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Itorah angespielt: Wie schön kann ein Spiel bitte aussehen?

Meinung: In Itorah muss ich eigentlich das Verschwinden der Menschheit aufklären. Aber eigentlich will ich nur stehenbleiben und die handgezeichnete Landschaft bestaunen.

von Sören Diedrich,
08.04.2022 17:00 Uhr

Mit Spielen ist es ja schon irgendwie wie mit dem Essen: Jeder hat einen anderen Geschmack, aber glücklicherweise ist für jeden was dabei. Der eine mag Spina...äh Shooter, für den anderen geht hingegen nichts über frisch gepellte Rollenspiel-Kartoffeln oder gar einen komplexen Strategie-Salat.

Also verzeiht mir bitte schon mal vorab, wenn ihr meine Begeisterung über Itorah nicht teilen könnt. Metroidvanias sind eben wie Knoblauch, entweder man meidet sie mit vampirischer Abneigung oder bekommt gar nicht genug davon. Ich gehöre zur letzteren Sorte (in beiden Fällen, sorry an meine Mitmenschen!).

Deshalb schwärme ich euch nun vor, weshalb mich dieser Spontankauf (Danke an dieser Stelle an Community-Mitglied Kaimanic für die Empfehlung!) so sehr begeistert, obwohl das Spiel objektiv betrachtet einige unübersehbare Schwächen aufweist.

Der Autor

Manchmal liegt Sören abends im Bett, starrt an die Decke und fragt sich: Wie wäre die Welt da draußen, wenn wir uns in einem Metroidvania befinden würden? Die Antwort erscheint auf den ersten Blick naheliegend: Unübersichtlich, verschachtelt, und alle paar Schritte wird man angegriffen. Kein schöner Ort zum Leben. Aber hey, dreht die Medaille doch auch mal um und überlegt euch, welche Abenteuer euch tagtäglich bevorstünden! Ständig würde man neue Dinge entdecken, weil man diesmal den Kochlöffel von daheim mitgenommen hat, den dieser seltsame NPC haben möchte. Und die Felswand, die euch den Weg zum Supermarkt versperrt? Kein Problem, dafür habt ihr ja eure Spitzhacke! Was? Ihr findet, das klingt immer noch nicht nach Spaß? Okay, dann erkläre ich euch jetzt lieber was zu Itorah.

Keine gute Ausgangslage

Die junge Dame namens Itorah hat ein Problem. Na ja, eigentlich sogar zwei davon. Erst wird sie von einer Meute hungriger Spinnen gejagt und als Gefangene in deren dunklen Höhlen verschleppt. Kaum gelingt ihr die Flucht, stellt sich dann auch noch heraus, dass sie der wohl letzte Mensch auf der Welt ist. Deshalb bricht Itorah auf, um das Geheimnis hinter dem Verschwinden ihrer Mitmenschen zu lüften.

Moment, halt: Wie ist ihr eigentlich die Flucht aus der Spinnenhöhle geglückt? Gut, dass ihr fragt! Wie es der Zufall (aka Game-Design) so wollte, hat Itorah während ihrer Gefangenschaft die Bekanntschaft mit einer sprechenden Waffe, eine Art Großaxt gemacht. Die ist nicht nur äußerst redselig und mit einem etwas zu gesunden Ego ausgestattet, sondern kann auch ziemlich gut austeilen.

Schwuppdiwupp liegt das Krabbelviech deshalb leblos am Boden und wir können in die Freiheit stapfen. Und dort erwartet uns eine atemberaubend schöne Spielwelt, die sogar Ori and the Blind Forest Konkurrenz macht.

Glaubt ihr mir nicht? Dann schaut doch einfach selbst - aber das Weiterlesen danach nicht vergessen!

Itorah - Screenshots aus dem wunderschönen Metroidvania ansehen

Sehr gute Aussichten

Wer bereits meinen Lobgesang über Monster Boy gelesen hat, dürfte wissen, dass ich ein Faible für hochwertige handgezeichnete 2D-Grafiken in Spielen habe. Itorah lässt mich in dieser Hinsicht fast schon vor Verzückung in Tränen ausbrechen.

Ich kann kaum zehn Meter laufen, ohne wieder stehenzubleiben und die Umgebung zu bestaunen. Was das deutsche Indie-Studio Grimbart Tales meinem verwöhnten Spielerauge hier kredenzt, muss sich vor dem internationalen Vergleich in keiner Weise scheuen.

Riesige Pilze, sattgrünes Gras, mächtige Bäume, ein Tempeleingang, der von der Abendsonne in sanftes Licht getaucht wird - völlig egal, was ich zu Gesicht bekomme, es sieht aus wie in einem perfekten Sonntagsmärchen. Der Stil von Itorah ist stark von der mesoamerikanischen Kultur beeinflusst und sieht in Bewegung noch mal eine ganze Ecke besser aus als auf Screenshots.

