Seite 4: Interview mit Prof. Dr. Christian Pfeiffer

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Der Pate Der Pate

Stern: Aber es ist ein großer Schritt von schlechten Schulnoten hin zur Gewaltbereitschaft.
Prof. Dr. Christian Pfeiffer: Richtig. Wobei der Frust in der Schule auch die Friedlichkeit des Schülers nicht gerade fördert. Wer hoch frustriert ist, wird schon deswegen aggressiv, weil er irgendwo ja Anerkennung ernten will. Da gibt's Langzeiteffekte, die mit der Verliererrolle einhergehen. Für uns ist jedoch das Durchschlagende, dass das Computerspielen für Schulnoten nicht förderlich ist. Alles andere sind Märchen der Industrie.

Stern: Den eindeutigen Beleg für den Zusammenhang mit der Gewaltbereitschaft …
Prof. Dr. Christian Pfeiffer: … den gibt es auch. Durch Längsschnittstudien in den USA, durch verschiedene Experimentalstudien unter anderem in den USA und in Deutschland. Die Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, wird reduziert, wenn man sich ständig in die Rolle des aggressiven, tötenden Gewalttäters phantasiehaft begibt. Das bleibt nicht ohne Folgen auf die eigene Psyche.

Stern: Ihr Institut prüft derzeit die Inhalte von 72 Spielen. Sie schreiben: "Bei einem erheblichen Teil der getesteten Spiel haben sich gravierende Zweifel an der Alterseinstufung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ergeben." Weshalb zweifeln Sie an der USK?
Prof. Dr. Christian Pfeiffer: Weil wir ihre Alterseinstufungen in vielen Fällen nicht nachvollziehen können. Und weil wir die USK von ihrer Struktur her als problematisch empfinden. Die Tester, die die Spiele nachspielen und für die Gutachter Inhaltsberichte erstellen, haben selber in Interviews offenbart, dass sie parallel dazu die Industrie bei der Herstellung der Produkte beraten, dass sie Tipps geben, wie die Spiele so gestaltet werden können, dass sie bestimmte Alterseinstufungen auch erreichen. Diese Doppeltätigkeit für die Industrie und die USK halte ich für problematisch und indiskutabel. Das würde ich in Zukunft unterbinden. Dazu gibt es weitere strukturelle Probleme. Wir haben etwa festgestellt, dass sich unsere Beschreibungen des Inhalts nicht mit dem decken, was die USK den Gutachtern als Inhalt der Spiele beschreibt. Deshalb können wir nachvollziehen, dass die Gutachter zu anderen Einschätzungen gekommen sind als wir: Sie waren nicht voll informiert.

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