Manchmal fühlt sich meine Arbeit nicht nach Arbeit an. Zum Beispiel komme ich aus meinem Sommer-Urlaub zurück und schaue in den gamescom-Plan, den Dimi mir vereinbart hat: Horrorspiele, so weit das Auge reicht!
Ganze neun Termine laufe ich auf der Messe ab, um mich so richtig zu gruseln. Natürlich sind Großkaräter wie Resident Evil Requiem oder Silent Hill f dabei. Aber auch unbekannte Spielchen wie Kumarn: The Wandering Spirit oder Drowned Lake. Vor dem Termin zu Hellraiser: Revival hat mich sogar die PR nochmal ausdrücklich gewarnt!
Aber welche Spiele haben mich denn jetzt auch wirklich bis in den Schlaf verfolgt? Bei welchen Demos habe ich trotz lauter und hell beleuchteter Messehallen schwitzige Hände bekommen? Holt euch euer liebstes Kuscheltier und los geht's mit meinem Ranking der gruseligsten Spiele der diesjährigen gamescom.
9. Directive 8020
0:55
Directive 8020: Im neuen Horrorspiel der Dark-Pictures-Macher solltet ihr lieber niemandem vertrauen
- Entwickler: Supermassive Games
- Publisher: Supermassive Games
- Release: 2026
- Gruselfaktor: niedrig – ich mag tote Charaktere aber trotzdem lieber tot ...
Die Supermassive-Spiele und mich verbindet eine innige Hassliebe. Auf der einen Seite sind die Spiele des Studios ein absolutes Guilty Pleasure für mich; andererseits bin ich immer wieder frustriert, dass die Entwickler ihr Potenzial nicht ausschöpfen.
Directive 8020 könnte endlich mal ein Schritt in Richtung Besserung seit Season 1 von Dark Pictures werden: Die Sci-Fi-Story wirkt spannend und das Mysterium wird nicht direkt in den ersten Minuten gespoilert, die Dialoge sind erwachsener und emotionaler (ich hatte beim Anspieltermin sogar kurz Tränchen in den Augen!) und es gesellt sich etwas mehr Gameplay zur gewohnt cinematischen Inszenierung des Spiels.
So muss ich beispielsweise nicht nur Entscheidungen treffen, wie wir sie schon aus den Dark-Pictures-Spielen kennen, sondern auch kleine Rätsel mit futuristischen Geräten lösen, vor Gegnern davonlaufen und sogar um sie herumschleichen.
Womit wir es diesmal zu tun haben, kann ich noch nicht einschätzen – ich weiß nur, dass die Crew auf dem Raumschiff nach einem Vorfall nicht mehr alleine ist. Wenn ein eigentlich toter Charakter plötzlich wieder zurückkehrt und mich mit schnellen Schritten verfolgt, dann läuft mir schon eine kleine Gänsehaut über die Arme.
Die Kameraperspektiven, das Lichtspiel und die Inszenierung von Directive 8020 sind gewohnt stimmungsvoll – so richtig Angst hat mir die Demo aber nicht gemacht. Vor allem die neue Mechanik könnte mir im fertigen Spiel viel vom Gruselfaktor wegnehmen: Schließlich kann ich jetzt an jedem großen Knotenpunkt meine Entscheidung ändern und so beispielsweise ein Quicktime Event wiederholen, um einen sterbenden Charakter zu retten. Wenn ich meine Fehler jederzeit korrigieren kann, dann geht es um nichts – und wovor soll ich mich denn da noch fürchten?
8. Reanimal
1:28
Reanimal zeigt neues Gameplay - Das nächste Spiel der Little-Nightmares-Schöpfer könnte eines der gruseligsten Erlebnisse seit Jahren werden
- Entwickler: Tarsier Studios
- Publisher: THQ Nordic
- Release: tba
- Gruselfaktor: moderat – von Peel-Off-Masken lasse ich aber erst mal die Finger ...
Das neue Spiel der Little-Nightmare-Schöpfer Reanimal trägt zwar einen anderen Namen, ist aber im Grunde Little Nightmares 3. Ein kleines Geschwisterpaar macht sich auf einer Insel auf die Suche nach seinen Freunden. Diesmal dreht sich alles um Koop, denn die beiden Charaktere können wir sowohl online als auch auf der Couch gemeinsam steuern. Aber keine Sorge: Wenn ihr alleine spielt, bekommt ihr einen KI-Begleiter an die Seite gestellt.
