Es klingt wie der Plot eines Agenten-Thrillers, doch laut einem Bericht von Insider Gaming ist dies die aktuelle Realität bei Build a Rocket Boy. In einer internen Videokonferenz, die Ende Januar stattfand und deren Aufzeichnung Insider Gaming vorliegt, richtete sich Co-CEO Mark Gerhard mit brisanten Informationen an die Belegschaft.
Das Studio sei Opfer einer gezielten Sabotage-Kampagne geworden. Gerhard verkündete selbstbewusst, man habe die Verantwortlichen gefasst, die hinter den Angriffen auf den Ruf des Studios und des umstrittenen Shooters Mindseye stecken, der zum Release im Sommer 2025 krachend gefloppt war.
Gezielte Rufschädigung für viel Geld
Laut den Aussagen im Meeting steckt hinter der angeblichen Kampagne ein »sehr großes amerikanisches Unternehmen«. Gerhard betonte jedoch kryptisch, dass es sich dabei wahrscheinlich nicht um die Firma handele, an die man im ersten Moment vielleicht denke. Das Budget für diese Schmierkampagne bezifferte der CEO auf über eine Million Euro, die allein im Jahr 2025 geflossen sein sollen.
Die Vorwürfe wiegen schwer: Das US-Unternehmen soll die im Vereinigten Königreich ansässige Firma Ritual Network beauftragt haben, die Gerhard im Meeting als »einen Haufen Gangster« bezeichnete. Diese Agentur habe als Mittelsmann fungiert, um die Sabotageakte durchzuführen.
Das Ziel sei dabei gewesen: Den Ruf von Build a Rocket Boy zu zerstören und das Vertrauen in Mindseye systematisch zu untergraben.
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Mindseye im Test: Diese Open World ist einfach nur zum Glotzen
Bestochene Influencer, Journalisten und Maulwürfe
Besonders brisant sind die Details zu den angeblich involvierten Personen. Gerhard behauptet, dass Ritual Network Geld an verschiedene Akteure verteilt habe. Konkret nannte er den GTA-YouTuber Cyber Boi, dem er laut eigenen Angaben kürzlich bereits rechtliche Schritte via Discord angedroht hatte.
Doch damit nicht genug: Auch drei namentlich nicht genannte Journalisten sowie eigene Mitarbeiter von Build a Rocket Boy sollen Zahlungen erhalten haben, um dem Studio von innen und außen zu schaden.
Die Konsequenzen für die Beteiligten sollen drastisch ausfallen. Gerhard kündigte an:
»Allen diesen Personen werden in Kürze persönlich Strafanzeigen zugestellt. [...] Jeder, der daran beteiligt ist, hat echte Probleme, einschließlich der Firma, die dahintersteckt. Das ist der Beginn unseres Comebacks.«
Reaktion der Gegenseite und offizielle Statements
Natürlich stehen diese massiven Anschuldigungen nicht unwidersprochen im Raum. Insider Gaming konfrontierte Ritual Network mit den Vorwürfen, und die Agentur bestreitet jegliche Verwicklung.
In einem Statement erklärte Ritual Network, man sei eine Support-Plattform für Creators und in die genannte Angelegenheit nicht involviert. Man wisse nichts von legitimen rechtlichen Schritten und habe keinerlei Beweise für die Behauptungen erhalten. Jede Verbindung zu diesen Anschuldigungen sei falsch.
Auch Build a Rocket Boy äußerte sich auf Nachfrage offiziell, wenn auch zurückhaltender als der CEO im internen Kreis. Ein Sprecher wollte geleakte interne Kommunikation zwar nicht kommentieren, bestätigte aber den Kern der Sache:
»Leider haben wir Beweise dafür, dass es eine koordinierte Kampagne gab, um den Ruf von Build a Rocket Boy vorsätzlich und böswillig zu schädigen und das Vertrauen in Mindseye zu untergraben.«
Zum Release von Mindseye im Juni 2025 verweigerten die Macher gegenüber GameStar einen Review-Key, wodurch sich der Test verzögerte - doch die katastrophalen Steam-Reviews zeichneten bereits ein eindeutiges Bild. Nach dem kommerziellen Misserfolg wurden 100 Entwickler gefeuert.
Namen der »Täter« sollen ins Spiel integriert werden
Was die Geschichte endgültig kurios macht, ist der Plan von Mark Gerhard, wie das Studio mit dem Skandal im Spiel selbst umgehen will. Er kündigte an, die Namen der angeblichen Saboteure und »die Fakten des Falls« für das eigene Spiel zu nutzen.
»Wir werden einige dieser Namen in unsere kommende Spionage-Mission einbauen«, so Gerhard. Laut Informationen von Insider Gaming handelt es sich dabei um eine überarbeitete Version einer ursprünglich geplanten Hitman-Mission. Diese war angekündigt worden, bevor sich das Studio vom Publisher IOI trennte.
Gerhard formulierte es im Meeting kämpferisch:
»Wir haben ein paar Schläge eingesteckt. Wir haben immer wieder die andere Wange hingehalten, während wir intern alles in Ordnung gebracht haben. Und jetzt ist es Zeit, das Ganze wie beim Judo zu kontern. Und, wisst ihr, lasst uns auch ein bisschen Spaß dabei haben. Am Ende des Tages sind wir Geschichtenerzähler, wir sind Spieleentwickler.«
Umstrittene Überwachung der eigenen Mitarbeiter
Der interne Leak offenbart jedoch auch Maßnahmen, die innerhalb der Belegschaft für Unruhe gesorgt haben dürften. Im Kontext der Sabotage-Vorwürfe rechtfertigte Gerhard die Installation einer erweiterten Cybersicherheits-Software auf den Rechnern der Angestellten. Dabei handelt es sich laut Quellen um das Programm Teramind.
Diese Software erlaubt eine weitreichende Überwachung, inklusive der Aufzeichnung von Tastenanschlägen und Bildschirmaktivitäten, um interne Bedrohungen zu erkennen. Die Software wurde offenbar ohne vorheriges Wissen der Mitarbeiter ausgerollt.
Gerhard gab im Meeting zu, dass dies zu »Verwirrung, Ärger und Misstrauen« geführt habe. Er hasse die Tatsache, dass man überhaupt überwachen müsse:
»Ich denke, es versteht sich von selbst, dass wir 99,9 Prozent dieses Unternehmens vertrauen können. Das Problem ist das eine Prozent«
Er übernehme die volle Verantwortung für die schlechte Kommunikation und hoffe, die Maßnahmen in den nächsten drei Monaten wieder entfernen zu können.
Die harte Realität auf Steam
Während die Führungsetage also internationale Verschwörungen aufdeckt und virtuelle Rachefeldzüge plant, hat das Team am 4. Februar Update 7 für Mindseye veröffentlicht. Der Patch bringt laut Patch-Notes KI-Verbesserungen und für Besitzer der Deluxe Edition das »Silva E-Series«-Straßenrennen.
Ein Blick auf die nackten Zahlen lässt allerdings vermuten, dass die Probleme von Mindseye weniger mit einer geheimen Verschwörung zu tun haben, sondern schlicht mit dem Spiel selbst.
Trotz des Updates dümpeln die Steam-Reviews weiterhin bei mageren 42 Prozent Zustimmung. Noch alarmierender sind die Spielerzahlen: In den vergangenen Tagen verirrten sich oft nur noch Spieler im zweistelligen Bereich gleichzeitig auf die Server.
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