Ich weiß, ich weiß: Ich habe mich bereits vor ungefähr zwei Wochen in einer Kolumne aus verschiedenen Gründen wenig erfreut über die neue RTX-5000-Generation gezeigt.
Doch während es mir damals vor allem um die Zukunft ging, steht nun aufgrund von neuen Problemen die Gegenwart im Fokus.
Damit kommen bei den Blackwell-Grafikkarten derart viele schwierige Faktoren zusammen, dass ich mich an keine anderen Start von PC-Hardware erinnern kann, der derart problematisch verlaufen ist.
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Ein wichtiger Hinweis zu Beginn
Mit Blick auf die neuen Probleme reden wir von Aspekten, die nach bisherigen Erkenntnissen nur einen Bruchteil der Besitzer der RTX-5000-Grafikkarten betreffen.
In der Gaming-Community wird Nvidia dennoch oft dafür kritisiert, etwa in Kommentaren bei uns oder auf Plattformen wie Reddit. Aus zwei Gründen kann ich diese Verärgerung durchaus nachvollziehen:
- Man kann die Probleme fast nur bemerken, wenn man danach sucht – oder aber, wenn es zu spät ist.
- Sie hätten sich beide leicht verhindern lassen und dürften deshalb meiner Ansicht nach gar nicht erst auftreten.
Das neueste Problem: defekte Hardware
Wie Nvidia inzwischen bestätigt hat, fehlen bei einem sehr kleinen Teil der RTX-5000-Grafikkarten manche Recheneinheiten. Genauer gesagt betrifft das die Menge der so genannten ROPs (wir berichteten).
- Die Abkürzung steht für
Raster Operation Processor
, auchRender Output Units
genannt. Wie der Name bereits erahnen lässt, geht es dabei um die finale Bildberechnung und Bildausgabe. Daher nehmen die ROPs eine durchaus wichtige Rolle in der Renderpipeline ein. - Nach aktuellem Stand sind alle bislang erschienenen RTX-5000-Modelle betroffen, also die RTX 5090, die RTX 5080 und die RTX 5070 Ti.
- Es fehlt stets eine ROP-Partition, die aus acht der entsprechenden Recheneinheiten besteht. Bei der RTX 5090 gibt es daher 4,5 Prozent zu wenige ROPs, bei der RTX 5080 7,1 Prozent zu wenige und bei der RTX 5070 Ti 8,3 Prozent zu wenige.
- Erste Benchmarks legen nahe, dass sich der Performance-Verlust jeweils ungefähr in den genannten Prozentbereichen bewegt, wobei die genauen Zahlen je nach Spiel, Auflösung und Einstellungen variieren können.
Dieser Fehler lässt sich immerhin leicht feststellen, da Tools wie GPU-Z die Zahl der vorhandenen ROPs im Handumdrehen auslesen können, wenn der Grafikkarten-Treiber korrekt installiert ist:
Doch aus meiner Sicht führt uns das zu zwei großen Problemen:
- Man muss von den Schwierigkeiten wissen, um gezielt nach fehlenden ROPs zu schauen. Daher dürfte es durchaus einige Betroffene geben, die mit weniger Performance spielen, als sie haben sollten, ohne es je zu merken.
- Ein Fehler, der sich grundsätzlich so leicht überprüfen lässt, müsste bei Qualitätskontrollen durch die Experten von Nvidia und ihre Board-Partner auffallen.
Klar, Menschen machen Fehler. Aber es mutet doch etwas seltsam an, dass weder Nvidia noch Asus, MSI & Co. etwas von den Problemen mit fehlenden ROPs bemerkt haben, auch wenn sie laut Nvidia nur 0,5 Prozent der produzierten GPUs betreffen.
Das potenziell größere Problem: schmelzende Stecker
Schon etwas länger bekannt sind die möglichen Probleme mit der Stromversorgung der Grafikkarte. Bisher sind sie primär, aber nicht nur bei der RTX 5090 aufgetreten.
Durch ungünstige Faktoren kann es dazu kommen, dass die Energie nicht gleichmäßig (genug) verteilt wird, was im schlimmsten Fall zu irreparabel beschädigter Hardware führt.
Auch hier gilt, dass nur ein sehr kleiner Teil der RTX-5000-Besitzer davon betroffen ist. Aber erneut gibt es zwei Aspekte daran, die ich besonders kritisch beurteile:
- Wenn man nicht von dem Problem weiß, bemerkt man es vermutlich erst dann, wenn es zu spät ist. Gleichzeitig weisen aus meiner Sicht weder Nvidia noch die Board-Partner eindringlich genug darauf hin, wie wichtig es ist, die mitgelieferten Kabel zu verwenden (falls vorhanden) und soweit möglich zu vermeiden, dass sie (zu) stark gebogen werden.
- Es wäre vergleichsweise leicht möglich gewesen, die Stromverbindungen so zu konstruieren, dass sich die Hardware im Notfall selbst schützt und abschaltet, wie mein Kollege Alexander Köpf in seiner Kolumne zu dem Thema bereits genauer geschildert hat.
Erschwerend hinzukommt die Tatsache, dass diese Probleme schon bei der RTX 4090 aufgetreten sind.
Der 12VHPWR-Stromstecker wurde zwar inzwischen überarbeitet. Aber dass Nvidia nicht mehr dafür getan hat, vergleichbare Schwierigkeiten bei der extrem schnellen (und stromhungrigen!) 4K-Grafikkarte RTX 5090 zu verhindern, kann ich genau wie Alex nicht nachvollziehen.
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Abschließend ergänze ich auf Hinweis in den Kommentaren (danke dafür) noch einen weiteren Punkt, der manchem ebenfalls sauer aufstößt (auch wenn er in meinen Augen klar weniger gravierend ist als die anderen Aspekte): Die Unterstützung für 32-Bit-PhysX wurde bei RTX 5000 gestrichen.
Nur sehr wenige und ältere Titel unterstützen diese Technik, aber wenn sie aktiv ist, führt die fehlende Unterstützung mit RTX-5000-Grafikkarten zu einer klar niedrigeren Performance, wie unter anderem die Kollegen bei PCGH berichten.
Bislang eine Generation zum Vergessen
Mir ist bewusst, dass ich in der Zwischenüberschrift oben sowie im Titel dieses Artikels harte Worte wähle.
Gleichzeitig gilt trotz aller Kritik, dass die RTX-5000-Generation sehr schnelle und technisch beeindruckende Grafikkarten zu bieten hat, die für viele Gaming-PCs ein großes Update bedeuten.
Aber es gibt hier in meinen Augen zu viele einfach zu viele Störfaktoren:
- Man kann die neuen GPUs zum Release wegen schlechter Verfügbarkeit kaum kaufen
- Falls es doch klappt, dann nur zu völlig überhöhten Preisen
- Das Performance-Plus gegenüber der RTX-4000-Geneartion ist überschaubar
- Erschwerend hinzu kommt Nvidias fragwürdiges Marketing in Sachen Multi Frame Generation
Gepaart mit den in diesem Artikel geschilderten technischen Schwierigkeiten, bleibt am Ende für mich größtenteils Enttäuschung übrig.
Lasst mich gerne in den Kommentaren wissen, ob ihr die Aufregung über die Probleme bei den RTX-5000-Grafikkarten auch für berechtigt haltet oder die Lage anders einschätzt als ich.

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