Die Magie von Life is Strange
Aber Harmony kriegt bei der Geschichte selbst die Kurve. Immer wenn ich die Mantik oder Reverie wieder verlasse, geht die Handlung in Atina weiter.
Dort erwarten mich faszinierende Schauplätze wie ein stillgelegtes Schwimmbad, in dem sich Pollys Patchwork-Familie häuslich eingerichtet hat, oder verträumte Gassen, hinter denen sich bedrohlich die futuristische Skyline auftürmt. Die farbenfrohe Mischung aus 2D-Zeichnungen und 3D-Hintergründen erschafft durchweg malerische Kulissen, an denen ich mich kaum sattsehen kann.
Ich treffe Nora, die Pollys Familie früher bei sich aufnahm. Das Mädchen ist inzwischen erwachsen und überlegt zähneknirschend, ob sie einen Job beim bösen Konzern MK annehmen soll, um über die Runden zu kommen. Ursulas Mann Laszlo wiederum ist nur noch ein Schatten des einst lebenslustigen Barbesitzers. Aber warum ist das so?
Welchen Pfad ihr wählt, beeinflusst das Verhalten der anderen Figuren. Laszlo gesteht entweder seine finanzielle Situation gegenüber Nora (rechts) oder oder offenbart der gesamten Bar Ursulas Verschwinden, damit sie bei der Suche helfen (links).
Als Polly fühle ich ihm gemeinsam mit Nora auf den Zahn. Wir können entscheiden, ihm in der Bar zu helfen, was zu einem ausgelassenen Abend führt und dafür sorgt, dass er seine Stammkunden unter Tränen um Hilfe bei der Suche nach Ursula bittet. Das wird sich später noch auswirken, weil MK und Atina so von Ursulas Verschwinden erfahren.
Alternativ gehen wir mit Laszlo spazieren und erfahren mehr über seine persönlichen Probleme - Ursula ist verschwunden, aber er ist auch pleite und droht, seine Bar zu verlieren. Dieses Gespräch schweißt ihn mehr mit Nora zusammen, die sich beim Erwachsenwerden emotional von ihm entfernt hat.
Die Gespräche in Harmony sind unglaublich facettenreich und tief, viel wird nur angedeutet und nicht ausgesprochen.
Überholspur oder Sackgasse?
Das macht die Charaktere sehr glaubwürdig und menschlich; es blitzt zum Beispiel immer wieder durch, dass Polly und ihre Mutter ein angespanntes Verhältnis haben. Polly sollte Künstlerin wie Ursula werden, fühlte sich aber vom Freigeist ihrer Mutter eingeengt und flüchtete in ein konservatives Medizinstudium. Dennoch liebt sie Ursula und setzt alles daran, sie zu finden.
Harmony: The Fall of Reverie baut ein spannendes Mysterium um Ursulas Verschwinden auf, das irgendwie mit der Parallelwelt der Bestrebungen, dem MK-Konzern und den untergegangenen Oxions zu tun hat.
Das Ganze verknüpft Don’t Nod gekonnt mit gewohnt feinfühligen Dialogen und Beziehungen, die mir die Figuren ans Herz wachsen lassen. Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht und wie ihr Schicksal aussieht.
Nur die Mantik mit ihren unzähligen Knotenpunkten fühlt sich mehr nach Gimmick als Gameplay-Revolution für Story-Adventures an, gerade weil die Entscheidungen und Pfade zumindest bisher keinen großen Effekt hatten.
Oft erfahre ich nur andere oder mehr Informationen, was mich zwar inhaltlich belohnt, aber den Aufwand nicht wirklich rechtfertigt. Es bleibt somit abzuwarten, ob die Erzählmagie am Ende ausreicht oder die Mantik mich in eine Sackgasse manövriert.
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