Ich liebe Resident Evil! Aber meine Fresse, als Film-Fan kann einen das Franchise echt schon mal auf die Palme bringen. Insgesamt sieben Kinofilme (dabei ignoriere ich sogar die Animationsprojekte), sowie eine Netflix-Serie hat eine meiner liebsten Spielereihe bereits hervorgebracht, aber puh, dabei jagt ein Desaster das nächste.
Klar, gerade die Filme um Milla Jovovich haben irgendwo einen Nerv getroffen. Immerhin gibt es mehr als 1,2 Milliarden gute Gründe, warum über einen Zeitraum von 14 Jahren (!) insgesamt sechs (!!) Teile um Protagonistin Alice herausgekommen sind. Und auch ich muss zugeben: Als fieses Guilty Pleasure sind die sogar Teil meiner streng selektierten Blu-ray-Sammlung.
Doch mit der direkten Vorlage haben die freilich nicht viel gemein. Ein Umstand, dem Regisseur Johannes Roberts 2021 mit Welcome to Raccoon City nachkommen wollte … nur um dann die nächste Enttäuschung zu fabrizieren. (Über die Netflix-Serie will ich an dieser Stelle gar nicht erst reden.)
Und trotz all dieser Rückschläge entfachte eine verheißungsvolle Nachricht Anfang 2025 dann doch wieder ein Fünkchen Hoffnung: Zach Cregger will sich Resident Evil annehmen und nicht nur das, sein Projekt sorgte sogar für einen Bieterwettstreit mit Ellbogeneinsatz
. Huiuiui.
Also der Horror-Spezialist hinter Barbarian, der mit Weapons eines der großen Kino-Highlights des letzten Jahres fabrizierte? Und dann auch noch behauptet, selbst leidenschaftlich die Resi-Spiele zu spielen? Die Zeichen für den Film, dem einfach nur der Titel Resident Evil verpasst wurde, standen schon mal gut.
Das finale Endergebnis lässt mit einem Kinostart für Deutschland am 17. September 2026 nun gar nicht mehr lange auf sich warten. Und dazu kann ich euch schon mal guten Gewissens verraten: Wir Resi-Fans der Spiele kommen nach den sieben Live-Action-Filmen, den sechs Animationsprojekten und der Netflix-Serie endlich auf unsere Kosten!
Worum geht’s in Resident Evil?
Seid schon mal gewarnt: Bei Resident Evil handelt es sich um keine direkte Adaption von – nun ja – Resident Evil. Chris Redfield, Jill Valentine, Leon S. Kennedy oder Albert Wesker lassen sich im Film nicht blicken.
Denn statt eines der unzähligen Spiele auf die Leinwand zu hieven, erzählt Cregger eine Geschichte, die sich im Resi-Universum abspielen könnte. Und dabei nimmt es der 45 Jahre alte Regisseur nicht zu genau, was im Vorfeld gleich mal für allerlei Diskussionen sorgte.
So könnte sich Resident Evil parallel zu den Spielen 2 und 3 abspielen. In der Timeline der Vorlage ordnen die sich jedoch in den 90ern ein, während der Film auf ein modernes Setting vor einem winterlichen Schnee-Hintergrund setzt.
Das wird bei dem ein oder anderen von euch wahrscheinlich für Stirnrunzeln sorgen, aber ich will ehrlich mit euch sein: Gestört hat mich das eigentlich nicht. Denn Cregger nutzt diese Umstände für ein paar geschickte visuelle und erzählerische Kniffe – doch später dazu mehr.
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Der offizielle Trailer zum neuen Resident-Evil-Film
Aber lasst mich erstmal zur eigentlichen Handlung kommen: Resident Evil dreht sich um den medizinischen Kurier Bryan (Austin Abrams). Ein unsympathischer – ich sag’s, wie es ist – Vollidiot, der einem alles entscheidenden Gespräch mit seiner Freundin aus dem Weg geht, indem er sich für eine Notfall-Lieferung ins Herz von Raccoon City bereit erklärt.
Und naja, jeder, der sich auch nur oberflächlich mal mit Resident Evil beschäftigt hat, dürfte darüber Bescheid wissen, was in Raccoon City so abgeht: Wenig Erfreuliches. Bryans eigentlich harmlose Lieferung entpuppt sich damit schnell als Kampf um Leben und Tod, der in bester Videospiel-Manier immer weiter eskaliert und ihm immer grauenvolleres Zombie-Gesocks entgegenwirft.
