Von Santa Clara bis Magdeburg: Intels Krise spitzt sich immer weiter zu – selbst der bisherige Hoffnungsträger ist gescheitert

Die Intel-Krise hält den Chip-Giganten weiter in Atem. Allein die vergangenen zwölf Monate sind ein Mikrokosmos an Fehlschlägen – wir werfen den Blick auf die größten Problemzonen, die Intel umtreiben.

Eine der prominentesten Intel-Krisen war das Raptor-Lake-Desaster – und in den zwölf Monaten danach ging es für Intel ebenfalls nicht wirklich bergauf, wie Tech-Autor Jusuf in seinem Blick auf die jüngsten Probleme zeigt. Eine der prominentesten Intel-Krisen war das Raptor-Lake-Desaster – und in den zwölf Monaten danach ging es für Intel ebenfalls nicht wirklich bergauf, wie Tech-Autor Jusuf in seinem Blick auf die jüngsten Probleme zeigt.

Vor rund zehn Jahren hatte Intel einen Marktwert von etwa 120 Milliarden Euro – das Zwölffache von Nvidia, das mit rund zehn Milliarden Euro noch lange nicht der Gigant war, der es heute ist.

Seitdem hat sich das Blatt nicht nur gewendet, es ist förmlich eine andere Geschichte: Während Nvidia von einem Rekord zum nächsten eilt, kann sich Intel kaum aus der Negativspirale befreien, in der sich das Unternehmen seit Jahren befindet.

Um die Hintergründe dieser Entwicklung zu beleuchten, müssen wir aber gar nicht so weit zurückblicken – auch wenn das gescheiterte Nvidia-Übernahmeangebot seitens Intel oder das Ablehnen der Chipfertigung für das ursprüngliche iPhone sicher genug Stoff für Analysen bietet.

Stattdessen begnüge ich mich heute mit einem Blick auf die vergangenen zwölf Monate, die ein Mikrokosmos an Symptomen und Ursachen sind, die für die Intel-Krise verantwortlich sind. Dabei wird auch das Scheitern des jüngsten Hoffnungsträgers in Form der 18A-Fertigung deutlich.

Video starten 1:09:33 Sorgenkinder 2025: Gewinner und Verlierer des ersten Halbjahrs

Die Brechstange wurde eingepackt

Vor fast genau einem Jahr brachte Intel die vermeintlich endgültige Lösung für das Drama rund um instabile CPUs der 13. und 14. Generation.

Diese hatten mit Degradierungssymptomen zu kämpfen; ein Mikrocode-Fix sollte das Problem zumindest eindämmen.

Im Anschluss richtete sich der Blick bei Intel nach vorn. Mit Arrow Lake wurde die Brechstange wieder eingepackt. Anstelle von irrsinnigen Taktraten und Leistungsaufnahmen wollten die neuen »Core Ultra«-CPUs wieder in effizientere Bahnen verlaufen.

Das ist den noch immer aktuellen Prozessoren auch durchaus gelungen – mit einigen Haken.

  • Denn weder die Leistung noch die tatsächliche Effizienz konnte an AMD heranreichen, die mit den X3D-Prozessoren weiter das Maß aller Gaming-Dinge bleiben.
  • Zudem war auch der Arrow-Lake-Launch mit Bugs verseucht, die zumindest zum Start ein konstantes Leistungsniveau zunichtemachten.

Die Probleme sind zwar laut Intel behoben, doch hieran zeigt sich eines der grundsätzlichen Probleme des einstigen CPU-Giganten.

Was auch immer man im Desktopbereich derzeit herausbringt, ist auf die ein oder andere Weise nicht zufriedenstellend genug, um den Ruf zu rechtfertigen, den man in den Jahrzehnten zuvor innehatte.

Auf die Milliardenverluste folgt der Kahlschlag

Unzureichende Desktop-CPUs sind aber nicht der einzige Grund für das Absacken des Intel-Aktienkurses.

Faktoren wie der komplett verschlafene KI-Boom und stete Fertigungsprobleme von der 10-nm-Fertigung 2018 bis zu aktuellen Fertigungskrisen (dazu später mehr) haben eine mindestens genauso große Rolle gespielt.

Unabhängig von den exakten Ursachen: Das zweite Quartal 2024 schloss Intel mit einem Verlust von 1,6 Milliarden US-Dollar ab.

Das Licht am Ende des Tunnels, das sich Ende vergangenen Jahres abzeichnete (Q4/2024: Gewinn von 2,6 Mrd. US-Dollar), stellte sich inzwischen als der entgegenfahrende Zug heraus. Das jüngste Geschäftsquartal schloss Intel mit einem Verlust von 2,9 Mrd. US-Dollar ab.

Die Entwicklung der Intel-Marktkapitalisierung innerhalb der letzten beiden Jahre? Steil nach unten. Die Entwicklung der Intel-Marktkapitalisierung innerhalb der letzten beiden Jahre? Steil nach unten.

