Ich liebe Mad Max: Fury Road. In meinen Augen gab es in den letzten zehn Jahren keinen besseren Actionfilm als dieses von Blut und Chrom getränkte Meisterwerk von George Miller. Und das ist vollkommen in Ordnung.
Denn mittlerweile habe ich zwar längst den Überblick verloren, wie oft ich den Straßenkrieg von Max Rockatansky und Imperator Furiosa gegen den Immortan Joe schon mitverfolgt habe. Doch langweilig ist mir Fury Road bis heute nicht geworden. Über die Welt von Mad Max weiß ich längst besser Bescheid, als über die, in der wir leben.
Ihr könnt euch also wahrscheinlich vorstellen, dass ein Film verdammt viel richtig machen muss, damit ich ihn für einen Vergleich mit Fury Road überhaupt in Erwägung ziehe. Predator: Badlands ist so einer - zumindest in den ersten 20-30 Minuten.
So rasant starten Actionfilme viel zu selten!
So kann guten Gewissens behaupten: Beim ersten Drittel von Dan Trachtenbergs mittlerweile dritten Predator-Film bleibt mir echt die Spucke weg! Von Sekunde 1 drückt Badlands auf Gaspedal und rückt davon für eine gute halbe Stunde der Laufzeit von insgesamt über 107 Minuten nicht mehr ab.
2:00
Der neue Trailer zu Predator Badlands macht unmissverständlich klar: Ja, das hier ist ein Alien-Crossover
Los geht’s nämlich mit einem Zweikampf Predator vs. Predator, bei dem im wahrsten Sinne des Wortes die Fetzen fliegen. So viel zur Handlung: Der Yautja Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) hat keinen guten Stand innerhalb seines eigenen Clans. Genau genommen will der Clan eigentlich gar nichts von Dek wissen.
Denn Dek ist jung, unerfahren und dann auch noch einen ganzen Kopf kürzer als der übliche 08/15-Predator. Und der überragt mit Leichtigkeit das österreichische Muskelpaket Arnold Schwarzenegger. Zumindest auf eine … Person(?) in seinem Leben kann Dek zählen: Seinen Bruder Kwei (Mike Homik), der sich nicht davor scheut, Dek in einem freundlichen Trainingskampf in Grund und Boden zu stampfen, aber ihm trotzdem Rückendeckung gibt.
Um nicht ausgestoßen oder gar kalt gemacht zu werden, muss sich Dek aber auch seinem Vater beweisen. Und das geht natürlich nur, indem er auf dem Todesplaneten Genna eine unsterbliche Kreatur namens Kalisk platt macht, vor der sich sogar Deks Papa fürchtet. Easy peasy also.
Der Todesplanet hält aber genau, was der Name verspricht, und Dek bekommt direkt nach dem Eintritt in die Atmosphäre aufs Fressbrett. Genna gilt selbst für kampferprobte Yautja als vorzeitige Grabstätte und dafür sorgt die heimische Flora und Fauna. Hier lässt mich als Badlands über das fantasievolle Design der Genna-Lebewesen staunen und über den kreativen Einsatz kleiner Kniffe kichern.
Denn auf dem Todesplaneten zeigt nicht nur die Tier-, sondern auch die Pflanzenwelt Zähne und das bekommt Dek ziemlich schnell am eigenen Leib zu spüren. Zu seinem eigenen Glück stolpert er schon bald über den Weyland-Yutani-Androiden Thia (Elle Fanning) oder zumindest eine Hälfte davon.
Und ja, ihr habt richtig gelesen: Der neue Predator-Film verknüpft sich unmissverständlich mit der Alien-Reihe, nachdem die Regisseure Fede Alvarez (Alien: Romulus) und Trachtenberg die Vorfreude der Fans auf einen weiteren AvP schon mehrfach anheizten. Erwartet diesbezüglich von Badlands nicht zu viel, doch dieser Film dürfte zumindest die Weichen dafür stellen.
