movement-Optionen möglich sein werden. Packe ich zum Power Jump zum Beispiel noch den Ground Slam Nahkampfangriff ein, lande ich nach etwas Übung schon einen Kill, ohne eine Kugel abfeuern zu müssen!
- Setting: Exoborne mixt Science-Fiction und apokalyptische Endzeit zu einem dystopischen Szenario zusammen, das bedrückend realistisch wirkt. Zugleich liefern die Exo Rigs aber auch eine coole Power-Fantasie im Stil von Spielen wie Crysis, Anthem oder Neill Blomkamps Film Eylsium. In meinem Rig fühle ich mich einfach mächtig!
5 Dinge, die uns noch Sorgen machen
Natürlich bleiben nach einer kurzen Spielsession noch eine ganze Menge Dinge noch unklar. Hier will ich deshalb auch auf die potenziellen Stolperfallen von Exoborne eingehen:
- Gear Level: Exoborne nutzt klassische Seltenheitsstufen mit Farbcodes für Items, es gibt also das »gleiche« Gewehr in grau (gewöhnlich) bis lila (rare). Sie unterscheiden sich zum Beispiel anhand der verfügbaren Attachment-Slots. Aber auch beim Schaden spielt die Seltenheit unter Umständen eine Rolle, so die Macher. Hier besteht die Gefahr, dass sich Waffen zu schwach anfühlen könnten.
- Marktplatz: Die Entwickler planen einen offenen Item-Handel zwischen Usern in Exoborne. Solche spielergesteuerten Wirtschaftssysteme klingen zwar cool, bringen aber in der Realität häufig Balance-, Bot- oder Exploit-Probleme mit sich, wie zum Beispiel bei Diablo 4, wo der Marktplatz immer wieder notabgeschaltet werden muss.
- Loot-Chaos: Fummelig, chaotisch, kompliziert: Loot effizient aufzuheben und per Inventar zu managen ist ein grundsätzliches Problem der meisten Extraction- und Battle-Royale-Shooter. Hier muss Exoborne noch beweisen, dass man ein aufgeräumtes und vor allem schnell bedienbares System am Start hat.
- Solo-Runden: Bisher hat Sharkmob nicht entschieden, wie die finalen Squad-Größen aussehen werden, ob es gemischte Lobbys (z.B. mit Duos und Trios) gibt und wie bei dem Ganzen überhaupt Solo-Spieler ins Bild passen sollen. Diese Hürde müssen die Entwickler nehmen und dabei viele kritische Balance-Entscheidungen treffen.
- Live Service: Heutzutage markiert der Release eines Multiplayer-Shooters nicht das Ende der Entwicklung. Neue Seasons, Inhalte, Events und Updates müssen her! Sharkmob ist überzeugt, eine robuste Roadmap für die Zeit nach Launch vorbereitet zu haben. Ob sie das Gewicht der Fan-Erwartungen am Ende tragen kann?
Es gibt also insgesamt noch so einige Fallstricke zu überwinden und Fragen zu beantworten, bevor Exoborne wie ein Wirbelsturm durch das Shooter-Genre fegen kann. Auf der anderen Seite erlebt man es als Journalist im Gaming sehr selten, dass sich derart frühe Spielversionen schon so rund und knackig anfühlen – und so gut aussehen!
Die viel beschworene »production value« ist jedenfalls an allen Ecken und Enden spürbar, sei es bei den aufwändig animierten Exo Rigs, der wahnsinnig detailreichen Endzeit-Spielwelt oder dem gewaltigen Arsenal aus futuristischen Gadgets. Fest steht: Sharkmob hat immense Ressourcen in Exoborne gesteckt und ist felsenfest entschlossen, mit diesem Shooter ein Glanzstück abzuliefern.
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