Das glaubt ihr mir auch nicht? Erneut habe ich das passende Beweisstück parat und präsentiere euch knapp vier Minuten Profi-Gameplay (hust) aus Itorah:

Gameplay-Video zu Itorah: So spielt sich das bildhübsche Metroidvania 4:26 Gameplay-Video zu Itorah: So spielt sich das bildhübsche Metroidvania

Wie spielt sich Itorah?

Kommen wir zum Gameplay. Wer schon einmal ein Metroidvania gespielt hat, wird sich ohne Probleme in Itorah zurechtfinden. Ihr hüpft, rollt und klettert durch die Spielwelt namens Nahucan und kämpft gegen allerlei Gegner. Die verfügen über individuelle Angriffsmuster, ihr müsst euch also rasch auf neue Situationen einstellen und vor allem blitzschnell ausweichen.

Im Laufe eures Abenteuers werdet ihr natürlich stärker und stärker, schaltet neue Fähigkeiten frei und könnt eure vorlaute Waffe mit gefundenen Materialien verbessern. Grundsätzlich bietet mir Itorah also zwar nichts weltbewegend Neues, aber es ist wie bei einem Schnitzel: Man weiß, was man kriegt, und es schmeckt eben.

Auch bei den Komfortfeatures gibt sich das Spiel kaum eine Blöße. Sinkt eure Lebensenergie in den kritischen Bereich, dürft ihr euch auf Knopfdruck heilen. Diese Fähigkeit lädt sich nach einigen besiegten Gegner von allein wieder auf. Die Karte ist leicht lesbar, weshalb ihr euch in der Welt von Nahucan nicht verirrt. Damit eignet sich Itorah hervorragend für Einsteiger ins Metroidvania-Genre.

Wenn ihr auf der Suche nach weiteren Metroidvanias seid, können wir euch natürlich ebenfalls weiterhelfen:

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Semi-gute Steuerung

Die größte Schwäche von Itorah? Die ist schnell benannt, denn ihr werdet mit ihr schon nach wenigen Spielminuten konfrontiert: Die Steuerung. Wer dieses Spiel mit der Erwartungshaltung startet, genauso elegant zu hüpfen wie in Ori and the Will of the Wisps oder in den Kämpfen die chirurgische Präzision eines Hollow Knight erwartet, wird enttäuscht werden.

Wenn Itorah mit ihrer Waffe zuschlägt, fühlt sich das immer ein bisschen ungenau an. Mal schlägt sie normal, dann plötzlich hält sie inne, um einen schweren Schlag aufzuladen, und wird dadurch vom Gegner getroffen. Die Ausweichrolle vermittelt uns zudem nicht immer ein gutes Gefühl dafür, an welcher Stelle wir durch das Manöver landen werden.

Es kommt auch öfter mal vor, dass die junge Dame sich aus Versehen plötzlich duckt statt zu laufen, weil ihr den Analogstick einen Millimeter zu ungenau erwischt habt. Um technische Ursachen am Controller auszuschließen, kam extra ein zweites Exemplar zum Einsatz, mit dem gleichen Ergebnis. Derlei Steuerungsmacken sind nervig und hätten noch etwas mehr Feinschliff vertragen können.

Für wen lohnt sich Itorah?

Ob ihr mit Itorah Spaß haben könnt oder nicht, richtet sich wie so oft nach eurer Erwartungshaltung. Dieses Spiel ist das Erstlingswerk eines kleinen Teams und das merkt man im positiven wie im negativen Sinne. Ja, an manchen Ecken ist der fehlende Feinschliff offensichtlich, und auch in Sachen Umfang reißt das Spiel keine Bäume aus, denn bereits nach rund sechs Stunden dürftet ihr den Abspann sehen.

Aber die Leidenschaft, die in diesem Kleinod steckt, ist für mich persönlich allgegenwärtig. Da drücke ich auch mal ein Auge zu und sehe darüber hinweg, wenn mein Schlag mal wieder ins Leere trifft oder ich mitten in einen Gegner hineinrolle, statt eine sichere Distanz zwischen uns zu bringen. Wenn ihr Lust auf ein kleines, charmantes Abenteuer habt, nicht mehr, aber auch nicht weniger, seid ihr hier gut aufgehoben.

Itorah könnt ihr bei Steam oder GOG für jeweils rund 20 Euro erwerben. Wer möchte, kann auch zur 10 Euro teureren Save the World Edition greifen. Hierbei werden 10 Prozent des Erlöses vom Entwickler an die Organisation Survival International gespendet, die sich um die Unterstützung indigener Völker kümmert.

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