Moon Knight: Marvel hat lange nicht mehr so viel Spaß gemacht!

Meinung: Moon Knight hat das Potenzial, die bisher beste Marvel-Serie zu werden. Das meint zumindest Vali, der mit der Comic-Vorlage eigentlich gar nicht mal so viel anfangen kann.

von Vali Aschenbrenner,
08.04.2022 11:34 Uhr

Bisschen brutaler und düsterer als andere Marvel-Helden: Moon Knight. Bildquelle: DisneyMarvel Studios Bisschen brutaler und düsterer als andere Marvel-Helden: Moon Knight. Bildquelle: Disney/Marvel Studios

Verdammt, das kann noch eine richtig gute Serie werden, denke ich mir unmittelbar nach der ersten Folge Moon Knight. Die neueste Marvelserie ist am 30. März 2022 auf Disney Plus gestartet, und seit Westworld und Watchmen habe ich dem Release einer neuen Episode nicht mehr so sehr entgegengefiebert.

Doch was genau macht Moon Knight besser als die anderen TV-Serien oder auch Filmen des Marvel Cinematic Universe? Tatsächlich liegt die Stärke von Oscar Isaacs Superhelden-Debüt darin, einen Charakter ins Rampenlicht zu rücken, der eigentlich so gar nicht in Disneys familienfreundliche Riege passt. Außerdem gelingt Moon Knight etwas, an dem viele anderen Marvel-Produktionen scheitern: sich selbst ernst zu nehmen.

Über den Autor: Valis Comicregal quillt mittlerweile so sehr über, dass er selbst seinen Kollegen den ein oder anderen Band anzudrehen versucht - fragt nur mal Dimi oder Mary. Allerdings hat er sich bis dato nicht allzu viel mit Marvels Batman Moon Knight auseinandergesetzt. Die TV-Serie mit Oscar Isaac ändert das aber just in diesem Augenblick. Valis Comic-Händler des Vertrauens ist informiert und es muss wohl bald ein neues Regal her.

Seid ab dieser Stelle übrigens vor leichten Spoilern gewarnt: In dieser Serienkritik gehe ich zwar lediglich auf die Geschehnisse der ersten Folge ein, thematisiere aber auch ein paar Auswirkungen auf die zweite Episode. Im Fokus steht aber das Das Goldfisch-Problem, welche mich dazu veranlasst, große Erwartungen an die noch kommenden Folgen zu hegen.

Moon Knight: Erster Trailer mit Oscar Isaac verspricht eine düstere Marvel-Serie 1:57 Moon Knight: Erster Trailer mit Oscar Isaac verspricht eine düstere Marvel-Serie

Zu viel der Guten?

Um vorneweg klarzustellen: Natürlich bin ich noch immer ein Fan des Marvel Cinematic Universe. Bei der schieren Masse an neuen Filmen und TV-Serien hinterlassen allerdings nur wenige echte Highlights einen bleibenden Eindruck. Gerade bei den Marvel-Serien bleibt in meinen Augen noch Luft an oben.

Während beispielsweise WandaVision mit einer spannenden Prämisse aufwartete, fällt das Finale in den altbekannten Superhelden-08/15 zurück. Loki gräbt wiederum einen Charakter aus, dessen Geschichte eigentlich längst ein äußerst befriedigendes Ende gefunden hatte und lässt mich entsprechend kalt. The Falcon and the Winter Soldier dreht sich ebenfalls im Kreis, was die Geschichte und Entwicklung seiner Hauptfiguren angeht: im Finale der ersten Staffel lande ich am am selben Punkt, wie schon in den letzten Minuten von Avengers: Endgame.

Mein bisheriges Highlight stellte tatsächlich Hawkeye dar: Als großer Fan der direkten Vorlage My Life as a Weapon von Matt Fraction bin ich aber auch entsprechend voreingenommen. Hawkeye profitierte dennoch von einer weitaus persönlicheren Geschichte im kleineren Rahmen. Und obwohl ich Clint Bartons Solo-Abenteuer für die aktuell beste Serie halte, hat Moon Knight das Potenzial, die nochmal zu übertrumpfen.