Dem hat Bryan wenig entgegenzuhalten. Der glorifizierte Uber-Fahrer für Organe
(wie er sich selbst bezeichnet) entspricht in der Riege der Resi-Protagonisten nämlich eher einem Ethan Winters und weniger einem Chris Redfield. Soll heißen: Bryan hat nichts drauf und muss sich seine überlebensnotwendigen Skills erst noch aneignen. Und das funktioniert mal besser, mal schlechter.
Resident Evil versteht Resident Evil
Dabei schafft es Cregger auf nicht gerade subtile, aber durchaus effiziente Art und Weise, das Fortschritts-Gefühl eines Videospiels auf die große Leinwand zu übertragen. Auch die Level
, durch die sich Bryan kämpfen muss, fallen vertraut schlauchig aus und stellen ihm teilweise so absurde Hindernisse über den Weg, bei denen ich mich als Resi-Veteran unweigerlich ertappt fühle.
Ohne zu viel zu verraten: Auch wenn sich Bryan mit seinem ganz persönlichen Verfolger à la Mr. X, Nemesis oder Jack Baker herumschlagen muss, ist das nicht sein erbittertster Widersacher auf dem Weg in das Herz von Raccoon City …
Dabei hält sich Resident Evil mit viel Splatter, Blut und Gore nicht zurück und lockt mit widerlichen Kreaturen-Designs, die wir so bisher nicht in Resident Evil gesehen haben. Viel eher wirkt es so, als hätte Cregger das Las-Plagas-Gewürm aus Leon Kennedys Ausflug nach Spanien mit einer ordentlichen Prise Das Ding aus einer anderen Welt gewürzt.
Bei all dem glorreichen Gemetzel ist mir allerdings ein klein wenig der Grusel zu kurz gekommen. Versteht mich nicht falsch: Resident Evil ist atmosphärisch wie Sau, meisterhaft inszeniert und auch nicht zu wenigen Action-Passagen knallen ordentlich.
Das fängt bei kreativen Spielereien an, die schneeweiße Landschaft durch Rücklichter in Blutrot zu tauchen, geht über dezent eingesetzte First-Person-Passagen und endet bei einem unheimlichen Score, der über die Laufzeit von 95 Minuten unter die Haut geht. Als Horror- und Resi-Veteran bietet mir der Film aber dann doch zu viel Vertrautes, um mir einen gehörigen Schauer den Rücken hinunter zu jagen. Aber hey, dafür steht ja auch Resident Evil auf dem Filmplakat und nichts anderes.
Vielleicht hat Cregger so etwas auch kommen sehen und gerade deswegen Resident Evil mit einer großen Portion Humor gewürzt. Keine Sorge: Die Balance zwischen Horror, Action und Comedy gelingt fast ausnahmslos und kippt nur in ein bis zwei wenigen Ausnahmefällen, bei denen ich guten Gewissens ein William-Birkin-großes Auge zudrücken kann.
Cregger nimmt sowohl Resident Evil als auch dessen Fans ernst und tappt nicht etwa in die Falle, zu selbstironisch oder fingerzeigend daherzukommen. Stattdessen sorgt nahezu ausnahmslos Austin Abrams als Bryan für zahlreiche Lacher und Schmunzler, gerade aus dem Grund, weil ich mich selbst mit ihm in vielerlei Hinsicht identifizieren konnte.
Allerdings nicht, aufgrund seiner charakterlichen Fehltritte, sondern viel eher, wie er hoffnungslos überfordert mit all den Schrecken von Raccoon City umzugehen versucht. Bryans Coping-Mechanismus äußert sich in allerlei dummen Sprüchen, viel Gefluche und einem kleinen bisschen Resignation. Und wenn ich ehrlich bin, sieht so wahrscheinlich auch jeder meiner ersten Durchläufe des neuesten Resident Evils aus …
Selten habe ich mich als Fan eines Franchises so sehr von einer Adaption verstanden gefühlt, zuletzt etwa bei Amazons grandioser Fallout-Serie. Was mir Zach Cregger mit Resident Evil auftischt, hat mich einerseits absolut befriedigt und gleichzeitig ganz heißhungrig auf mehr zurückgelassen. Also bitte mehr davon!
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