Ubisofts größtes Open-World-Wagnis geht überraschenderweise auf

Meinung: Immortals Fenyx Rising verzichtet in seiner Open World auf NPC-Charaktere. Eine ungewohnte Entscheidung - aber sie macht das Spiel sogar besser.

von Géraldine Hohmann,
23.10.2020 14:00 Uhr

  • Wie gut spielt sich eine Open World ohne NPC-Charaktere?
  • Redakteurin Géraldine hat Ubisofts im Dezember erscheinendes Action-Adventure Immortals Fenyx Rising bereits mehrere Stunden gespielt und findet: Hier wurde die richtige Entscheidung getroffen, NPC-Charaktere nur in vereinzelte Cutscenes zu verbannen.
  • In ihrer Kolumne erklärt sie, warum eine Open World durch fehlende Charaktere nicht unbedingt leerer wird - sondern in diesem Fall sogar besser.

Nur die Stimmen der Götter im Hintergrund und Charaktere in Cutscenes - wird das nicht etwas einsam? Nur die Stimmen der Götter im Hintergrund und Charaktere in Cutscenes - wird das nicht etwas einsam?

»Schönen guten Tag, dürfte ich Ihnen eine Sammelquest anbieten?«, fragt mich Bauer XY, der sich vermutlich seit Tagen auf seinem Feld die Beine in den Bauch steht und mit feuchten Händen auf die Ankunft eines Abenteurers wartet.

Ja, NPC-Charaktere können uns unvergessliche Geschichten bescheren. Ihre Schicksale können uns mitreißen, zum Lachen bringen oder sogar zu einer Romanze führen. Aber wenn ich ehrlich bin - ein Segen sind sie nicht immer.

Ubisoft geht mit seiner neuen Open World Immortals Fenyx Rising einen mutigen Schritt und streicht die NPC-Charaktere aus seiner Welt. Stattdessen werden sie ausschließlich in Cutscenes verbannt, wo wir sicher sind vor ihren sinnlosen »Bring mir 10 Spinnenbeine«-Aufgaben - hier geht es nur um wirklich wichtige Dinge.

Nachdem ich in Anspielterminen mittlerweile sieben Stunden in der Welt von Immortals Fenyx Rising verbracht habe, muss ich überrascht feststellen: Das Konzept geht nicht nur auf, es macht das Spiel sogar besser. Und das hat einige einfache Gründe.

Die Autorin
Redakteurin Géraldine kann einfach nicht an hilflos aussehenden NPCs vorbeigehen. Häufiger als sie zählen kann ist sie in den Open Worlds von The Elder Scrolls, Zelda und Co. fluchend und schimpfend in voller Rüstung mit zwei brennenden Streitäxten auf dem Rücken ins nächste Dorf gelaufen, um für Dorfbewohner #231 ein Stück Käse zu kaufen - sie hatte ja sonst nichts zu tun. Außer natürlich der Rettung der Welt, aber das muss dann eben warten. Als Completionist muss sie manchmal zu ihrem Glück gezwungen werden - zum Beispiel indem man ihr die NPCs wegnimmt.

Nieder mit sinnlosen Sammelaufgaben!

Gleich vorweg: Sinnlose Sammelaufgaben funktionieren natürlich auch ohne NPCs. Aber Charaktere können mir eben viel leichter etwas andrehen, wenn sie es mit einer kleinen persönlichen Geschichte verpacken. Im Falle von Immortals führen die fehlenden Open-World-NPCs dazu, dass ich mich viel mehr auf die Welt einlassen kann.