Zurück zum Thema: Um auf Genna zu überleben und den Kalisk kleinzukriegen, nimmt Dek widerwillig Thias Hilfe an. Damit beginnt eine gemeinsame Odyssee nach dem klassischen Lone-Wolf-and-Cub-Prinzip, das schon bei Arya Stark und dem Bluthund, Joel und Ellie oder Wolverine und X-23 so wunderbar funktionierte.
Die Dynamik zwischen dem ungleichen Duo schlägt in die exakt gleiche Kerbe, wenn Dek grummelig durchs Unterholz stapft und Thia fröhlich vor sich hinblubbert und den Yautja mit Fragen über die Predator-Lore löchert. Hier erfindet Badlands das Rad nicht neu, aber hey, if it ain’t broke, don’t fix it.
1:50
Der neue Predator-Film Badlands lässt schon jetzt hinter die Kulissen blicken
Doch dann: Baby Yoda
Aber Vali, bisher hast du kein einziges schlechtes Wort über Predator: Badlands verloren, was ist denn jetzt genau dein Problem
- sehe ich euch gerade schon in die Tasten tippen. Ich verrate euch, was mein verfluchtes Problem ist! Denn wie euch in Anbetracht der Headline dieser Filmkritik nicht entgangen ist, wurde in Badlands ein elender Baby Yoda
reingequetscht.
Und nein, damit meine ich nicht wortwörtlich Grogu aus The Mandalorian, auch wenn ein Star Wars/Predator-Crossover unter Disney gar nicht mal zu absurd erscheinen mag. (Immerhin verwüstet gerade ein Haufen Yautja ebenso Marvels Superhelden-Universum in den Comics.)
Viel eher geht es mir um eine Nebenfigur, die die Funktion eines Baby Yoda erfüllt - ein Maskottchen eben. Und das hat mir im großen Ganzen schon ein bisschen meinen Kinobesuch vermiest.
Um Spoiler zu vermeiden, bezeichne ich besagtes Alien-Äffchen in den folgenden Zeilen einfach mal weiter als Baby Yoda. Denn fairerweise hat das Maskottchen von Badlands eine wichtige Rolle in der Handlung des Films und ebenso der charakterlichen Entwicklung von Dek zu spielen. Mir geht allerdings auf den Keks, wie auf welche Art und Weise das Äffchen diese spielt.
Denn der Baby Yoda von Badlands ist dem Baby Yoda von The Mandalorian ziemlich ähnlich: Er ist klein, niedlich, hat riesige Glubschaugen und soll aufgrund seines kindlichen und gleichzeitig animalischen Designs den Beschützerinstinkt des Zuschauers triggern. Gleichzeitig dient das Alien-Äffchen als Comic-Relief und ist für mindestens die Hälfte der Gags von Badlands verantwortlich.
Kommen wir zum springenden Punkt: Genau dieser aufgezwungene Humor und Niedlichkeits-Faktor wirkt in Badlands völlig fehl am Platz. Denn mit Elle Fannings Thia haben wir bereits einen Comic-Relief-Charakter, dessen trockene Art zu scherzen wesentlich besser in den Kontext des doch sehr rauen und erbarmungslosen Actionfilms passt.
Der Baby Yoda von Badlands wirkt teilweise wie ein Fremdkörper, auf den wohl nicht Regisseur Dan Trachtenberg, sondern die Disney-Anzugträger bestanden haben. Ich kann über die Inklusion des Alien-Äffchens natürlich nur spekulieren. Doch nachdem Prey und Killer of Killers ohne ein vergleichbares Gimmick ausgekommen sind, würde ich mich schon stark wundern, wenn das wirklich auf Trachtenbergs Mist gewachsen sein soll.
Freilich ist Predator: Badlands nur aufgrund dieses Umstandes kein schlechtes Kino-Erlebnis. Doch das stramme Tempo und die Intensität der ersten 20-30 Minuten kann der Film danach nicht mehr aufrechterhalten.
Badlands geht spürbar die Puste aus und wandelt sich von einem einzigartigen zu einem konventionellen Vertreter des Action-Genres. Und der leidet unter einem Störfaktor, der selbst die atmosphärischsten Szenen stört oder sogar völlig kaputt macht. Auf mein begeistertes Mitfiebern folgte dann leider viel zu oft ein genervtes Augenrollen.
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