Gemeinsam mit einem weiteren Journalisten steuere ich also meine kleine Heldin durch die Landschaft. Wenn es um Atmosphäre, Look, Sounddesign und Lichtstimmung geht, kann ich Tarsier überhaupt keine Vorwürfe machen: Wie schon in den Little-Nightmares-Spielen passt hier alles.
Die Umgebungen sind mit viel Liebe gestaltet, die Rätsel nicht zu schwer (wenn wir auch gelegentlich ein paar Anläufe gebraucht haben), die Steuerung ist schnell verinnerlicht und präzise.
Besonders charmant: Da sich die Charaktere einen Bildschirm teilen, haben die Entwickler kleine Animationen eingebaut, wenn ein Spieler beispielsweise schon weiterziehen möchte. Dann winkt sein Charakter sein Geschwisterchen herbei, um zu signalisieren, wo es weitergeht.
Natürlich sind auch die Gegner gewohnt schaurig gestaltet. Eine übergroße Gestalt mit Hut verfolgt uns durch ein Zugabteil und greift mit ihren ungelenken Armen nach unseren kleinen Beinchen, während wir über Koffer und Sitzbänke hüpfen.
Schlimmer als der große Mann mit Hut sind aber die unzähligen Hautmonster, die überall in den rostigen Hallen und Zügen herumliegen. Haben sich hier Menschen geschält? Zeit, um mir den Hautanzug näher anzuschauen, habe ich nicht – denn natürlich kriecht uns das schrumpelige Organ direkt hinterher. Bäh!
So stimmungsvoll und kreativ das alles auch ist – ich habe mich nach Little Nightmares 1 ein wenig daran sattgesehen. Damals war das Konzept originell und überraschend. Selbst Teil zwei konnte mich nicht mehr so in seinen Bann ziehen. Und für Reanimal hätte ich mir von Tarsier Studios gewünscht, dass sie eine andere Richtung eingeschlagen hätten. In diesem Horror-Subgenre haben sie sich schließlich schon bewiesen. Da schlummern doch sicherlich noch mehr fantastische Ideen!
7. Kumarn: The Wandering Spirit
1:28
Kumarn: The Wandering Spirit – Das neue Horrorspiel nimmt sich Little Nightsmares zum Vorbild und ertränkt es in der schaurig-schönen Kultur Thailands
- Entwickler: WereBuff Studio
- Publisher: WereBuff Studio
- Release: tba
- Gruselfaktor: moderat – aber auch nur, weil ich so tolle Zebra-Unterstützung bekomme!
Kumarn könnte man wie Reanimal in das Genre der Little-Nightmares-likes stecken, schließlich diente das als großes Vorbild für das neunköpfige, thailändische Studio. In ihrem ersten Spiel schlüpfe ich in die Rolle eines Gottes, dessen Schrein zerstört wurde. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause muss ich kleine Rätsel lösen, Platforming-Passagen bestehen und mich mindestens fünfmal so großen Monstern aus der thailändischen Folklore stellen.
Im Vergleich zu Little Nightmares (oder auch Reanimal) fühlt sich Kumarn noch nicht so rund an – denn stellenweise will die Steuerung nicht so wie ich, oder ich glitche durch die Wand, wenn sich die Kameraperspektive verändert. Und gerade eben habe ich ja auch noch gesagt, dass ich mich an diesem Spielkonzept eigentlich schon satt gesehen habe ...
Trotzdem ist mir Kumarn: The Wandering Spirit stärker im Gedächtnis geblieben als das neue Spiel der Little-Nightmares-Schöpfer. Die Entwickler schmücken ihr Spiel nämlich sowohl in der Bildsprache als auch im Sounddesign mit thailändischer Kultur, Mythologie und Religion aus und schaffen einen eindringlichen und stimmungsvollen Spagat aus Schönheit und Horror, den ich in der Form schon lange nicht mehr erlebt habe.
In einem Moment beobachte ich fasziniert die eleganten Bewegungen von Tänzerinnen – im nächsten stürmen sie los, durchbrechen Abgrenzungen, krabbeln durch den Wald, um mich zu fangen. Zum Glück bin ich auf meiner Gruseltour nicht alleine: Ein kleines Zebra leistet mir Gesellschaft und hilft mir sogar, das ein oder andere Hindernis zu überwinden.
Fun Fact: Zebras kommen nicht in freier Wildbahn in Thailand vor. Kleine Figuren oder Zeichnungen des Pferdes werden aber an Schreinen als Schutzsymbol für Reisende platziert und um die Geister und Götter zu besänftigen.
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