Einen Überblick zu allen neuen TV-Serien des Marvel Cinematic Universe auf Disney Plus bekommt ihr übrigens hier:

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Was Moon Knight für mich besonders macht

Warum mich Moon Knight schon in der ersten Folge überzeugte, kann ich an drei ganz konkreten Punkten ausmachen:

#1: Der Held

In der ersten Folge lernen Moon Knight genau genommen gar nicht kennen. Stattdessen dreht sich die Episode um Steven Grant - einen ungeschickten Außenseiter, der von seiner Chefin gemobbt, Kollegen nicht ernst genommen wird und sich irgendwie auch ständig selbst im Weg steht. Steven Grant gleicht damit sogar ein wenig Peter Parker - allerdings ohne dessen Superhelden-Alter-Ego.

Steven versucht also wie schon Spider-Man vor ihm einfach nur seinen nervtötenden Alltag zu bewältigen, während er in eine Welt hineingezogen wird, die Fantastisches und Wahnsinniges für ihn bereithält. Dass sich dieses Konzept bereits bewährt hat, muss ich an dieser Stelle niemandem erzählen: Neun Kinofilme um die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft in den letzten 20 Jahren sprechen Bände.

Steven wird aber nicht einfach so im Handumdrehen zum heroischen Verbrechensbekämpfer, indem er sich eine Maske überstülpt. Stattdessen stellt sich heraus, dass der Superheld eigentlich eine ganz andere Person beziehungsweise Persönlichkeit ist: Marc Spector, ein ruchloser und kampferprobter Söldner, mit dem sich Steven einen Körper teilt. Und dann wäre da ja noch die ägyptische Gottheit Khonshu, die offensichtlich Marc Kräfte und Kostüm verleiht.

Was für ein Spiel betreibt Khonshu (F. Murray Abraham)? Die ägyptische Gottheit hat offensichtlich wenig Liebe für Steven übrig. Bildquelle: DisneyMarvel Studios Was für ein Spiel betreibt Khonshu (F. Murray Abraham)? Die ägyptische Gottheit hat offensichtlich wenig Liebe für Steven übrig. Bildquelle: Disney/Marvel Studios

Aus erzählerischer Sicht ist das natürlich ein geschickter Schachzug. Denn so lernen wir gemeinsam mit dem ahnungslosen Steven eine völlig neue Facette des Marvel Cinematic Universe kennen. Gleichzeitig ist Steven eine verdammt tragische Figur, die unter multiplen Persönlichkeiten und psychischen Problemen leidet und mit der man leicht sympathisiert.

Hier hilft offensichtlich das Talent des schauspielerischen Schwergewichts Oscar Isaac (Star Wars, Ex Machina), der mit Leichtigkeit zwischen verschiedenen Akzenten und den Eigenheiten in Gestik und Mimik wechselt, die die jeweiligen Persönlichkeiten mit sich bringen. Isaac dabei zuzusehen, im Bruchteil einer Sekunde zu einer völlig neuen Person zu werden, macht einfach Spaß.

Natürlich wird mit Stevens Werdegang der Weg zu einer recht klassischen Origin Story geebnet, wie es sie im Marvel Cinematic Universe bereits nicht zu knapp gibt. Moon Knight würzt aber Altbekanntes mit völlig neuen Einflüssen und hebt sich so von Filmen und Serien des Film-Universums spürbar ab. Dieses Potenzial darf Moon Knight in den kommenden Folgen natürlich nur nicht verschenken.

