Rage 2? Ja, bitte! - Dieser Endzeit-Shooter hat einen Nachfolger verdient

Rage ist ganz sicher kein perfektes Spiel. Trotzdem hat es einen Nachfolger mehr als verdient, findet Phil.

von Philipp Elsner,
14.05.2018 16:00 Uhr

Rage 2 - Abgedrehter Debüt-Trailer zum Endzeit-Shooter 0:50 Rage 2 - Abgedrehter Debüt-Trailer zum Endzeit-Shooter

Ja, Rage hatte definitiv so seine Problemzonen. Den allerwenigsten Spielern dürfte es als Mega-Hit im Gedächtnis geblieben sein - der Metascore der PC-Fassung steht heute bei 79. Trotzdem gibt es kaum ein Spiel aus dem Katalog von id Software, bei dem ich ein Sequel so sehr begrüße, wie bei Rage.

Moment, war Rage nicht das Spiel mit dem Megatexture-Problem und dauernd nachladender Grafik? Mit der dünnen Story, die dann auch noch mittendrin einfach aufhörte? Und der etwas mickrigen Open World, die zudem nicht besonders lebendig wirkte? Genau! Eben deshalb braucht die Welt Rage 2.

Mehr als all seine Fehler sind mir nämlich die vielen Dinge im Gedächtnis geblieben, die Rage seinerzeit richtig gemacht hat. Vor allem drei Aspekte ließen mich in den vergangenen Jahren immer wieder gern in das postapokalyptische Ödland zurückkehren:

1. Die Welt

Rage hat zwar eine kleine Open World, die ist aber vollgestopft mit hübschen Details: Vor dem Eingang eines Banditen-Camps warnen bedrohliche Graffitis und bizarre Vogelscheuchen aus rostigem Metall.

Der Stil von Rage wirkt wie aus einem Guss und ist voll von atmosphärischen Details.Der Stil von Rage wirkt wie aus einem Guss und ist voll von atmosphärischen Details.

In den dunklen Katakomben eines Mutanten-Verstecks stapeln sich von Fliegen umschwärmte verrottende Körper. Und die verwinkelten Siedlungen der Menschen versprühen einen ganz eigenen Endzeit-Charme - von der schummrigen Kneipe bis zum Büro des Sheriffs im Western-Look.

Während der Autofahrten zwischen Siedlungen, Missionen und Questgebern, stößt man immer wieder auf Screenshot-würdige Panoramen wie beeindruckende Canyons oder riesige verlassene Industrie-Anlagen, die unwillkürlich den Entdeckerdrang wecken.

Dadurch erschafft Rage eine einzigartige postapokalyptische Stimmung, die für mich selbst Fallout 3 und Fallout 4 nicht toppen konnten.

Ortschaften wie Wellspring sind bis in die kleinste Ecke liebevoll ausgestaltet.Ortschaften wie Wellspring sind bis in die kleinste Ecke liebevoll ausgestaltet.

Der Autor: Schluss mit Sci-Fi, Militär und Elfen-Fantasy: Phil ist fest davon überzeugt, dass die Postapokalypse ihr Comeback als neues Trend-Szenario feiert. Glaubt ihr nicht? Mit Rage 2, Metro: Exodus, Days Gone und The Division 2 sind schon einige hochkarätige Endzeit-Titel bestätigt. Und wer weiß, vielleicht werden wir ja auf der E3 2018 sogar Borderlands 3 zu sehen bekommen! Und dann wären da ja noch ein paar Geheimtipps, wie Atomic Heart oder Mutant Year Zero. Das Ende der Welt ist also bald wieder angesagt - ganz bestimmt!

2. Die Kämpfe

Wenn id Software für irgendwas bekannt ist, dann für makelloses Shooter-Design. Dass hier die Erfinder von Doom und Quake ihre Finger im Spiel haben, merkt man an den satten Waffensounds, der sauberen Steuerung und den hervorragenden Animationen. Fängt sich ein heranstürmender Gegner zum Beispiel eine Kugel ins Bein ein, strauchelt er glaubhaft und zieht sich hinter Deckung zurück.

Die Gegner ist Rage sind kein reines Kanonenfutter, sondern wirken bedrohlich und lebensecht - vom einfachen Banditen bis zum riesigen Monster.Die Gegner ist Rage sind kein reines Kanonenfutter, sondern wirken bedrohlich und lebensecht - vom einfachen Banditen bis zum riesigen Monster.

Generell nutzt die KI je nach Waffe, Gegnertyp und Umgebung unterschiedliche Taktiken und hält den Spieler auf Trab. Abgefahrene Waffen und Gadgets wie der Wingstick - eine Art rasiermesserscharfer Bumerang - bringen zudem Abwechslung in das Standard-Repertoire aus Shotgun, Raketenwerfer & Co.

Mit einigen höher entwickelten Selbstbau-Gegenständen wie dem ferngesteuerten Explosiv-Modellauto oder dem Geschütz-Spinnenroboter kann man sogar richtig kreativ werden und Hinterhalte legen.

3. Die RPG-Elemente

Aufgelockert werden die Kämpfe in Rage durch einen kleinen Hauch Rollenspiel. Waffen und Fahrzeuge können im Spielverlauf mit Upgrades aufgerüstet und mit neuen Munitionssorten bestückt werden, die man per Crafting-System aus gesammeltem Material herstellt.

Die Fahrzeuge a la Mad Max passen in die Welt von Rage wie die Faust auf's Auge.Die Fahrzeuge a la Mad Max passen in die Welt von Rage wie die Faust auf's Auge.

Außerdem führen zahlreiche Nebenmissionen und Minispiele immer wieder von der Hauptquest weg. Wer will, kann mit seinem Mad-Max-Vehikel sogar Wettrennen fahren oder in der absurden Fernsehshow "Mutant Bash TV" für Geld in einer Arena ums Überleben kämpfen.

Das Potenzial

Wenn Rage 2 auf all diesen Stärken seines Vorgängers aufbaut und zugleich mehr aus der Open World herausholt, kann endlich das volle Potenzial ausgenutzt werden, von dem das erste Rage so strotzt.

Statt bloß Kulisse zu sein, muss die Endzeit-Welt zum Leben erwachen. Ich will die tollen Schauplätze nicht nur angucken, ich will sie erkunden! Dazu müssen auch die Fahrzeuge besser ins Gameplay integriert werden und sich nicht mehr wie ein künstlich angeheftetes Element anfühlen.

Auch bei der Story muss sich einiges tun: Es braucht mehr denkwürdige Momente und eine Hauptfigur, mit der ich mich gerne identifiziere. Rage steckte so voller Möglichkeiten. Jetzt ist es endlich Zeit, sie zu nutzen.

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