Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.
Wir hetzen durch unseren Alltag, versuchen unsere Zeit so effizient wie möglich einzusetzen und trotzdem ist es nie genug.
Wenn plötzlich jemand auftauchen und uns anbieten würde: »Hey, du kannst deine Zeit für die wirklich schönen Dinge aufsparen, wenn du einfach nur das und das tust.« Würde da nicht jeder von uns in Versuchung kommen? Genau das passiert im Fantasy-Streifen Momo.
Ich durfte ihn mir bereits vorab anschauen und bin zwiegespalten. Denn obwohl der Film kaum emotionaler sein könnte, lässt er mich an den meisten Stellen kalt. Warum, das erfahrt ihr in meiner spoilerfreien Kritik.
Worum geht’s in Momo?
Vor rund 52 Jahren veröffentlichte Michael Ende seinen Roman »Momo.« Mittlerweile ist er mit sieben Millionen verkauften Exemplaren das zweiterfolgreichste Werk des deutschen Schriftstellers (Platz 1 belegt »Die unendliche Geschichte«).
Insgesamt viermal wurde Momo schon verfilmt. Seit der letzten Adaption sind bereits 22 Jahre ins Land gezogen, und die Geschichte wird jetzt für die große Leinwand noch einmal neu aufgerollt. Am 2. Oktober 2025 erscheint das Werk von Regisseur Christian Ditter (How to Be Single, Vorstadtkrokodile) dann in den Kinos.
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Momo: Michael Endes Fantasy-Klassiker kehrt am 2. Oktober 2025 in die deutschen Kinos zurück
Kurz zur Story: Ein kleines Mädchen namens Momo (Alexa Goodall) lebt in den Ruinen eines Amphitheaters. Sie besitzt die besondere Gabe, den Menschen aufmerksam zuzuhören und schenkt ihnen nur allzu gerne ihre Zeit.
Eines Tages tauchen unheimliche, graue Gestalten in der Stadt auf und überreden die Menschen dazu, ihre eigene Zeit lieber zu sparen. Dabei reißen sie sich das wertvolle Gut jedoch selbst unter den Nagel, und Momo setzt alles daran, die bizarren Gestalten aufzuhalten. Unterstützung bekommt sie dabei von der Schildkröte Kassiopeia und dem Hüter der Zeit und des Alters, Meister Hora (Martin Freeman).
Für wen ist Momo interessant?
Auf den ersten Blick sticht einem vor allem die internationale Besetzung ins Auge, in der sich Darsteller aus verschiedenen Fantasy-Epen tummeln. Sei es Kim Bodnia aus der Netflix-Serie The Witcher, der Momos Mentor Beppo verkörpert, oder Martin Freeman aus Der-Hobbit-Trilogie. Schauspielerisch ist der Cast demnach gut aufgestellt.
Der wirkliche Star des Films ist jedoch die freche Schildkröte, die Momo auf ihrem gefährlichen Abenteuer begleitet. Kassiopeia kommuniziert über ihren Panzer, auf dem in goldener Schrift ihre Antworten erscheinen. Dabei sorgt sie regelmäßig für den ein oder anderen liebevollen Schmunzler, denn das Reptil nimmt absolut kein Blatt vor den schuppigen Panzer. Das dürfte gerade bei Kindern gut ankommen.
Wo ich auch gleich zu einem wichtigen Punkt komme: Ist Momo ein reiner Kinderfilm? Nein. Sowohl große als auch kleine Kinobesucher können etwas mitnehmen. Sei es die Verzauberung durch eine Fantasy-Welt oder die Einstellung, dass Zeit zwar ein kostbares Gut ist, aber trotzdem nicht an den falschen Stellen gespart werden sollte. Zuhören, Geduld, Freundschaft - all das spielt eine wichtige Rolle.
Obwohl die Thematik kaum emotionaler aufgeladen sein könnte, kommen die Gefühle jedoch nicht richtig bei mir an - die Handlung nimmt sich einfach nicht genug Zeit (klingt ironisch, ich weiß). In seinen 91 Minuten beleuchtet der Film zu wenig, was für große Auswirkungen die Zeiteinsparung auf die Menschheit nimmt.
Es wird zwar hier und da angedeutet, dass die Stadtbewohner nicht glücklich sind, aber gerade in diesem Teil fehlt die Tiefe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man die Probleme für junge Zuschauer so leicht verständlich wie möglich halten will.
Stärken und Schwächen von Momo
Was mir an Momo gefallen hat
- Die Botschaft: Auch nach über 50 Jahren ist Zeitmanagement ein riesiges Thema in unserer Gesellschaft und das wird es vermutlich auch immer bleiben. Der Film schafft, dass ich trotz des ganzen Stresses in meinem Leben nach dem Kinobesuch denke: »Ach, ich habe doch alle Zeit der Welt. Wieso mache ich mir eigentlich so einen Druck?« Und das ist einfach schön.
- Die Titelheldin: Hauptdarstellerin Alexa Goodall bringt schauspielerisch wirklich gut herüber, was Momo ausmacht: die kindliche, leicht naive Einstellung zur Lebenszeit, und die Hoffnung, die sie ausstrahlt und mit der sie alle anderen verzaubert. Jede Welt braucht ihre eigene Momo.
- Der Umgang mit KI: Momo verbindet die klassische Geschichte von Michael Ende auf realistische Art und Weise mit futuristischen Problemen, die mittlerweile gar nicht mehr so weit in der Zukunft liegen. Technologie wird dafür genutzt, den Menschen die Zeiteinsparung zu erleichtern. Das hat natürlich sowohl Vor- als auch Nachteile - genau wie in der echten Welt.
Was mir an Momo nicht gefallen hat
- Zu wenig Erklärung: Meistens beschwere ich mich darüber, wenn ein Film zu viel erklärt, aber hier hätte ich mir das tatsächlich gewünscht. Denn die Verbindung der originalen Geschichte mit neuartiger Technologie ist zwar spannend, aber oft fehlt der Kontext. Wie funktionieren die im Trailer gezeigten Armbänder? Wie genau speichern die grauen Gestalten die Zeit? Es muss ja auch keine langatmige Erläuterung sein, ein paar Info-Häppchen nebenbei hätten mir gereicht.
- Der Höhepunkt: Ab der Hälfte plätschert die Handlung vor sich hin und das große Finale ist nicht so kraftvoll, wie es eigentlich sein sollte. Welche Folgen die Taten der grauen Gestalten haben, wird zwar angedeutet, aber nicht tiefergehend beleuchtet. Das wäre aber für den Spannungsaufbau wichtig gewesen. Die Emotionen flauen daher bereits nach der ersten halben Stunde wieder ab.
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