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Mosaic im Test: Das wohl ungewöhnlichste Adventure des Jahres

Surreal, beängstigend, sehenswert. Das Point&Click-Adventure Mosaic verdient sich in unserem Test viele Attribute. Aber vor allem überrascht es uns mit der Erkenntnis, dass eine düstere Erzählung über die Einsamkeit auch ein tolles Spiel abgeben kann.

von Manuel Fritsch,
05.12.2019 18:38 Uhr

Allzu viel optische Abwechslung steckt zwar nicht in Mosaic, aber der Lowpoly-Look sieht trotzdem schick aus. Allzu viel optische Abwechslung steckt zwar nicht in Mosaic, aber der Lowpoly-Look sieht trotzdem schick aus.

Der Handy-Wecker klingelt und reißt uns aus dem Schlaf. Nur unter großer Anstrengung gelingt es, den schlaffen Körper in eine aufrechte Sitzhaltung zu bewegen. Der Weg ins Bad fühlt sich an wie ein Marathonlauf, die furchterregende Fratze im Spiegel trägt nicht dazu bei, die Stimmung zu heben. Krawatte grade, Frisur richten und Zähne putzen: Das Mindestmaß an täglicher Hygiene, die nötig ist, um nicht unangenehm aufzufallen.

Für Frühstück bleibt keine Zeit. Eine Mail-Benachrichtigung aus dem Büro erinnert uns daran, dass wir bei weiteren Verspätungen den Arbeitsplatz verlieren. Außerdem werden wir darüber informiert, dass uns die bisherige Fehlzeit von 6 Minuten und 12 Sekunden selbstverständlich vom Lohn abgezogen wird.

Einziger Lichtblick auf dem Weg zur Arbeit ist eine Runde »Blip Blop«. Das angesagte Mobilegame ist simpel und doch seltsam befriedigend. Ein Druck auf den Bildschirm erzeugt einen »Blip«. Haben wir mehrere Tausend Blips zusammen, können wir Verbesserungen freischalten, die automatisch Punkte sammeln. Das Endlos-Klickergame wird in der ganzen Stadt beworben - und anders als in der Dating-App »Love« erfahren wir hier wenigstens positive Rückmeldung.

Grau in Grau in Grau

Willkommen in der bedrückenden Welt von Mosaic. In der Rolle eines namenlosen Angestellten erleben wir tagein, tagaus denselben monotonen Alltag in der anonymen Großstadt. Im Leben unseres traurigen Protagonisten gibt es keinen Lichtblick, keine Hobbys oder Freunde.

Mosaic - Teaser-Trailer 1:18 Mosaic - Teaser-Trailer

Er lebt allein in einer spärlich eingerichteten Hochhauswohnung mit Hunderten von Nachbarn, von denen sich doch niemand kennt. Nicht einmal bei der morgendlichen Aufzugfahrt wird gegrüßt. Der Briefkasten quillt über mit unbezahlten Rechnungen, und der Blick in den Kühlschrank offenbart nur ein paar Kekse und eine halbleere Milchpackung.

Dass die Titelfigur in einer depressiven und emotional schwierigen Phase steckt, machen die Entwickler von Krillbite durch die grafische Gestaltung mehr als deutlich. Die Farbpalette ist extrem reduziert, die Menschen tragen schwarz, und die dunklen Wege zwischen den Wolkenkratzern lassen keinen Blick auf den Himmel zu, aber der würde ohnehin von finsteren Smog-Schwaden verdeckt. Natürlich regnet es permanent, als wären wir inmitten der Dreharbeiten zum nächsten »Blade Runner«.

Surreale Lichtblicke in einer trostlosen Welt

Doch eines Tages geschehen seltsame Dinge auf dem Weg zur Arbeit. Ein plötzlich aufschwingendes Tor an einem Bauzaun, das unsere Neugier weckt. Oder ein gelber Schmetterling im Einheitsgrau, der uns minutenlang fasziniert. Oder die Musik von Straßenmusikanten, die uns aus dem Alltagstrott reißt und im wahrsten Sinne des Wortes alles um uns herum vergessen lässt.

