Meinung: Warcraft 3 Reforged hätte nicht so sehr auf die Fans hören sollen

Auf seine Fans zu hören, ist in der Regel eine gute Sache. Für Warcraft 3: Reforged hätte Blizzard aber auch gut und gerne die Mehrheit ignorieren dürfen.

von Fabiano Uslenghi,
29.01.2020 01:00 Uhr

Hätte Warcraft 3 weniger auf die Fans hören sollen? Die ursprünglichen Pläne klangen zumindest vielversprechend. Hätte Warcraft 3 weniger auf die Fans hören sollen? Die ursprünglichen Pläne klangen zumindest vielversprechend.

Welche Bedeutung hat Warcraft 3 für euch? Zählt ihr zu den beinharten Fans, die seit 18 Jahren immer wieder zur Echtzeitstrategie-Legende zurückkehren und sich regelmäßig in Online-Partien messen? War das wegweisende RTS für euch das Tor in die Welt von World of Warcraft oder Dota? Oder vielleicht habt ihr auch einfach nur vor 18 Jahren dieses Spiel in euer CD-ROM-Laufwerk gelegt, die Kampagne durchgespielt und Warcraft danach zufrieden den Rücken gekehrt.

Ich gestehe, dass ich zur letzten Kategorie gehöre. Ich hatte meinen Spaß mit Warcraft 3. Habe die Vorgänger nicht gespielt, fand die Geschichte rund um den gefallenen Prinzen Arthas spannend, aber konnte mich danach weder für WoW, noch für Mobas begeistern.

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Vielleicht ist das einer der Gründe dafür, weshalb Warcraft 3: Reforged bei mir keine überschwänglichen, nostalgischen Gefühle auslöst. Ich freue mich auf eine Rückkehr nach Azeroth, aber der Gedanke daran lässt mich nicht in Ekstase verfallen. Deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, weshalb offenbar so viele Spieler Blizzard darum gebeten haben, den Kern von Warcraft 3 möglichst unangetastet zu lassen.

»Dem Original treu bleiben« nennen das die Entwickler. Für mich klingt das alles aber auch nach einer vergebenen Chance.

Was hätte sein können

Eins vorweg: Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich Warcraft 3: Reforged in seiner Release-Version noch nicht gespielt. Ich kann also unmöglich sagen, ob es sich um ein gelungenes Remaster handelt, oder ob der Funke dann doch nicht so wirklich überspringt.

Der Autor: Fabiano ist einer von diesen Menschen, die Strategiespiele in der Regel für ihre Kampagne lieben. Sei es jetzt Stronghold, Age of Empires oder eben Warcraft 3. All diese Spiele fanden in seiner Jugend eigentlich nur im Singleplayer statt. Umso erfreuter nahm er natürlich die Nachricht auf, dass Warcraft 3: Reforged an dieser Stelle ursprünglich sogar noch mal ordentlich nachlegen wollte. Andere Fans sind aber offensichtlich anderer Meinung gewesen, denn die ambitionierten Pläne für eine überarbeitete Kampagne wurden während der Entwicklung verworfen. Zum Leidwesen von Fabiano.

Aber der Entwicklungsprozess und die Entscheidungen dahinter sind kein sonderlich wohl gehütetes Geheimnis. Kürzlich habe ich zudem mit einigen der Entwickler sprechen können und sie nochmal genauer darüber befragt, was denn nun alles neu in Reforged ist. Das unterscheidet sich nämlich von dem, was ursprünglich versprochen wurde.

Maurice bezeichnete Warcraft 3: Reforged nach seiner Ankündigung noch als das Remaster, an dem sich jeder Entwickler ein Beispiel nehmen sollte. Denn die Entwickler planten nicht nur die Grafik deutlich zu verbessern, sondern auch in der Singleplayer-Kampagne neue Wege zu gehen.

Jedes Remaster sollte sich an Warcraft 3: Reforged ein Beispiel nehmen! 5:37 Jedes Remaster sollte sich an Warcraft 3: Reforged ein Beispiel nehmen!

Neue Handlungsstränge für Charaktere, die später in World of Warcraft wichtig werden. Hier und da eine neue Quest. Wie mir Production Director Kaeo Milker im Interview verraten hat, soll im Laufe der Entwicklung zwischenzeitlich sogar die »gesamte Kampagne von Warcraft 3 komplett neu geschrieben« worden sein. Bis sich Blizzard entschlossen hat, doch lieber kleinere Brötchen zu backen.

Was wir bekommen

Woher dieser Sinneswandel? Wie die Entwickler verraten, haben sie im Laufe der Entwicklung unter anderem Feedback von Fans erhalten, die nicht wollten, dass sich Blizzard mit dem Remaster zu weit von dem entfernt, was sie vor 18 Jahren geliebt haben.

"Während der Entwicklung, hatten wir eine Menge verschiedener Ideen, wie wir das Ganze angehen wollen. Aber als wir immer weiter in die Entwicklung kamen, manifestierte sich die Idee, der originalen Geschichte so treu wie möglich zu bleiben. [...] Auf Basis des internen wie externen Feedbacks beschlossen wir schließlich, dem Weg des Originals zu folgen. "

Grundsätzlich kann ich Blizzards Ehrfurcht vor dem Original durchaus nachvollziehen. Immerhin ist die hochgelobte Story einer der Dinge, denen Wacraft 3 seinen legendären Status verdankt. Hätte Blizzard hier gepfuscht, wäre eine ausgewachsener Shitstorm unausweichlich geworden.

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Ich persönlich hätte mich aber über eine überholte Kampagne gefreut. Ich mochte Warcraft 3 und mag es immer noch. Aber ich glaube, die Geschichte ist weit davon entfernt perfekt zu sein. Hier hätte Blizzard wirklich nochmal einen ganz neuen Mehrwert für ihr Remaster liefern können. Ähnlich wie es auch Microsoft mit den Kampagnen-Ergänzungen für die Definitive Edition von Age of Empires 2 geschafft hat.

Dass Blizzard bei Warcraft 3: Reforged davor offenbar zurück schreckte, macht Reforged nicht zwangsweise zu einem schlechten Remaster. Und ich kann mir gut vorstellen, dass eine Entscheidung zugunsten der Nostalgie und gegen eine neue Geschichte sich letztlich für die Entwickler auszahlt. Trotzdem trauere ich dieser vergebenen Chance ein wenig hinterher und wünsche mir, Blizzard hätte dem Feedback der Fans vielleicht etwas weniger Gehör geschenkt.

Vielleicht macht Blizzard Fabiano ja mit einem richtigen Nachfolger glücklich - aber die Chancen für Warcraft 4 stehen schlecht, wie Kollege Peter im Plus-Essay darlegt.

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