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Wir waren viel zu jung für GTA San Andreas, aber der Couch-Koop mit meinem Bruder war das beste Gaming-Erlebnis meiner Kindheit

In San Andreas gab es einen Koop-Modus, der absolut chaotisch war, doch unsere Autorin Miffy erinnert sich nur allzu gern daran zurück.

Im Koop-Modus wurden CJs Feinde zu Freunden. Naja, zumindest wenn man es zuließ. Im Koop-Modus wurden CJs Feinde zu Freunden. Naja, zumindest wenn man es zuließ.

Ich weiß, ich bin nicht die erste, die mit dieser Leier um die Ecke kommt, aber so war es nun mal. Ich habe GTA: San Andreas in einem viel zu zarten Alter gespielt, und auch mein Bruder hatte die von der USK festgelegte 16 für die deutsche Fassung erst ein paar Jahre nach Release erreicht.

Früher haben Eltern einfach noch nicht so genau hingeschaut, und Videospiele galten gemeinhin als Kinderkram (auch wenn meine Mutter selbst die wohl knallhärteste Pokémon-Trainerin ist, die ich kenne).

Wie dem auch sei, mit der Story von San Andreas konnte ich damals tatsächlich noch nicht viel anfangen und habe oftmals einfach meinem Bruder dabei zugesehen, wie er als CJ durch Los Santos und Co. gestreift ist, Drogendealer hops genommen und Bandenkriege angezettelt hat. Aber bei einem Feature war ich nur zu gern dabei: dem Koop-Modus.

Kartenlesen für den Koop-Modus

Die 2000er waren die Jahre des lokalen Couch-Koop. Ob es nun Halo, Mario Kart oder Shrek Super Slam (ein fantastischer Titel übrigens) war, auf der Konsole ließ es sich hervorragend mit Freunden und Geschwistern daddeln. Meist gab's dafür einen Split Screen oder man bewegte sich ohnehin in einem stark eingegrenzten Bereich (wie in Shrek Super Slam).

So einer hätte sich auch bei San Andreas angeboten, aber dieser Luxus war uns nicht vergönnt, was sehr wahrscheinlich auf technische Limitierungen zurückzuführen ist. Wer die offene Welt zu zweit auf den Kopf stellen wollte, musste sich mühselig mit seinem Sofa-Komplizen koordinieren. Aber dafür wollte der Modus erst einmal gefunden werden.

Dieses Symbol versteckte sich an fünf Orten auf der gesamten Karte. Dieses Symbol versteckte sich an fünf Orten auf der gesamten Karte.

Um in dem Spiel von 2004 einen zweiten Spieler hinzuzufügen, reichte es nicht, einen Punkt im Menü anzusteuern. Man musste in der Stadt einen von wenigen versteckten Spots finden, auf dem ein leuchtend rotes Koop-Symbol um die eigene Achse rotierte. Zu dieser Zeit gab es das Internet glücklicherweise bereits und mein Bruder und ich kamen recht einfach an die Koordinaten.

Wir hatten dafür ein ganz anderes Problem. Aus irgendeinem Grund klappte es nicht, Markierungen auf der Karte zu setzen, und wir halfen uns daher mit der physischen Karte aus, die der Spielpackung beigelegt war. Na, wenn das nicht Retro ist!

War der Punkt gefunden, suchte sich Spieler 2 (in den meisten Fällen also ich) einen der verfügbaren NPCs aus. Zur Auswahl standen Gang-Mitglieder, Polizisten oder auch das örtliche Rotlicht-Fachpersonal – deren Berufung kannte ich damals natürlich noch nicht. Wahlweise konnte man auch eine von CJs Freundinnen zum gemeinsamen Chaosstiften verpflichten. Die hat man dann einfach vor deren eigener Haustür eingesammelt.

Schwupps prangte in der rechten oberen Ecke unter der ersten Lebensleiste eine weitere und der Spaß konnte beginnen.

Apropos Spaß – werft doch mal einen Blick in Markus' altes Test-Video zum Spiel. Wie höflich die GameStar ihr Publikum vor 20 Jahren noch gesiezt hat!

Video starten 5:14 Grand Theft Auto: San Andreas - Test-Video

Ein kaputter Multiplayer mit Charme

Da es, wie erwähnt, keinen Splitscreen gab, durften sich die beiden Spielcharaktere nicht allzu weit voneinander entfernen, ansonsten flog Spieler 2 einfach raus. Deshalb konnte man auch nicht in zwei verschiedene Autos steigen, dafür aber eine Fahrgemeinschaft bilden.

Der erste Spieler, der in ein Fahrzeug mit mindestens zwei Sitzen stieg, bekam das Lenkrad in die Hand. Der zweite durfte zur Waffe greifen und aus dem Auto ballern. So bretterten wir durch Fußgängerzonen und lieferten uns die ein oder andere Verfolgungsjagd. Flog dabei die Karre in die Luft, nahmen wir eben die Beine in die Hand.

Spätestens an diesem Punkt traf mich das bittere Los der jüngeren Schwester mit voller Wucht: das Dasein als Spielerin zweiter Klasse. Nicht nur musste ich immer mit dem halb defekten Third-Party-Controller klarkommen, San Andreas hat dem zweiten Spieler einer Partie auch noch ein paar zusätzliche Einschränkungen aufgezwungen.

Ich konnte mich beispielsweise nicht heilen, da Verkaufsautomaten im Koop-Modus außer Betrieb waren und nur Spieler 1 mit Hot-Dog-Ständen und Co. interagieren durfte. Gut, ich hätte eh nichts kaufen können, denn das aufgesammelte Geld floss immer in die Tasche von Spieler 1. Meine Spielfigur ist außerdem deutlich langsamer gelaufen als CJ. Habe ich eine Frau gespielt, war dieser Effekt sogar noch größer. Sich in Sicherheit zu bringen, weil die Gesundheit sonst auf Null sinkt, war also auch deutlich schwerer.

Aber es gab auch große Abstriche für uns beide: Aktivitäten wie Billiard oder Basketball waren im Koop-Modus gestrichen, Raketenwerfer und Fallschirme haben nicht funktioniert, genauso wenig wie die Karte. Und man konnte keine Garagen öffnen, wurde also dazu gezwungen, illegal an einen fahrbaren Untersatz zu kommen. Die Erde ist schon ein hartes Pflaster.

Aber am Ende zählte nur die Massenkarambolage, die mein Bruder und ich in der Innenstadt verursacht haben – gemeinsam! Wir legten uns mit verfeindeten Banden an, klauten Rettungsfahrzeuge und tobten uns mit den Cheats aus, denn die funktionierten größtenteils auch im Koop-Modus. Ein Spielziel brauchten wir nicht, wir taten einfach das, was uns gerade in den Sinn kam.

Es wundert mich überhaupt nicht, dass GTA Online und Roleplay-Server heute noch so beliebt sind, denn genau diese Faszination haben mein Bruder und ich damals schon auf der heimischen Couch zelebriert, nur deutlich weniger poliert.

Trotz all der Abstriche war der Koop-Modus mein Lieblingsaspekt von GTA: San Andreas. Zusammen einfach nur Quatsch zu machen und sich gegenseitig zu sabotieren, ist doch der Inbegriff von Geschwisterliebe. Heute bin ich (fast) gar nicht mehr sauer, dass ich immer den Kürzeren gezogen habe. Grüße gehen raus an Brudi, ich hab dich lieb.


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