Die Dynamik zwischen Steven (Oscar Isaac) und Marc (Oscar Isaac) könnte sich im weiteren Verlauf noch in eine ziemlich spannende Richtung entwickeln. Bildquelle: DisneyMarvel Studios Die Dynamik zwischen Steven (Oscar Isaac) und Marc (Oscar Isaac) könnte sich im weiteren Verlauf noch in eine ziemlich spannende Richtung entwickeln. Bildquelle: Disney/Marvel Studios

#2: Keine(!) Action

Das Tolle an der Action zu Moon Knight ist, dass sich sie so gut wie gar nicht zu sehen bekomme. Das liegt aber nicht an einem fürs Actionkino typische Schnittgewitter, sondern einem bereits erwähnten erzählerischen Kniff. Denn Episode 1 der Marvel-Serie wird aus der Perspektive von Steven Grant erzählt. Und der ist ungefähr genauso kampferprobt wie sein Goldfisch, um den er sich so sehr sorgt.

Wird es also brenzlig, übernimmt Marc die Kontrolle und wie Steven bekommen wir ausschließlich die Schneise der Verwüstung offenbart, die zurückbleibt. Ein geschickter Kniff, der gerade in der ersten Folge das Mysterium um Steven, Marc, Moon Knight und Khonshu unterstreicht und Lust auf mehr macht. Denn wie in guten Horrorfilmen macht mich eben das am neugierigsten, was mir die Kamera vorenthält.

Diese Idee soll und kann Moon Knight natürlich nicht überstrapazieren. Für das erste Kennenlernen und das Etablieren eines großen Mysteriums aber eine Idee, die sich in der Pilotfolge allemal bezahlt macht.

#3: Der Humor

Den typischen Marvel-Humor bin ich mittlerweile richtig leid. Viel zu oft werden tragische oder dramatische Szenen ihrer Tragweite beraubt, indem direkt danach ein obligatorischer flapsiger Spruch oder ein deplatzierter Gag kommen muss. Selbst humoristische begabte Regisseure wie zum Beispiel James Gunn sind vor diesem Problem nicht gefeit

Umso erfrischender ist, dass Moon Knight zumindest bis jetzt eine ganz andere komödiantische Schiene einschlägt. Statt blöder Sprüche von der Reservebank gibt es weitaus subtilere Witze, die sich nicht unnötig in den Vordergrund drängen. Dass mich Händewinken, ein Mittelfinger oder Avatar (sowohl der Film, als auch der Anime) so zum Lachen bringen, hätte ich Moon Knight definitiv nicht zugetraut.

Wie sieht eigentlich die Zukunft von Moon Knight aus?

Ungewisse Zukunft: Zum aktuellen Zeitpunkt steht nicht fest, ob Moon Knight eine zweite Staffel oder Auftritte in den Marvel-Kinofilmen kommt. Überraschenderweise hat sich Oscar Isaacs Verpflichtung mit der einen Season nämlich bereits erledigt (wie Variety berichtet) - der Schauspieler aus Filmen wie den Star Wars-Sequels hat sich vertraglich mit Disney bisher nur auf insgesamt sechs Folgen geeinigt.

Doch wie ungewiss ist die wirklich? Aber natürlich dürfte der Rückkehr von Moon Knight auf lange Sicht nichts entgegenstehen. Immerhin kommen die ersten beiden Folgen bisher bei Fans recht gut an, bei den Zuschauerzahlen reiht sich die Serie direkt hinter Platzhirsch Loki ein und Oscar Isaac ist ein Name, der seine Fans vor den Fernseher oder ins Kino zieht.

An Kinofilmen wird es dem Marvel Cinematic Universe in den kommenden Jahren ohnehin nicht mangeln. Eine Übersicht bekommt ihr hier:

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Ich wäre damit immens überrascht und auch ein klein wenig enttäuscht, würde Moon Knight keine Staffel 2 oder eine Zukunft in den Kinofilmen des Marvel Cinematic Universe spendiert bekommen. Und ja, das noch bevor ich die erste Staffel überhaupt zu Ende gesehen habe.

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