Die Siedler war von Anfang an zum Scheitern verurteilt

Das neue Siedler ist nicht das Spiel, das uns Ubisoft versprochen hat. Es ist nicht einmal ein gutes Spiel. Das hat mehrere Gründe, darunter Anno 1800.

von Michael Graf, Maurice Weber, Fabiano Uslenghi,
15.01.2022 08:00 Uhr

Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Die Siedler sollte ursprünglich ein komplexeres Spiel werden - inklusive Stadtmauern (links unten). Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Die Siedler sollte ursprünglich ein komplexeres Spiel werden - inklusive Stadtmauern (links unten).

Nach langer Funkstille ist Die Siedler (2022) wieder da - aber kein Aufbauspiel mehr. Ubisoft bezeichnet Die Siedler nun als »economy-driven RTS«, als »wirtschaftsgetriebenes Echtzeit-Strategiespiel«. Das klingt nach Zwischen-den-Stühlen-Sitzen und ist es auch: Beim Anspielen von Die Siedler überzeugten uns weder der Aufbau- noch der Militär-Aspekt, das neue Siedler fühlt sich an wie seichte Resteverwertung.

Ursprünglich sollten wir ein anderes Die Siedler bekommen, ein komplexes Aufbauspiel mit verzahnten Mechaniken und interessanten Produktionsketten. Dass dieses Konzept nicht umgesetzt wurde, überrascht uns allerdings nicht.

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Warum, das besprechen Micha, Maurice und Fabiano im Podcast. Obwohl wir das ursprüngliche Siedler-Konzept sehr gemocht hätten, hat die Siedler-Serie nämlich gleich mehrere (teils selbstverschuldete) Probleme:

  • Die Siedler 7 ist 2010 erschienen, seitdem gab es keinen vollwertigen Serienteil mehr - über Champions of Anteria decken wir mal den Mantel des Schweigens. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum sind immerhin drei Annos erschienen. Das hat die Siedler-Marke geschwächt, erst recht auf dem internationalen Markt, wo sie weniger Tradition hat als im deutschsprachigen Raum.
  • Mit seinen vergleichsweise kleinen Maps saß Die Siedler schon immer in einer Nische. Anders als Cities: Skylines oder Anno 1800 ist es kein Aufbauspiel, in dem man Dutzende oder gar Hunderte Stunden mit dem Auf- und Ausbau einer wachsenden »Schöpfung« verbringen kann. Doch genau dorthin ging jahrelang der Aufbau-Trend: lange Tüftelpartien statt einzelner, kompakter Eroberungen.
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  • Aufbauspiele mit Mittelalter-Charme entstehen derzeit mehrere - wenn auch hauptsächlich Indie-Titel wie Foundation (Michas Geheimtipp), Manor Lords, Patron, Going Medieval oder Distant Kingdoms. Keines davon spielt sich 1:1 wie Die Siedler (am ehesten vielleicht Foundation), aber das mag Ubisoft dennoch von größeren Investitionen abhalten.
  • Ubisoft hat mit Anno 1800 bereits ein komplexes Aufbauspiel im Angebot, das weltweit sehr erfolgreich läuft und gerade in die vierte Season verlängert wurde. Ein weiteres, kompexes Aufbauspiel würde also der eigenen Marke Konkurrenz machen. Auch davor wird Ubisoft zurückgeschreckt sein.
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Das neue Siedler stand also von Anfang an unter keinem guten Stern. Wir sind uns sicher, dass der Siedler-Erfinder Volker Wertich dennoch ein tolles Aufbauspiel hätte entwickeln können. Doch das hätte mehr Aufwand erfordert, als Ubisoft letztlich aufbringen wollte.

Bevor ihr nun wütend in die Kommentare tippt, dass ihr das neue Siedler sehr wohl gemocht hättet: Ja, wir doch auch! Hört also erst mal den Podcast, um unseren Schmerz nachzuvollziehen. Besonders den von Maurice.

Und ja, es gibt auch Hoffnung. Sie kommt nur wahrscheinlich nicht von Ubisoft. Denn ein neues Die Siedler hätte auch für uns immer noch seinen Platz, auch wenn es dann vielleicht »Die Kolonisten« heißt.

Mathe ist schwierig
Micha kann nicht rechnen. Die Siedler 7 ist 12 Jahre her, keine 22 Jahre, wie er im Einstieg behauptet. Zur Strafe muss er alle Esel zählen, die jemals auf Bildern im GameStar-Heft abgebildet waren.

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