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Der »Hot-Coffee«-Skandal bringt GTA vor den US-Kongress: Wie eine der besten Open Worlds 2005 eine Welle der Entrüstung auslöste

Bei GTA: San Andreas sorgte Jahre nach Release ein Minispiel noch für ordentlich Ärger, dabei ist es gar nicht veröffentlicht worden.

San Andreas hat als einziges Spiel der GTA-Reihe in den USA keine Jugendfreigabe erhalten. San Andreas hat als einziges Spiel der GTA-Reihe in den USA keine Jugendfreigabe erhalten.

Grand Theft Auto: San Andreas erschien ursprünglich im Oktober 2004 exklusiv für die PlayStation 2 und wurde direkt zum Hit. Das Spiel war brutal und obszön. Kein Wunder also, dass es in den USA von dem ESRB (Entertainment Software Rating Board) ein ESRB 17 erhielt. Das Spiel war also erst für Jugendliche ab 17 Jahren zugänglich. Und ein Jahr lang war das auch kein Problem, doch dann erschien im Juni 2005 der PC-Port und stellte alles auf den Kopf.

Das Spiel war im Grunde dasselbe. Doch durch Mods haben die Fans es geschafft, das Minispiel Hot Coffee spielbar zu machen, das zuvor bewusst von Rockstar aus dem fertigen Spiel entfernt wurde. Und das sorgte in den USA für so viel Entrüstung, dass San Andreas sogar vor dem US-Kongress gelandet ist.

Quellcode mit Folgen

Was ist Hot Coffee? Dabei handelt es sich um ein berüchtigtes Minispiel, bei dem der Geschlechtsverkehr zwischen dem Protagonisten CJ und einer von sechs Frauen simuliert wird. Das Minispiel sollte der Abschluss der Date-Missionen sein, bei denen ihr verschiedene Frauen kennenlernt. Am Ende hättet ihr sie zu einem heißen Kaffee eingeladen und, naja ...

Hot Coffee wurde zwar vollständig programmiert, jedoch vor der Veröffentlichung des Spiels herausgenommen. Fans haben es aber noch im Code von San Andreas entdeckt und durch eine Mod spielbar gemacht. Die Dateien waren auch in den Codes der PS2- und der Xbox-Version vorhanden.

Video starten 5:14 Grand Theft Auto: San Andreas - Test-Video

Schon im Quellcode der PS2-Version entdeckten motivierte Modder das Minispiel, allerdings konnte sie nur schwer modifiziert werden. Sie nutzten jedoch die Wartezeit zwischen der Konsolen- und der PC-Fassung dafür, um ihre Mods vorzubereiten und sie möglichst kurz nach dem PC-Release zu veröffentlichen.

Das Ergebnis: Bereits einen Tag später, also am 9. Juni 2005, konnten Fans den Hot Coffee-Patch für GTA San Andreas im Internet kostenlos herunterladen.

Am 7. Juli 2005 geriet das Spiel deswegen ins Visier der US-Politik. Leland Yee, amtierender Präsident der California State Assembly, veröffentlichte eine Pressemitteilung, in der er die Einstufung als ESRB 17 kritisierte. Kurz darauf kündigte der ESRB an, das Spiel erneut zu prüfen.

Die Folge war eine Neueinstufung als ESRB AO (Adults Only). Das bedeutete, in den USA konnten das Spiel nur Erwachsene, also Personen ab 21 Jahren kaufen. Zuvor erhielten gerade mal zehn Titel eine AO-Einstufung, darunter die Uncut Version des 3D-Adventures Leisure Suit Larry: Magna Cum Laude.

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Bis ins Repräsentantenhaus

Für Entwickler Rockstar und Publisher Take-Two hatte das schwerwiegende Folgen. Am 28. Juli 2005 stimmte das Repräsentantenhaus der USA mit 355 zu 21 Stimmen dafür, eine Untersuchung der Federal Trade Comission (FTC) einzuleiten. Dabei handelt es sich um die wichtigste Verbraucherschutz- und Kartellrechtsbehörde der USA.

Ziel war es zu ermitteln, ob die Entwickler und Publisher das ESRB mit Absicht getäuscht und Hot Coffee verschwiegen hätten, um ein AO-Rating zu vermeiden. Einen Ausschnitt aus der Diskussion im US-Kongress seht ihr in dem X-Beitrag weiter oben.

Am 8. Juni 2006 einigten sich die beteiligten Parteien auf einen Vergleich. Take-Two und Rockstar hätten offenlegen müssen, dass sich im Quellcode ungenutzte, aber potenziell sichtbare sexuelle Inhalte befinden. Dafür sei es unerheblich, ob es einer Modifikation Dritter bedarf, um sie zugänglich zu machen.

Take-Two und Rockstar wurden verpflichtet, auf allen Verpackungen und Werbematerialien alle für die Altersfreigabe relevanten Informationen sichtbar zu machen. Verstöße konnten mit einer Geldstrafe von bis zu 11.000 US-Dollar pro Verstoß geahndet werden.

Eine Geldstrafe für den Hot Coffee-Fall gab es nicht. Jedoch sorgte der Aufruhr für Unmengen an Rückrufaktionen und Verkaufsstopps von GTA: San Andreas. Der erlittene Schaden wird auf 24,5 Millionen US-Dollar geschätzt.


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