Die Games-Branche macht aktuell unruhige Zeiten durch. Obwohl die Profite mit Videospielen insgesamt seit Jahren wachsen, befindet sich die Branche seit der Corona-Pandemie in einem Strudel aus Krisen und Entlassungswellen. Neben fehlerhaften Entscheidungen wie das übermäßige Setzen auf Live-Service bei vielen Studios tragen dazu auch äußere Trends wie der aktuelle KI-Boom maßgeblich bei.
Tarn Adams, der Kopf hinter dem Indie-Hit Dwarf Fortress, hat im Interview mit den Kollegen von PC Gamer kürzlich mit deutlichen Worten mit dieser Entwicklung abgerechnet. Seiner Meinung nach haben viele Führungskräfte in der Spielebranche den Blick für die Realität komplett verloren.
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KI zerstört unsere Spiele nur, wenn wir es zulassen
Spiele am liebsten auf Knopfdruck
In dem Interview, das im Rahmen der gamescom in Köln stattfand, spricht der Indie-Entwickler das fundamentale Problem hinter den Massenentlassungen an: »Sie versuchen zu erreichen, dass ein CEO einfach nur auf einen Knopf drückt, der dann ein fertiges Spiel macht – und dann kaufen es irgendwie alle anderen, die vorher ihren Job verloren haben«, kritisiert der Entwickler.
Dieses System sei selbstverständlich nicht nachhaltig. Wenn niemand etwas dagegen unternehme, steuere die Branche laut Adams unausweichlich auf einen riesigen Knall zu. Grund für diese Fehlentwicklung sei vor allem die mangelnde Wertschätzung für echte Arbeit.
Führungskräfte verstünden oft gar nicht, welcher Aufwand in der Spieleentwicklung steckt; sie sähen nur die fertigen Endprodukte. Wie ein Team dorthin gelangt ist, sei vielen CEOs egal. Der aktuelle Hype um generative KI blende die Studiobosse zusätzlich. Laut Tarn Adams reden sich viele Entscheidungsträger in der Branche fälschlicherweise ein, dass Maschinen die gleiche Arbeit billiger und schneller erledigen können – am besten sogar noch in der gleichen Qualität.
KI-Psychose
»Fast jeder, den ich kenne, hat einen Chef, der langsam eine Psychose bekommt«, erklärt Adams im Interview. Viele Führungskräfte drängten ihre Entwicklerteams mittlerweile förmlich dazu, KI für ihren Code zu nutzen, und drohten andernfalls mit der Ersetzung durch Maschinen.
Tatsächlich haben viele große Publisher (u.a. Microsoft) in den letzten Jahren Personaleinsparungen vorgenommen und diese mit dem verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz begründet; Adams Vorwurf kommt also nicht von ungefähr.
Dem amerikanischen Indie-Entwickler geht der KI-Hype jedenfalls mächtig auf die Nerven - so sehr, dass er seine eigene Sprache anpasst. Während er früher ganz selbstverständlich von der »Zwergen-KI« in seinem Spiel sprach, bezeichnet Adams die zugrundeliegenden Routinen mittlerweile bewusst als »Zwergen-Verhalten«.
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