Game Pass: Microsofts größtes PC-Problem hat mit Spielen gar nichts zu tun

Meinung: Der Xbox Game Pass gehört für Dimi zu den besten Gaming-Angeboten seit Jahren. Doch gerade auf dem PC steht sich Microsoft noch zu sehr im Weg.

von Dimitry Halley,
23.06.2021 16:00 Uhr

Was haben wir damals geflucht, geschimpft, gestöhnt. Als wir 2004 die Packung von Half-Life 2 in den Händen hielten und hinten drauf stand »Steam samt Internetverbindung zwingend erforderlich«. Was ist denn das für ein Mist - dieses Steam? Ein paar Jahre später wiederholte sich das Spiel: Assassin's Creed 2 im Saturn gekauft? Tja, man braucht trotzdem dieses neue Uplay, um es zu zocken. Bei Dead Space 3 war es Origins. Und manchmal sogar Games for Windows Live und Steam. Oder Uplay und Steam.

Wir reden heutzutage kaum noch drüber, aber neue Services mausern sich in der Gaming-Branche fast immer über Zwang. Niemand in meinem (oder irgendeinem) Bekanntenkreis hat je gesagt: »Ach, dieses neue EA Origin installiere ich mir mal, da habe ich Bock drauf.« Ihr müsst Steam-, Uplay-, Origin- oder Sonstwas-Kunde sein, um bestimmte Spiele spielen zu können.

Wer auf PS4 im Multiplayer spielen will, muss PS Plus abonnieren. Ein denkbar raffinierter Service: Es wird eine Knappheit geschaffen, die auf dem PC so undenkbar wäre - und dann verkauft man die Lösung als Abo. Aber hey, immerhin schenkt mir PS Plus seit Jahren wirklich coole Spiele und gewährt dicke Rabatte. Anders bei Nintendo Online, dessen Virtual Console aus angeblichen NES- und SNES-Klassikern selbst Jahre später immer noch trauriger aussieht als jede Emulator-Sammlung auf einem Millenial-Handy.

Wieso erzähle ich das? Weil der Xbox Game Pass all das nicht macht. Er verzichtet auf jeden Zwang, drängt sich nicht auf, bleibt immer bloß Alternative zum klassischen Einzelkauf von Spielen. Und das könnte gerade auf dem PC ein echtes Problem für Microsoft sein. Denn die große Frage lautet: Wie besiegt man eigentlich Steam?

Der Autor: Es bringt ihm nicht immer Sympathien ein, aber Dimi zeigt sich stets sehr offen gegenüber neuen Gaming-Entwicklungen. Er war ein früher Verfechter der Service-Game-Idee, interessiert sich brennend für die aktuellen Konsolenstrategien (gerade weil sie den PC so stark beeinflussen) und hat sogar Lootboxen nicht sofort in die Tonne gekloppt. Denn auch wenn Publisher Trends gegen die Wand fahren (siehe Lootboxen), entwickelt sich die Branche danach häufig weiter - und erschafft beispielsweise mit dem Battle Pass ein viel gangbareres, faireres Modell. Nur VR ... VR interessiert Dimi überhaupt nicht. Sorry.

Was hat Microsoft vor?

Obwohl man den Game Pass durchaus kritisch sehen kann und muss, bin ich als Kunde aktuell ziemlich angetan - und nach den Gründen muss man gar nicht lange suchen: Weil ich beruflich sowieso auf allen Plattformen unterwegs sein will, bekomme ich hier Hunderte von Spielen für 13 Euro im Monat.

Im ersten Monat zahle ich sogar nur 1 Euro, kann also theoretisch in 30 Tagen die komplette Gears-of-War-Saga durchpowern, kündigen und gehe mit einem ziemlich frechen Deal nach Hause. Ist das für Microsoft in der Form rentabel? Natürlich nicht.

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