Wenn ihr diese Woche ein Spiel auf Steam ausprobieren müsst, dann Merchant of the Skies

Meinung: Das RPG Merchant of the Skies ist völlig zurecht einer der Durchstarter auf Steam, findet Indie-Expertin Géraldine, die sich durch Pixel-Optik nicht so leicht abschrecken lässt.

von Géraldine Hohmann,
21.04.2020 18:30 Uhr

Halt, Stopp! Nicht vom Pixellook abschrecken lassen. Merchant of the Skies ist keins dieser "verträumten Indie-Adventures". Halt, Stopp! Nicht vom Pixellook abschrecken lassen. Merchant of the Skies ist keins dieser "verträumten Indie-Adventures".

Ja, auf den ersten Blick sieht Merchant of the Skies aus wie Pixelart-Indie-Adventure »Das hab ich mal eben im RPG Maker zusammengezimmert« Nummer 4587. Und ja, das Wort »Handelssimulation« treibt nur Hardcore-Fans die Freudentränchen in die Augen. Alle anderen husten bloß, weil die Luft plötzlich so staubtrocken wirkt.

Doch ich beharre darauf: Wenn es diese Woche ein einziges neues Steam-Spiel gibt, das ihr unbedingt ausprobieren solltet, dann Merchant of the Skies. Ich präsentiere euch dafür drei gute Gründe.

Die Autorin: Trainee Géraldine hat ein Herz für Außenseiter. Kein Spiel ist ihr nischig genug, egal wie oft ihre Kollegen sie auch damit aufziehen. Und sie wird nicht müde, jedem ihre Indie-Empfehlungen aufzudrücken. Schnell wird daraus mal eine 10-minütige Präsentation, warum Night in the Woods das beste Spiel aller Zeiten ist. Während die Redaktion abends im Teamspeak gemeinsam Warzone spielt, genießt sie lieber eine Runde Stardew Valley oder Return of the Obra Dinn und lässt dabei das Herumgeschreie ihrer Kollegen als Hintergrundbeschallung laufen.

1. Das Szenario ist einzigartig

Immer wieder die gleichen Fantasy-, Mittelalter- und Sci-Fi-Settings - Das ist auf Dauer so ungeheuer ermüdend. Und obwohl über die Jahre schon fast alles mal in einen Spiele-Schauplatz verpackt wurde, gibt es ab und zu noch etwas Neues zu sehen: In Merchant of the Skies lebt ihr in der von 1001 Nacht inspirierten Welt den Traum eines Luftschiffkapitäns, der über den Wolken den Duft der Freiheit genießt. Und weil Geld trotzdem eine feine Sache ist und ihr ja schon mal da oben seid, entscheidet ihr euch, fliegender Händler zu werden.

Ihr reist durch die orientalischen Länder in luftiger Höhe, trefft auf Riesenfische und fliegende Schildkröten, kauft Waren und verkauft sie in der nächsten Stadt wieder - natürlich mit saftiger Preiserhöhung. Mit genügend Geld stellt ihr euch das Luftschiff eurer Träume zusammen und errichtet euch eine prunkvolle Villa, um die Nachbarn neidisch zu machen. Zu Hause seid ihr schließlich nur, um eine Crew anzuheuern oder eure Finanzen zu managen. Danach zieht es euch wieder hinaus in die weite Welt.

Und mal ehrlich: Wer dachte sich im realen Leben noch nie »Was soll's. Ich schmeiße alles hin, ich werde Schiffskapitän!« Niemand? Nur ich? Na gut. Aber ich mag auch einfach Schiffe.

2. Nicht zu gemütlich, nicht zu anspruchsvoll

Merchant of the Skies verpackt eine knallharte Wirtschaftssimulation im harmlosen Gewand eines Casual Games: Im einen Moment könnt ihr euch herrlich von dem schönen Soundtrack und der gemächlichen Reisegeschwindigkeit berieseln lassen und einfach mal ein paar Steinchen beim nächsten Händler kaufen, weil die so hübsch glitzern.

Im nächsten Moment steht ihr aber plötzlich vor dem Permadeath, weil ihr zu viele glitzernde Steine gekauft habt, die ihr nicht wieder losgeworden seid. Geht ihr bankrott, dann müsst ihr von vorn beginnen.

Damit ist es ein bisschen wie ein (brutaler) Flohmarktbesuch: Gemütlich von Stand zu Stand schlendern, die Sonne genießen und ab und zu mit den Worten »Ach guck mal, wie hübsch«, auf irgendetwas zeigen. Und dann feststellen, dass irgendein Idiot euch das Teil unter der Nase weggekauft hat, ihr für einen zu großen Schrank zu viel Geld bezahlt habt und euch kein Busticket für die Heimfahrt mehr leisten könnt.

Für einige Menschen bedeutet Flohmarkt Entspannung, für andere Krieg - Merchant of the Skies ist beides.

Die Städte In den Städten bewegt ihr euch über die Brücken von Haus zu Haus. Bei Händlern kauft und verkauft ihr Güter, in Gilden nehmt ihr zusätzliche Aufträge an.

Die Oberwelt Über die Karte reist ihr in andere Städte. Wie bei einem dieser tollen Bilder zum Freirubbeln deckt ihr dabei weitere Reiseziele auf.

Die Charaktere Und zwischendurch trefft ihr auf Charaktere wie diese Karotte mit Hut. Warum eine Karotte? Ja, warum denn nicht.

3. Es lernt sich leichter als bekannte Handelssims

Handelssimulationen sind ja bekannt dafür, extrem einsteigerunfreundlich zu sein. Der Einstieg von Merchant of the Skies ist aber sehr zugänglich. So zugänglich, dass ihr es wohl sogar euren nicht mit Spielen vertrauten Großeltern verkaufen könntet. Doch die immer komplexer werdende Wirtschaftssimulation lässt euch nach dem Prinzip »leicht zu lernen, schwer zu meistern« an vielen Stellschrauben drehen. Nach der etwa sieben Stunden langen Story werdet ihr in den Sandbox-Modus entlassen und könnt euch dort nach Herzenslust austoben.

Die Energie eures Schiffes muss aufgeladen werden, doch das ist nicht billig. Ihr könntet Touristen mit auf eure Fahrten nehmen, um das Geld wieder reinzuholen, aber das kostet Zeit. Vielleicht baut ihr lieber automatisierte Karawanen, die euch die Arbeit abnehmen und zieht von eurer selbstgebauten Villa aus die Fäden? Falls ihr das Spiel mal in Bewegung sehen wollt, hier ist ein ausführliches Gameplay-Video:

Merchant of the Skies ist der spielgewordene Kaufrausch. Wer also immer wieder aufs Neue in die Lootfalle von Diablo und Co. tappt, Tycoon-Spiele wie Planet Zoo liebt oder wie ich ohnehin ein Herz für die Außenseiter der PC-Spiele hat, dem sei Merchant of the Skies auf Steam empfohlen. Und sei's nur, weil Schiffe super sind. Alternativ schaut gerne in unserem großen Geheimtipps-Special für April 2020 vorbei, dort findet ihr weitere spannende Spiele unter dem Radar.

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