Welcher grausame Moment von Game of Thrones hat euch am nachhaltigsten verstört: Die Hinrichtung von Ned Stark? Der brutale Feuertod von Shireen Baratheon auf den Befehl ihres eigenen Vaters? Die Folter von Septa Unella durch Cersei Lannister? Oder die gute, alte Rote Hochzeit? Alles keine schlechten Kandidaten.
Bei mir thront aber eine ganz andere Szene auf dem ersten Platz. Oder besser gesagt: Eine ganze Folge. Am 1. Juni 2014 teilte HBO erstmals die achte Episode von Staffel 4 mit der Welt. Und damit ist Der Berg und die Viper
gerade erst elf Jahre alt geworden.
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Game of Thrones - offizieller Trailer zu Folge 8 von Staffel 4
Götter, war Game of Thrones damals gut!
Denke ich heute an die Folge zurück, muss ich noch immer mit den Zähnen knirschen. Und das nicht nur wegen des Ausgangs des Duells, bei dem sich Oberyn Martell (Pedro Pascal) und Gregor Clegane (Hafþór Júlíus Björnsson) gegenüberstehen, sondern auch, wie exzessiv darauf vorbereitet wird.
Über mehrere Folgen von Staffel 4 hinweg erfahren wir: Oberyn Martell hat aus gutem Grund die weite Reise von Dorne nach Königsmund auf sich genommen. Und zwar nicht, um der königlichen Hochzeit von Joffrey Baratheon und Margaery Tyrell beizuwohnen, sondern um eine alte Rechnung zu begleichen.
Oberyn will Gregor Clegane und Tywin Lannister (Charles Dance) zur Rechenschaft ziehen. Gregor für die Vergewaltigung seiner Schwester Elia und den Mord an ihr und ihren Kindern. Und Tywin, auf dessen Befehl Gregor handelte.
Ein edelmütiges und allemal nachvollziehbares Motiv, das mich sofort mit Oberyn sympathisieren lässt. In einem brutalen Fantasy-Setting, in dem heldenhafte Prinzen nur in Sagen und Märchen auftreten, kommt Oberyn denen tatsächlich noch am nächsten.
Seine Chance sieht Oberyn dann, als Joffrey auf der eigenen Hochzeit vergiftet und Tyrion Lannister (Peter Dinklage) dafür verantwortlich gemacht wird. Denn bei dem daraus resultierenden trial by combat erklärt sich Oberyn zu Tyrions Champion – reiner Zufall oder von ein raffinierter, von Oberyn eingefädelter Plan?
So kann er Gregor Clegane gegenübertreten, was Oberyns eigener Bruder Doran Martell (Alexander Siddig) sonst nie erlaubt hätte, und alles scheint sich zu Oberyns Gunsten zu entwickeln. Doch es wäre keine Geschichte von George R.R. Martin, würde der dornische Prinz sein Happy End bekommen und am Ende des Tages in den Sonnenuntergang reiten. So sehr ich mir das auch für für ihn wünsche.
Today is not the day I die
Das böse Erwachen folgt dann nämlich in Der Berg und die Viper
. Am Tag des Duells zeigt sich Oberyn selbstbewusst und siegessicher. Und natürlich lasse ich mich von seinem Charisma und dem dornischen Feuer mitreißen. Ja, Oberyn wird Gregor Clegane in die Knie zwingen und nicht an diesem Tag sterben - das verspricht er nicht nur Ellaria Sand (Indira Varma), sondern auch mir als Zuschauer und seinen größten Fan!
Der Kampf an sich ist großartig choreographiert und inszeniert. Oberyn macht mit seiner Geschwindigkeit und seinem Speer als Waffe wett, wo ihn Gregor Clegane mit schierer Größe und Kraft übertrifft. Der dornische Prinz trifft den Mann, der als Reitender Berg in ganz Westeros bekannt ist, immer wieder und zwingt ihn nicht nur auf die Knie, sondern auf den Boden. Die Worte You raped her, you murdered her, you killed her children
brennen sich mir ins Gehirn.
Doch im Anblick des Sieges und der Genugtuung, nicht nur Gregor Clegane zu bezwingen, sondern sogar Tywin Lannister bloßzustellen, wird Oberyn übermütig und unvorsichtig. Nach knapp drei nervenauftreibenden und schweißtreibenden Minuten erreicht das Duell zwischen dem Berg und der Viper ihren zermürbenden Höhepunkt, den ich eigentlich hätte kommen sehen müssen.
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Was die schiere Brutalität angeht, sind Oberyns letzte Momente an Grausamkeit kaum zu überbieten. Und so wie es Ellaria Sand oder Tyrion Lannister geht, bleibt mir als Zuschauer nichts anderes übrig, fassungslos das Schicksal mit anzusehen, das aufgrund von George R.R. Martins Romanvorlage von Anfang an feststand.
Oberyn Martell gab mir in Staffel 4 von Game of Thrones Hoffnung, dass selbst in der Welt von Game of Thrones Helden existieren, dank der die Gerechtigkeit triumphiert. Und dank Pedro Pascal, der in der ganzen TV-Serie nur 29 Minuten lang zu sehen ist, bleibt mir ein in den Büchern weitaus blasserer Charakter auf ewig im Gedächtnis.
Triumphiert Oberyn am Ende doch noch?
Ein bisschen Trost spendet mir zumindest, dass Oberyn selbst aus dem Grab heraus als letztes lacht. Denn mit einer vergifteten Speerklinge stellte der dornische Prinz vor seinem Ableben sicher, dass Gregor Clegane ihn nicht zu lange überlebt.
Nicht nur das: Tywin Lannister soll nicht ohne Grund seine letzten Stunden auf dem Klo verbracht haben. Die Rote Viper, die für ihr Händchen für gemeine Gifte bekannt war, könnte hier ebenfalls nicht ganz unschuldig gewesen sein. Möglicherweise ist Tyrion Oberyn nur zuvor gekommen, als er seinen eigenen Vater auf dem stillen Örtchen erschoss.
Übrigens: Wenn euch die Rote Hochzeit noch mehr mitgenommen hat als der Kampf Berg gegen Viper, dann feiert die gerade ebenfalls ihr Jubiläum. Folge 9 von Staffel 3 Der Regen von Castamaer erschien am 2. Juni 2013 und damit vor 12 Jahren. Und genau diese Episode dürfte unweigerlich die meisten Serien-Fans von Game of Thrones verstört haben.
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