Zigtausende Entlassungen

Die Talfahrt wurde mit mehreren Entlassungswellen quittiert. Schon im zweiten Halbjahr 2024 hat der Konzern rund 15.000 Stellen gestrichen.

  • Im laufenden Jahr sollen es noch einmal 20.000 Mitarbeiter werden, die ihren Job verlieren (via Bloomberg). Den Anfang machten bereits erste Wellen in den Werken Oregon, Kalifornien und Texas – hier sind schon rund 4.000 Kündigungen abgegangen (via OregonLive).
  • Intel selbst sieht das als Teil des selbstverordneten Sparkurses, mit dem rund zehn Mrd. US-Dollar jährlich gerettet werden sollen.

Das Magdeburg-Desaster

Ein weiterer symbolischer Tiefpunkt des Unternehmens ist die Absage des geplanten Prestigeprojekts in Magdeburg. Hier sollte eigentlich eine 30 Milliarden Euro schwere Chipfabrik gebaut werden – aus der wird nun infolge der Unternehmenskrise nichts.

Das Ende der Baupläne steht in direktem Zusammenhang mit den negativen Zahlen, die Intel in den vergangenen zwölf Monaten geschrieben hat. Sämtliche Pläne sind ersatzlos gestrichen.

Die Bauarbeiten wurden ohnehin bereits im August 2024 gestoppt; damals noch mit der Hoffnung, das sich das Blatt wendet. Inzwischen wurde die Stiftung Kulturlandschaft damit beauftragt, sich um die Bewirtschaftung der Flächen zu kümmern (via MDR).

Neuer CEO, alte Probleme

Die Serie der Krisen im vergangenen Jahr gipfelte schließlich im überraschenden Rücktritt von CEO Pat Gelsinger. Gelsinger, der 2021 als Retter zurückgekehrt war, kündigte diesen im Dezember 2024 mit sofortiger Wirkung an. Zwischen den Zeilen las sich dieser nicht unbedingt freiwillig.

Seit März 2025 steht Lip-Bu Tan an der Spitze des Unternehmens. Ob sich Intel unter seiner Führung erholen kann und wie lange er im Amt bleibt, ist angesichts der vergleichsweise kurzen Zeit noch abzuwarten.

In seiner Antrittsrede versprach Tan zwar den Anfang einer neuen Ära, die aktuellen Zukunftsaussichten sehen allerdings wenig rosig aus. Die großen Schwierigkeiten von Intel analysiert auch der große Tech-Youtube-Kanal GamersNexus im folgenden Video:

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Der Hoffnungsträger stirbt zuletzt

So gestand der Intel-CEO erst in jüngster Vergangenheit ein, nicht mehr in den Top 10 der führenden Chiphersteller zu sein.

  • Der designierte Hoffnungsträger in Form der 18A-Fertigung wird wohl nicht mehr die Rettung sein – stattdessen steht die Foundry vor einem erneuten Milliardenverlust.
  • Berichten zufolge (via Reuters) hat kaum ein Unternehmen Interesse daran, die Intel-Fertigung zu nutzen.
  • Gleichzeitig gibt es Gerüchte, dass sich entsprechende Chips auf das Jahr 2026 verschieben, unter anderem aufgrund einer zu geringen Chip-Ausbeute (via Wccftech).

Es sieht demnach nicht so als, als könnte Intel das Ruder mit der 18A-Fertigung nochmal entscheidend herumreißen.

Ein Hauch der Verzweiflung

Außerhalb der hauseigenen Panther-Lake-Serie hat die Fertigung also wohl nicht die notwendige Zugkraft; selbst hier wird lediglich der Compute-Tile von Intel produziert, während der Rest von TSMC kommt.

Entsprechend blicken wiederum alle Augen auf Nova Lake: Hiermit will Intel wieder einen großen Angriff wagen, denn die Spitzen-CPUs sollen mit bis zu 52 Kernen aufwarten.

Nicht nur das: Auch das AMD-Erfolgsrezept soll mit der nächsten Generation seinen Weg zu Intel finden. Zeitgleich besinnt man sich auf einige Features, die in den vergangenen Generationen gekickt wurden. Unter anderem soll Hyperthreading in vollem Umfang zurückkehren.

Allerdings scheint Intel auch für Nova Lake nur teilweise auf die hauseigene Fertigung zu setzen. Ein erster Tape-Out ist wohl bereits erfolgt – mittels TSMCs N2-Prozess. Der taiwanische Halbleitergigant hat schon längst den Spitzenplatz in der Industrie inne.

Natürlich blicken Teile der Branche deshalb bereits auf den Nachfolger: Die 14A-Fertigung könnte der entscheidende Zeitpunkt sein, an dem sich Intel entweder rettet oder für immer hinterherhinkt.

Für das im zweiten Halbjahr 2026 erwartete Nova Lake dürfte die Entwicklung allerdings zu früh kommen – und für Intel selbst angesichts der anhaltenden Talfahrt vielleicht sogar zu spät.

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