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Seite 2: Ladenschluss - Runterladen statt Spieleladen

Online-Riesen und Discounter

Große Händler wie Amazon fahren Gewinne alleine über die Masse ein?

Ja. Wenn man in einer Kooperation oder Kette unterkommen kann, verfügt man über einen größeren Verhandlungsspielraum gegenüber dem Publisher. Ein Riese wie Amazon, der von einem Spiel wie Alan Wake am ersten Tag vielleicht 2.000 Stück verkauft, wird sicher nicht den gleichen Einkaufspreis bezahlen, wie wir ihn hatten. Selbst wenn Amazon abzüglich Porto und sonstiger Kosten nur einen Euro pro Stück verdienen würde, wäre das dem Unternehmen egal, solange deren Infrastruktur ausgelastet ist. Es kostet Amazon mehr, wenn nicht jede Minute ein Päckchen gepackt wird und die Logistik stillsteht. Das ist also eine ganz andere Problemstellung als bei einem unabhängigen Einzelhändler. Als solcher muss ich mit der niedrigeren Marge leben oder in einer Kooperation unterkommen. Aber da wird man auch erst ernst genommen, wenn man drei Jahre am Markt erfolgreich war.

Mit Special Editions (hier Drakensang: Am Fluss der Zeit) machen die Händler ordentliche Gewinne. Mit Special Editions (hier Drakensang: Am Fluss der Zeit) machen die Händler ordentliche Gewinne.

Kann man sich aus Ihrer Sicht noch erfolgreich als Händler im Markt etablieren?

Für jeden, der jetzt anfängt, wird es extrem schwierig. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass unser Konzept auf lange Sicht funktioniert hätte, also den Laden freundlich, nicht zugestellt und mit einer guten Beratung zu präsentieren, damit sich auch solche Leute dafür interessieren, die normalerweise nicht in Spieleläden gehen. Doch bei uns kommen sicherlich auch Fehler im Marketing dazu. Es haben bis vor vier Wochen noch Leute angerufen, die da erst von uns erfahren hatten, obwohl sie noch eigener Aussage sonst jeden Games-Laden in Nürnberg kennen. Abgesehen davon sind wir stark genug gewachsen, dass wir nächstes Jahr Geld verdient hätten. Nur dieses Jahr hätten wir noch Geld gebraucht, eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich. Der Betrag wäre zu den bisherigen Schulden hinzugekommen und hätte den Zeitpunkt noch einmal um Jahre verzögert, ab dem wir wirklich schwarze Zahlen hätten schreiben können. Genau diese Jahre habe ich am Ende nicht mehr gesehen. Die Branche entwickelt sich weg vom Einzelhandel. Egal ob das Experiment mit der PSP Go! nun ein Fehlschlag war oder nicht, wir werden in fünf bis sechs Jahren ein Modell haben, das zumindest in Teilbereichen so funktioniert wie der AppStore von Apple jetzt.

Die Zukunft gehört also virtuellen Läden wie Steam oder Gamesload?

Das ist definitiv die Richtung, in die es gehen wird. Wäre ich ein Spielepublisher, dann würde ich alles dafür tun, dass es bereits in zwei Jahren soweit ist.

Wollen das die Kunden?

Stellt sich beim iPhone jemand diese Frage? Offensichtlich ist das gewollt. Soweit ich weiß, gab es im AppStore bis jetzt zwei Milliarden Programm-Downloads bei viel weniger verkauften Geräten. Natürlich sind hier auch viele kostenlose Sachen dabei.

Lässt sich das mit einem Vollpreisspiel vergleichen? Bei Spielen, die auch als verpacktes Produkt im Handel erscheinen, sind die Publisher ja offenbar kaum bereit, die Preisvorteile einer digitalen Distribution an den Kunden weiterzugeben.

Natürlich nicht. Aber da haben die Publisher momentan schlicht noch das Problem, dass sie die Händler nicht vergraulen wollen, weil sie sie noch brauchen.

Flächenmärkte wie Media Markt kaufen Spiele in großen Mengen an und locken die Kundschaft mit Kampfpreisen. Flächenmärkte wie Media Markt kaufen Spiele in großen Mengen an und locken die Kundschaft mit Kampfpreisen.

Wenn es den Einzelhandel nicht mehr gäbe, würde ein Publisher bei Steam statt den jetzigen 50 Euro also nur noch 20 Euro für sein Spiel verlangen?

Im Prinzip ja. Ich weiß nicht, ob es wirklich nur 20 Euro wären oder vielleicht 35, aber definitiv weniger als 50 Euro.

Also ist es für den Kunden gut, dass Geschäfte wie das Ihre schließen?