In den unerwarteten Überraschungsmomenten im ansonsten sehr grauen Leben des Protagonisten wird das Spiel schlagartig bunt. Nicht gerade subtil, aber wirkungsvoll in Szene gesetzt. In den unerwarteten Überraschungsmomenten im ansonsten sehr grauen Leben des Protagonisten wird das Spiel schlagartig bunt. Nicht gerade subtil, aber wirkungsvoll in Szene gesetzt.

In solchen Momenten wandelt sich das bis zu diesem Zeitpunkt eher simple Adventure in einen interaktiven Tagtraum und nutzt das audiovisuelle Potential des Mediums Computerspiel voll aus. Ohne zu viel zu verraten: Es wird sehr, sehr surreal und im eigentlichen Wortsinn »fantastisch«.

Diese Szenen fangen die Ängste, als kleines Zahnrädchen eines großen Konzerns in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, perfekt ein. Ein sehr plastisches Beispiel: Mal sehen wir unsere Spielfigur inmitten einer anonymen Menschenmenge schrumpfen und immer kleiner werden, bis sie schließlich als menschlicher »Kaugummi« unter der Schuhsohle eines Passanten landet. Als wäre das nicht schon abgedreht genug, wird das Geschehen von einem sarkastischen Goldfisch kommentiert. Auch klassische Albtraummotive, wie die Panik komplett orientierungslos unter Wasser nach Luft zu ringen, werden audiovisuell toll eingefangen.

Mehr Story-Experiment als klassisches Spiel

Spielerisch gibt es in Mosaic dagegen wenig zu tun. Mit der Maus oder dem Gamepad lenken wir wie in einem Point-and-Click-Adventure die Spielfigur zu den markierten Interaktionspunkten, um die Story voranzutreiben. Echte Entscheidungen treffen wir keine, auch Rätsel oder Inventarmanagement gibt es nicht. Das Adventure läuft starr linear ab - wir können nicht einfach nicht zur Arbeit zu gehen oder einen anderen Weg einschlagen. Auf diese Einschränkung muss man sich als Spieler einlassen.

Etwas mehr Interaktion wartet dafür in der namensgebenden Firma Mosaic. An unserem Arbeitsplatz erledigen wir die anfallenden Aufgaben, die in Form eines kurzweiligen Aufbaupuzzles präsentiert werden. Ziel ist es, sechseckige Waben zu einer Art Turm aufzubauen, bis eine vordefinierte Marke erreicht ist. Mit der Expansion der Basiswabe lassen sich mehr Arbeitereinheiten generieren, die den Bau von weiteren Waben beschleunigen.

Am Arbeitsplatz müssen wir ein etwas aufgesetzt wirkendes Minispiel absolvieren. Kurzweilig, aber ohne großen spielerischen Reiz oder Bezug zur Story. Am Arbeitsplatz müssen wir ein etwas aufgesetzt wirkendes Minispiel absolvieren. Kurzweilig, aber ohne großen spielerischen Reiz oder Bezug zur Story.

Diese motivierenden Herausforderungen werden mit jedem weiteren Anlauf etwas schwerer, das Spielprinzip wird mit kleinen Neuerungen wie Portalen oder gegnerischen Einheiten aufgelockert. Das Clickergame »Blip Blop« auf dem virtuellen Smartphone der Figur, eine Dating-App im Stil von Tinder sowie ein Börsenticker sind zwar voll funktionsfähig, aber komplett optional. Die Sinnlosigkeit in der Beschäftigung mit ihnen ist Teil der Botschaft des Adventures.

Insgesamt ist Mosaic ein sehr kurzes, aber intensives Erlebnis ohne großen Wiederspielwert. Nach bereits zwei bis drei Stunden haben wir alles gesehen. Doch das Erlebte ist so ungewöhnlich und erfrischend surreal, dass es noch lange nach dem Abspann nachwirkt. Krillbite verpackt die Ängste und Sorgen der modernen Gesellschaft in einen sehenswerten und künstlerischen Albtraum, der gleichermaßen beängstigt und begeistert.

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