Die PlayStation 5 und der PC stehen für Sony endlich fast auf einer Stufe

Die neue Steam-Bezeichnung PlayStation PC ist für Sören ein klares Zeichen dafür, wie wichtig wir PC-Spieler für die Hersteller geworden sind.

von Sören Diedrich,
01.11.2021 08:22 Uhr

Viele Jahre blieb uns PC-Spielern nur der neidische Blick rüber ins PlayStation-Lager, wenn über die grandiosen Exklusivtitel für Sonys Konsole berichtet wurde. Was für ein unvergessliches Abenteuer Kratos gemeinsame Reise mit seinem Sohn in God of War sei. Wie viele Tränen man vergossen habe, als sich Joel in The Last of Us für Ellie entscheidet. Und wie atemberaubend die farbenprächtigen Landschaften der Insel Tsushima aussehen, wenn sich Jin auf seinem Pferd auf den Weg zum nächsten Mongolenlager in Ghost of Tsushima macht.

Alles kleine Nadelstiche in die Herzen der PC-Spieler, die sich doch auch gute Einzelspieler-Blockbuster wünschen. Doch das kürzlich auf Steam aufgetauchte PlayStation PC-Label auf Steam ist ein klares Zeichen dafür, dass Sony uns gehört hat - und der PC nicht mehr länger das fünfte Rad am Plattform-Wagen ist.

Update vom 2. November 2021: Basierend auf Informationen von der PR-Abteilung von Sony haben wir den Artikel leicht überarbeitet, um klarzustellen, dass es sich bei PlayStation PC nicht zwangsläufig um eine neue Abteilung im Unternehmen handeln muss, sondern dies auch eine simple Namensanpassung auf Steam sein kann. Dennoch halten wir an der Aussage der Kolumne fest: Dass PlayStation den PC so offiziell anerkennt, ist ein wichtiger Schritt.

Der Autor: Sören (@DiedrichSoren) konnte in Kindheitstagen nichts mit Sonys PlayStation anfangen, was wohl vor allem an diesen blöden Tekken-Turnieren lag, die an jedem Kindergeburtstag bei Freunden stattfanden. Und obwohl im Laufe der Jahre eine Xbox und zahlreiche Nintendo-Geräte ihren Weg in seinen Besitz fanden, blieb die Sony-Konsole immer außen vor. Bis er sich 2018 eine PS4 Pro zulegte - und daraufhin einen Exklusivkracher nach dem anderen begeistert nachholte! Als glücklicher Besitzer einer PlayStation 5 fühlt er sich heute in seiner Wohnung nicht mehr sicher - was, wenn ein Sony-Fan von seinem Besitz erfährt?!

Sony entdeckt den PC für sich

Als wir im vergangenen Jahr endlich auch in den Genuss des Open-World-Abenteuers Horizon: Zero Dawn kamen, zeigten sich viele PC-Spieler noch skeptisch, ob es sich bei dieser Portierung nicht bloß um eine Eintagsfliege handelte. Zu lang war die Liste an Titeln, die man unbedingt auf dem Heimrechner sehen möchte, und warum sollte Sony diesen Aufwand in Sachen Zeit und Kosten auf sich nehmen, wenn man doch mit der PlayStation eine höchst erfolgreiche Plattform besitzt, über die man die volle Kontrolle hat?

Doch Sony, das wird man auch in Japan eingesehen haben, darf nicht nur auf den Ist-Zustand schauen, sondern hat Nachholbedarf im Hinblick auf die Zukunft. Nicht nur Spiele haben sich in der letzten Dekade stark verändert, sondern auch die Spieler. Die lassen sich nun immer weniger von Exklusivtiteln locken, sondern bevorzugen es, die freie Wahl bei der Plattform zu haben - und honorieren diese Freiheit ironischerweise mit Markentreue und einer wohlwollenden Einstellung dem Hersteller gegenüber.

Welche wichtige Rolle der PC wieder für Entwickler und Konzerne spielt, schlüsselt euch Micha auch in seiner umfassenden Analyse zum Zustand der Spieleindustrie im Jahr 2021 auf:

Dauerbrenner PC: Der Zustand der Spiele-Industrie 2021 PLUS 1:23:11 Dauerbrenner PC: Der Zustand der Spiele-Industrie 2021

Microsoft hat dies schon vor Jahren erkannt und daraufhin seine Strategie konsequent auf diese Entwicklung angepasst. Windows und Xbox gehören nun zu einer Familie, der Game Pass fungiert als komfortabel zu beschreitende Brücke zwischen den beiden Plattformen. Auch Features wie Crossplay und -save halten in immer mehr Spielen Einzug, die direkt aus Redmond stammen.

