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Mit dem neuen Game Pass Preis will Microsoft euren Schmerzpunkt ausloten und schießt dabei übers Ziel hinaus

Nach den jüngsten Preiserhöhungen bei Microsofts Spiele-Abo stellt sich für Kunden mehr denn je die Frage, ob sich das Angebot noch lohnt. Nein, meint unser Autor Jesko und sieht Xbox am Scheideweg.

Den Game Pass kündigen oder behalten, das ist hier die Frage. Für Autor Jesko wird das Microsoft-Abo zunehmend unattraktiv. Den Game Pass kündigen oder behalten, das ist hier die Frage. Für Autor Jesko wird das Microsoft-Abo zunehmend unattraktiv.

Neben dem großen EA-Verkauf war es in der Spiele-Community wohl das Aufregerthema der vergangenen Woche: die saftigen Preiserhöhungen bei Microsofts Game Pass, dem hauseigenen Spiele-Abo. Denn die Preise der umfangreichen Ultimate-Stufe stiegen nicht nur moderat wie bei der letzten Anhebung im Jahr 2023, sondern gleich um ganze 50 Prozent.

In der Community sorgte das für Unverständnis, denn aus Sicht vieler Kunden rechtfertigen die neuen Inhalte wie Fortnite Crew, die Ubisoft+ Classics oder ein paar neue Day-One-Releases nicht gleich eine Preiserhöhung um fast zehn Euro. PC-Spieler traf es zwar nicht ganz so heftig, trotzdem entschlossen sich so viele Leute zur Kündigung, dass unter dem Ansturm zwischenzeitlich sogar die entsprechende Microsoft-Webseite zusammenbrach.

Zu Recht, findet unser Autor Jesko, denn Microsoft hat mit der jüngsten Preisanpassung das Maß überschritten. Nicht nur hat der Konzern damit ein eigenes Versprechen gebrochen; für viele Kunden, die nur nebenbei spielen, lohnt sich das vermeintlich tolle Angebot mittlerweile nicht mehr.

Jesko Buchs
Jesko Buchs

Jesko ist kein Freund von Abo-Modellen, er kauft am liebsten zum Festpreis. Schon im Studium hat er sich regelmäßig darüber aufgeregt, dass man Photoshop nicht einfach als Komplettpaket kaufen kann. Amazon Prime schmarotzt er erfolgreich von seinem Vater, nur Spotify zahlt er selbst. Der Game Pass wurde ihm im Rahmen seiner Arbeit von Microsoft kostenlos zur Verfügung gestellt.

Verdammt viel Geld

Glaubt man den offiziellen Verlautbarungen von Microsoft, ist der Game Pass ein voller Erfolg. Abonnentenzahlen und Spielekatalog wachsen stetig, und im vergangenen Fiskaljahr konnte der Konzern mit dem Abo-Modell erstmals mehr als 5 Milliarden US-Dollar verdienen.

Das Angebot war bislang auch verlockend: Für nur zwölf Euro pro Monat bekamt ihr auf dem PC Zugriff auf eine Spielebibliothek von über 300 Spielen; neue Xbox-Titel wie zum Beispiel Call of Duty: Black Ops 6 gab's direkt zum Launch ohne zusätzliche Kosten.

Doch mit den jüngsten Preisanpassungen sind die Schnäppchenzeiten bei Microsoft langsam aber sicher vorbei. Statt wie bisher 144 Euro pro Jahr zahlen Abonnenten des PC Game Pass nun 180 Euro. Das Ultimate-Jahresabo trifft es besonders heftig: Statt wie zuvor knapp über 200 Euro werden dafür jetzt saftige 324 Euro fällig.

Das sind Mehrausgaben, die niemand mal eben aus der Kaffeekasse zahlen kann. Damit sich das Ultimate-Abo lohnt, müsstet ihr künftig mindestens fünf Vollpreistitel von je rund 70 Euro pro Jahr kaufen. Das dürfte wohl nur bei den wenigsten Spielern der Fall sein.

Viel Wortklauberei bei den Namen: Game Pass Core wird zu Essential, Standard wird zu Premium, nur Ultimate bleibt bei der etablierten Bezeichnung. Nur das Standardmodell bleibt allerdings beim gleichen Preis. Viel Wortklauberei bei den Namen: Game Pass Core wird zu Essential, Standard wird zu Premium, nur Ultimate bleibt bei der etablierten Bezeichnung. Nur das Standardmodell bleibt allerdings beim gleichen Preis.

