Der Release von Highguard lässt sich wohl als klassisches zweischneidiges Schwert beschreiben: Einerseits gelang dem Team von Wildlight Entertainment, das aus ehemaligen Entwicklern von Titeln wie Apex Legends und Titanfall besteht, ein beachtlicher Achtungserfolg beim Interesse.
Laut SteamDB kletterten die Spielerzahlen kurz nach der Veröffentlichung auf einen Spitzenwert von 97.249 gleichzeitig aktiven Spielern. Damit übertrifft der Titel viele Konkurrenten im umkämpften Hero-Shooter-Genre deutlich.
Doch andererseits dürfte die Freude über die vollen Server im Studio gedämpft sein, denn die Stimmung innerhalb der Community ist gekippt. Bei über 18.000 abgegebenen Stimmen liegt die positive Bewertung aktuell bei lediglich 30 Prozent.
Technische Hürden und Performance-Probleme
Der Hauptkritikpunkt, der sich durch einen Großteil der negativen Rezensionen zieht, ist der technische Zustand des Spiels.
Zunächst kämpfte der Shooter mit Serverproblemen: Kurz nach Release landeten fast alle Spieler in einer Warteschlange – und nachdem dieses Problem behoben wurde, in unvollständigen Partien.
Viele Spieler berichten auch von erheblichen Performance-Einbrüchen und mangelnder Optimierung: Selbst auf High-End-Systemen mit aktueller Hardware wie einer RTX 4090 oder der neuen 5000er-Serie scheint das Spiel Schwierigkeiten zu haben, stabile Bildraten zu liefern. Auch soll die Grafik leicht verwaschen sein.
Highguard setzt zudem zwingend Secure Boot und TPM 2.0 voraus, was bei einigen Nutzern bereits beim Startversuch zu Fehlermeldungen führt. Auch der Einsatz von Anti-Cheat-Software auf Kernel-Ebene (hier: Easy Anti-Cheat) wird in den Kommentaren kritisch beäugt.
»Viel zu große Karten für 3v3«
Abseits der Technik steht das Kern-Gameplay in der Schusslinie: Highguard mischt Elemente aus Hero-Shootern, Belagerungsschlachten und Ressourcensammeln – eine Kombination, die laut vieler Rezensenten nicht komplett aufgeht. Ein häufig genannter Kritikpunkt ist das Missverhältnis zwischen Map-Größe und Spieleranzahl.
Die Karten seien für die 3v3-Gefechte schlicht zu groß, was zu langen Leerlaufphasen führe, in denen die Teams lang über die Map reiten müssen, ohne auf Gegner zu treffen.
Wie sich Highguard genau spielt, könnt ihr euch im folgenden Video ansehen:
8:46
Wie funktioniert eine Runde in Highguard? Der neue Shooter in unter 10 Minuten erklärt
Die Community spart dabei nicht mit deutlichen Worten:
- Der Gameplay-Loop wird oft als schleppend oder langweilig beschrieben. Zwischen den kurzen Kampfphasen verbringt ihr viel Zeit mit dem Sammeln von Ressourcen und Loot oder dem Verstärken der Basis.
- Viele Spieler empfinden das Design als »Frankenstein-Monster«, das versucht, Apex Legends, Overwatch und Valorant zu kombinieren, ohne eine eigene Identität zu entwickeln.
- Die Helden werden als blass und austauschbar kritisiert – auch weil das Spiel weitestgehend auf World Building verzichtet.
Trotz der harten Kritik gibt es auch Stimmen, die das Gunplay und die grundlegende Idee loben: Einige Spieler sehen Potenzial in der Mischung aus Ballern und Burgbelagerung, sofern das Studio die technischen Probleme schnell in den Griff bekommt.
Lob gibt es auch für das ungewöhnlich faire Free2Play-Modell: Auf spielrelevante Käufe wird komplett verzichtet, und selbst der erste Battle Pass ist kostenlos. So können sich alle Spieler ganz ohne Bezahlung eine ganze Reihe an Helden-, Reittier- und Waffenskins sowie weiteren kosmetischen Inhalten freispielen.
Dazu gibt es einen kleinen Lichtblick: Nach dem massiven Review-Bombing direkt zum Release fangen sich die Steam-Bewertungen langsam wieder. Unmittelbar nach Veröffentlichung lag der Anteil positiver Reviews bei nur etwa 18 Prozent. Mittlerweile hat sich das Spiel auf rund 30 Prozent hochgearbeitet.
In den kommenden Tagen und Wochen muss sich nun zeigen, ob Wildlight Entertainment die Kurve kriegt oder ob die hohen Spielerzahlen nur ein kurzes Strohfeuer vor einem größeren Absturz waren.
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