Das führte dazu, dass die Marke Xbox heute besser dasteht als noch vor einigen Jahren, als man sich noch die Wunden leckte nach dem Debakel des Xbox One-Launches (TV, TV, TV!), und gleichzeitig auch der PC als Spieleplattform gestärkt wurde. Man holt einfach alle ab, und das kommt in der heutigen Zeit gut an - meiner Meinung nach zu Recht.

Nun muss auch Sony als zweiter großer Hersteller nachziehen, um nicht den Anschluss zu verlieren (Nintendo blenden wir an dieser Stelle aus, denn die kochen traditionell ihr eigenes Süppchen und bauen auf ihre große Fanbasis und Nostalgie). Sonys Erwähnung von PlayStation PC ist also ein großer Schritt hin zu einer Öffnung der eigenen Plattform und der Erschließung einer neuen Fanbasis.

Allerdings ist unklar, ob der Konzern hierfür tatsächlich eine neue Abteilung gegründet hat oder es sich dabei lediglich um eine Namensanpassung der zuvor als aufgeführten Bezeichnung »PlayStation Mobile« handelt. Beim Klick auf den Publisher-Namen bei Steam landet ihr nämlich weiterhin bei der Übersichtsseite von »PlayStation Studios«.

Doch auch wenn es sich nur eine simple Namensanpassung handelt, ist die Außenwirkung dennoch unübersehbar. Dass die Plattformgrenzen 2021 immer weiter verschwimmen werden, hat GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge übrigens bereits Ende vergangenen Jahres vorausgesagt.

Bislang handelt es sich nur um eine Namensanpassung auf Steam, aber möglicherweise wirbt Sony bald so für seine PC-Umsetzungen wie in diesem von uns bearbeiteten Bild (kein offizielles Logo). Bislang handelt es sich nur um eine Namensanpassung auf Steam, aber möglicherweise wirbt Sony bald so für seine PC-Umsetzungen wie in diesem von uns bearbeiteten Bild (kein offizielles Logo).

PC-Spieler werden wieder wertgeschätzt

Denn, auch das ist klar, diese neue Fanbasis auf dem PC geht gleichzeitig auch einher mit einer weiteren Einnahmequelle. Früher, als die Eisenbahn noch von Eseln gezogen wurde und Flugzeuge am Himmel noch dafür sorgten, dass man schreiend ins Haus rannte, wäre diese Wertschätzung des PCs undenkbar gewesen.

In dieser obskuren Vergangenheit waren die Xbox 360 und die PlayStation 3 die Big Player mit Verkaufszahlen in Millionenhöhe und der heimische Rechner war das ungeliebte Kind, das auch noch so rotzfrech war und sich erdreistet hat, Portierungen zu verlangen. Ports! Für den PC! Hat man da noch Worte?!

Entsprechend lieblos fielen unzählige Umsetzungen dann auch aus. Zusätzliche Grafikfeatures? Fehlanzeige. Funktionierende Kantenglättung, um das hässliche Geflimmer wegzubekommen? Wie konnten wir PC-Spieler nur so etwas verlangen! Warum waren wir denn nicht einfach glücklich mit den Bugs, die uns durch schlampige Portierungen wie bei Resident Evil 4 sogar kostenlos als Dreingabe spendiert wurden?

Uncharted gibt mit der Legacy of Thieves Collection Anfang 2022 auch sein PC-Debüt. Uncharted gibt mit der Legacy of Thieves Collection Anfang 2022 auch sein PC-Debüt.

Jetzt mal im Ernst: Die heutigen Portierungen spielen in einer ganz anderen Liga. Ja, Horizon hatte technische Mängel zum Release, aber dafür sah das Abenteuer auf dem PC auch besser aus und bot zeitgemäße Einstellmöglichkeiten. Und die jüngst angekündigte Umsetzung von God of War soll auf dem PC ebenfalls mit einer Reihe an Features erscheinen, auf die man auf der PlayStation verzichten muss:

God of War: PC-Version angekündigt, erster Trailer   222     25

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Sony zeigt also Mut zum Verlassen der eigens geschaffenen Komfortzone und signalisiert gleichzeitig, dass wir PC-Spieler nun endlich als ernstzunehmende - und kaufkräftige - Konsumenten wahrgenommen werden, für die sich der Aufwand einer Portierung lohnt. Es dürfte sich also nur noch um eine Frage der Zeit handeln, bis Ghost of Tsushima, The Last of Us und Co. auch auf dem PC ihr Debüt geben.

Die oftmals auch ideologischen Grenzen zwischen den Plattformen dürften dadurch weiter aufgeweicht werden. Das sorgt hoffentlich dafür, dass wir eines Tages unserem liebsten Hobby ohne Einschränkungen auf der Plattform unserer Wahl frönen können. Danke dafür, Sony!

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