Dass eins der besten Sci-Bücher unserer Zeit erst jetzt verfilmt wird, ist eine Schande

Red Rising gehört zu den besten Science-Fiction-Büchern überhaupt. Über ein Jahrzehnt später hat die Serie immer noch nicht Kinos oder Streaming-Portale erreicht - was ist da los?

Raumschiffe, Explosionen und das Schicksal eines Imperiums stehen bei den Red Rising-Büchern im Vordergrund, alles filmreif inszeniert. Warum also gibts noch keine TV-Serie oder einen Kinofilm dazu? (Bild: Instagram@piercebrownofficial) Raumschiffe, Explosionen und das Schicksal eines Imperiums stehen bei den Red Rising-Büchern im Vordergrund, alles filmreif inszeniert. Warum also gibt's noch keine TV-Serie oder einen Kinofilm dazu? (Bild: Instagram/@piercebrownofficial)

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Beim Anblick der vielen Millionen Dollar, die großen Filmstudios Jahr für Jahr in maue Fortsetzungen, lauwarme Remakes und beliebige Fließbandware pumpen, kann schon mal Frust aufkommen.

Denn gleichzeitig kommt eine der bildgewaltigsten, rasantesten und intensivsten Science-Fiction-Geschichten der letzten zwölf Jahre einfach nicht aus den Startlöchern, obwohl die Lizenz schon längst an Hollywood verkauft ist.

Red Rising hat sich über sechs Millionen Mal verkauft. Die Buchreihe von Autor Pierce Brown ist so cineastisch, dass sie förmlich nach der großen Kinoleinwand schreit. Trotzdem stehen wir im Jahr 2026 da und blicken auf ein ernüchterndes Fazit: Vor 2028 wird dieses Meisterwerk wohl kaum die Kinosäle erobern. Dann werden seit der Veröffentlichung des Debütromans bereits 14 Jahre vergangen sein - ein Armutszeugnis.

Wie im Alten Rom

Wer die Romane von Pierce Brown bisher verpasst hat, dem fehlt ein echter Meilenstein moderner Science-Fiction. Die Prämisse hat mich ab der ersten Seite gepackt: Der 16-jährige Darrow infiltriert die »Gold«-Kaste des korrupten Sternenimperiums, das siebenhundert Jahre in der Zukunft das Sonnensystem regiert.

Menschen sind in genetisch zementierte Farbgruppen aufgeteilt, die aus Minenarbeitern in den Mars-Tunneln wie Darrow (die »Roten«) Sklaven machen. Jene Unterdrückten ahnen nichts von der Dekadenz weit über ihren Köpfen. Ganz oben thronen die Goldenen, über zwei Meter große, gentechnisch gezüchtete Halbgötter von raubtierhafter Eleganz und grenzenloser Skrupellosigkeit.

Was folgt, ist kein seichtes Jugendabenteuer, sondern eine wuchtige Mischung aus »Der Graf von Monte Christo« und antiker Tragödie, düster und brutal. Als Spion mit dem Ziel, das Kastensystem zu stürzen, muss Darrow sich als Erstes in einer Art »Hunger Games« beweisen, später stehen große Weltraumschlachten und wilde Action-Szenen im Vordergrund, unterstützt von launigen Dialogen mit lebendig gezeichneten Charakteren.

Die Reihe besticht durch ein atemloses Tempo. Es gibt keine zähe Exposition. Gefechte mit Peitschenschwertern, orbitale Sturmlandungen und politische Intrigen wechseln sich in schneller Folge ab. Brown dekonstruiert dabei das klassische Heldenbild, denn Darrow muss die Grausamkeit seiner Unterdrücker selbst annehmen, um das System von innen zu Fall zu bringen.

Die drei Bände der ersten, abgeschlossenen Trilogie erschienen zwischen 2014 und 2016. Die drei Bände der ersten, abgeschlossenen Trilogie erschienen zwischen 2014 und 2016.

Zehn Jahre Hollywood-Farce

Dass diese Vorlage ein filmischer Selbstläufer sein müsste, liegt auf der Hand. Allein schon die Szene, wenn Darrow und seine Freunde aus dem Mars-Orbit in dick gepanzerten Weltraumanzügen auf die Oberfläche geschossen werden, während um sie herum lautlos eine gigantische Schlacht zwischen Raumschiffen tobt ... hach, wie gerne würde ich das auf meinem Fernseher oder der großen Leinwand sehen.

Doch zwölf Jahre nach dem Release von Red Rising im Jahr 2014 warte ich immer noch auf die Umsetzung. Dabei sicherte sich Universal Pictures bereits kurz nach Verkaufsstarts des Buches die Filmrechte.

Video starten 2:22 Mit Die Tribute von Panem: Catching Fire erzielte der aktuelle Red Rising-Regisseur Francis Lawrence einen globalen Erfolg

Die Studiobosse hatten damals die Idee, ein Liebesdreieck zu erfinden. Unter Regisseur Marc Forster (»World War Z«) sollte die Gesellschaftskritik auf ein simples Rachemotiv reduziert werden. Pierce Brown wehrte sich gegen diese Verfälschung des Ausgangsmaterials und ließ die Rechte nach zwei Jahren verfallen.

Daraufhin begann eine jahrelange Reise durch die Streaming-Landschaft. Regisseur Francis Lawrence (»Die Tribute von Panem«, »Constantine«) stieß hinzu, der seit nunmehr acht Jahren an dem Projekt festhält. Gemeinsam mit Brown entwickelte er eine Prestigeproduktion für das Fernsehen, unter anderem war einst ein Budget von bis zu 200 Millionen Dollar im Gespräch, den Gerüchten zufolge bei Apple TV.

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