Wenn man, wie viele Berufstätige, ohnehin nur an zwei Abenden in der Woche zum Spielen kommt, dann überlegt man sich ein solches Abo erst recht zweimal. Denn was nützen einem 300+ Spiele auf Abruf, wenn man nicht mal genug Zeit hat, auch nur eines davon durchzuspielen? Große Rollenspiele wie Avowed oder The Outer Worlds werden so schnell zur langwierigen Belastung. Und von gut der Hälfte der Game-Pass-Spiele kenne ich noch nicht einmal den Namen.

Zudem ist der Game Pass häufig nicht der einzige Kostenpunkt im Leben der Konsumenten. Auch viele andere Abo-Services haben in den letzten Monaten ihre Preise erhöht. Habt ihr etwa ein Netflix-Abo ohne Werbung (168 Euro), hört Musik mit Spotify Premium (132 Euro) und nutzt den PC Game Pass, kommt ihr ab sofort auf jährliche Abo-Kosten von fast 500 Euro.

Ja, auch an der Entertainment-Industrie geht die Inflation nicht spurlos vorüber, doch wir Kunden haben auch nicht plötzlich auf magische Weise mehr Geld im Portemonnaie. Dabei hatte Microsoft im Rahmen der Blizzard-Übernahme 2023 noch vollmundig versprochen, es werde infolge der Verschmelzung keine Erhöhung des Game Pass Preises geben. Warum also nun dieser Sinneswandel?

Video starten 1:38:14 Milliardengrab Xbox? Wie Microsoft sein Potenzial verspielt

Was soll das, Microsoft?

Die Gründe für die neuen Game Pass Preise dürften vielfältig sein - und gleichzeitig von außen schwer nachzuvollziehen, denn im Gegensatz zu Steam-Zahlen haben wir bei Microsofts Abo keinen verlässlichen Einblick. Die letzten öffentlichen Zahlen dazu stammen aus dem Februar 2024. Damals hatte der Game Pass gut 34 Millionen Abonnenten, Tendenz wachsend.

Ganz so rosig, wie es uns Microsoft glauben machen will, dürfte es um den Game Pass aktuell allerdings nicht bestellt sein. Denn das Spiele-Abo ist für Microsoft immer noch ein Zuschussgeschäft. Um den Katalog zu füllen, kauft Microsoft viele Spiele auswärts ein. Und auch die eigenen Titel verwandeln den Game Pass nicht automatisch in eine Goldgrube.

Einem Bloomberg-Report zufolge gingen Microsoft durch den Start von Black Ops 6 im Game Pass rund 300 Millionen Dollar an Umsatz verloren. 82 Prozent seiner Verkäufe erzielte das Spiel auf der PS5, wo es den Game Pass nicht gibt - welche Ironie.

Auch insgesamt steht die Xbox-Sparte des US-Konzerns aktuell auf unsicheren Beinen. Dafür sind die über 10.000 Entlassungen in den letzten zwei Jahren Indiz genug. Die Spieleentwicklung ist teuer und viel lieber würde Microsoft sein Geld in die Entwicklung von KI investieren.

Also wird bei vielen Projekten der Rotstift angesetzt; gleichzeitig werden die Preise nach oben gekurbelt. Dank der zunehmenden Konsolidierung in der Videospielbranche kann sich Microsoft das leisten. Ebenso wie Sony und Tencent hat der Xbox-Mutterkonzern in den vergangenen Jahren mehr und mehr Studios aufgekauft und sich eine marktbeherrschende Stellung aufgebaut, von der aus man bequem die Preise diktieren kann.

Mit der neuesten Erhöhung wird nun der Schmerzpunkt bei uns Kunden ausgelotet. Allerdings scheint es, als sei Microsoft übers Ziel hinausgeschossen. Die vermeintlich vielen Kündigungen zeigen, dass viele ehemalige Kunden nicht länger zahlen wollen und aus dem Abo aussteigen. Das Ziel, bis 2030 die 100 Millionen Abonnenten zu knacken, dürfte sich Microsoft mit den jüngsten Maßnahmen somit selbst verbaut haben.

Einen kleinen Lichtblick gibt es aktuell immerhin für bestehende Game Pass Abonnenten. Denn laufende Abos werden laut Microsoft zunächst weiter zum alten Tarif verlängert. Sollten sich die Konditionen ändern, werdet ihr mit mindestens 60 Tagen Vorlauf von Microsoft per Mail benachrichtigt. Wer sein Abo jetzt kündigt und dann wieder einsteigt, muss allerdings bereits jetzt den neuen Tarif blechen.

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