Ich glaube nicht, dass Fachhändler wie wir so eine große Marktmacht sind. Die Masse von Spielen läuft in Deutschland nach wie vor über die Flächenmärkte Media Markt und Saturn oder über Kooperationen wie Electronic Partner und McMedia. Außerdem natürlich über Geschäfte wie Müller, die Spiele als Sortimentsauffüllung haben, und große Versandhändler wie Amazon.

Media Markt und Saturn sind gute Stichworte. Wie funktionieren diese sogenannten Discounter im Unterschied zu Einzelhändlern wie Ihnen?

Die verfolgen wieder ein anderes Geschäftsmodell. Sie arbeiten nicht in erster Linie mit der Gewinnspanne, sondern über vier Monate Zahlungsziel. Das heißt: Sie bekommen die Ware jetzt vom Hersteller, zahlen aber erst in vier Monaten dafür. Das Geld, das sie in der Zwischenzeit durch die Verkäufe einnehmen, bringt ihnen Zinsen. Das ist ihr Verdienst, deshalb können sich die Discounter niedrige Preise leisten. Als Einzelhändler muss ich sofort bezahlen. Ich habe nicht einmal 14 Tage Zahlungsziel. Für den Umsatz, der im Media Markt oder Saturn pro Quadratmeter erzielt wird, haben diese Märkte natürlich auch geringere laufende Kosten.

Zum Teil verkaufen diese Märkte Spiele unter Ihrem Einkaufspreis. Wie haben Sie solche Preisaktionen gespürt?

Wir hatten zum Glück bei vielen Neuerscheinungen ein Stammpublikum, das bei uns nette Leute vorgefunden und eine Tasse Kaffee bekommen hat und deshalb für fünf Euro Preisunterschied nicht noch mal einen halben Kilometer weiter bis zum nächsten Flächenmarkt gefahren ist.

Bei einer Marge von 1,50 Euro sind fünf Euro für Sie als Einzelhändler viel Geld. Wäre es nicht sogar günstiger für Sie, Spiele selbst im Flächenmarkt einzukaufen?

Das haben wir sogar teilweise gemacht. Ich glaube, das machen die meisten Fachhändler. Bei einem Preis von 25 Euro für ein Pokémon Gold oder Silber brauche ich nicht lange überlegen. Das geht natürlich nicht in Masse, da man selten mehr als fünf oder sechs Stück in einem Markt bekommt.

Wie kommt es zu diesen Kampfpreisen?

Dadurch, dass diese Geschäfte sehr viel größer sind, reden wir von ganz anderen Einkaufsmengen. Durch ihre Größe können sie mit den Publishern direkt zusammenarbeiten. Die Spielehersteller legen dann pro zehn gekaufter Spiele ein elftes drauf oder schießen Geld für Werbung zu, weil ihr Spiel ja auf einer vollen Zeitungsseite groß beworben wird. Als Flächenmarkt kann man dann den Einkaufspreis so rechnen, dass man zumindest nur ein paar Cent drauflegt.

In England kosten Spiele meist wesentlich weniger als im Euro-Raum. 25 Pfund entsprechen ungefähr 30 Euro. In England kosten Spiele meist wesentlich weniger als im Euro-Raum. 25 Pfund entsprechen ungefähr 30 Euro.

Viele Spieler setzen auf Importe aus England, weil dort die Preise für Spiele selbst mit Versandkosten unschlagbar niedrig sind. Wie sind Sie damit umgegangen?

Wir haben selbst UK-Ware verkauft. Bestimmte Großhändler in Deutschland haben sich darauf spezialisiert, sodass wir zum Beispiel das Playstation-3-Spiel Nier statt für 69,95 Euro für 49,95 Euro anbieten konnten. Direkt in England zu bestellen ist natürlich noch einmal günstiger.

Weshalb sollte man dann überhaupt noch Spiele im Laden kaufen?

Viele Kunden wollen die direkte Ansprache im Laden und suchen unsere Serviceleistungen. Es gibt auch ein großes Publikum, das unter 20 ist, keine Kreditkarte besitzt und deshalb einen Zehner mehr zahlt.

Schauen die Käufer bei Importen nur auf den Preis oder auch darauf, dass Spiele im Ausland ungeschnitten erscheinen?

Wir haben es grundsätzlich vermieden, geschnittene Versionen ins Sortiment zu nehmen. Für viele ist der Preis aber das Hauptargument. Wenn wir das neue Ratchet & Clank für 39,95 Euro anbieten, während die deutsche Version noch regulär 69,95 Euro kosten soll, greifen da natürlich viele zu.

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